Dürfen Eltern ihre Kinder mit Hausarrest oder Taschengeldentzug bestrafen?

Autor: , verfasst am 06.01.2017, 12:01| Jetzt kommentieren

Das elterliche Züchtigungsrecht besteht seit November 2000 nicht mehr, die Prügelstrafe wurde damit nicht nur abgeschafft, sondern ist vielmehr sogar als Körperverletzung strafbar. Dürfen Eltern ihre ungezogenen Kinder aber trotzdem noch mit Hausarrest oder Taschengeldentzug bestrafen? Schließlich handelt es sich bei diesen Erziehungsmaßnahmen um Äquivalente zur Geldstrafe und Freiheitsstrafe.
 

Strafe: Hausarrest oder Taschengeldentzug - sind sie erlaubt? (© Gerhard Seybert - Fotolia.com)
Strafe: Hausarrest oder Taschengeldentzug - sind sie erlaubt?
(© Gerhard Seybert - Fotolia.com)

Die Rechtslage: Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung

Mit der Abschaffung des elterlichen Züchtigungsrechts und der Einführung des neuen zweiten Absatzes in § 1631 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch] haben Kinder nunmehr ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Damit sind körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen unzulässig.

 

Der Hausarrest: grundsätzlich erlaubt, aber mit Vorsicht einzusetzen

In der heutigen Zeit erfüllt ein Hausarrest nur selten seinen Zweck: Während früher das Spielen draußen mit Freunden sich einer großen Beliebtheit erfreute, machen heute oftmals Facebook, Instagram und Co am PC bzw. am Smartphone oder Computerspiele an den neusten Konsolen das Rennen. Der Sprössling wird also den Hausarrest in vielen Fällen erst gar nicht ernst nehmen, wodurch er ins Leere läuft.

In anderen Fällen kann der Hausarrest aber auch eine seelische Gewalt darstellen, nämlich wenn er „entwürdigend“ ist. Zur Beurteilung kommt es maßgeblich auf die individuelle Situation, das Alter und die Persönlichkeit des Kindes an. In keinem Fall darf der Hausarrest aber in der Form angewandt werden, die die körperliche Verfassung des Kindes beeinträchtigt, etwa indem die Eltern ihr Zögling von den gemeinsamen Mahlzeiten ausschließen, es von der Schule fernhalten oder sämtliche Kontakte zu anderen verbieten.

Sinnvoll sind daher Ausgangssperren für kurze Zeit, etwa wenn das Kind zu einer coolen Party oder ähnliches möchte.

Zu beachten ist stets, dass der Hausarrest nur selten dazu geeignet ist, dem jungen Menschen die Augen zu öffnen. Im Gegenteil ruft er eher Trotz und eine unbändige Wut über die vermeintliche Ungerechtigkeit hervor.

 

Der Taschengeldentzug: in aller Regel erlaubt

In vielen Fällen erfüllt der Taschengeldentzug seinen Zweck: Kinder und Jugendliche haben keinen Anspruch auf Taschengeld, deshalb stellt der Entzug keine seelische Gewalt dar. Wenn die Kinder und Jugendlichen aber kein Geld zum Ausgehen, für neue Computerspiele oder Apps, für Süßigkeiten oder ähnliches haben, fallen ihnen viele Optionen weg. Der Sprössling wird sich sodann mehrfach überlegen, ob er die Grenzen seiner Eltern überschreiten möchte.

Darüber hinaus ist der Taschengeldentzug eine hilfreiche Erziehungsmaßnahme hinsichtlich des Umgangs mit Geld. Kinder haben ein Recht auf eine Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Dazu gehört auch zu lernen, wie mit Geld hauszuhalten ist, etwa wenn das Taschengeld zu hoch ist und das Kind verschwenderisch damit umgeht.

 

Welche weiteren sinnvollen Bestrafungen gibt es?

In Anlehnung an den Taschengeldentzug sind weitere erlaubte und auch sinnvolle Erziehungsmaßnahmen etwa

  • ein Facebook-Verbot,
  • ein PC- und / oder Konsolen-Verbot,
  • ein Smartphone-Verbot
  • bzw. generell ein Internet- und Handy-Verbot
  • sowie ein Fernseh-Verbot.

Darüber hinaus schreibt sogar das Gesetz vor, dass Eltern ihre Kinder zur Mithilfe im Haushalt „zwingen“ dürfen, quasi als Gegenleistung dafür, dass die Eltern sich um ihr Kind sorgen. Dabei sind einem Kind grundsätzlich bis zu sieben Stunden in der Woche zumutbar. Kinder, die nicht im Haushalt helfen brauchen, können hierin ebenso eine Bestrafung sehen, auch wenn es sich um einen gewissen Anstand den Eltern gegenüber handelt, mit Haushalt mitzuhelfen.

Je nach individueller Situation kann in gewissen Grenzen auch eine Kleiderordnung eine sinnvolle Bestrafung darstellen. Jungen Mädchen können beispielsweise Miniröcke, bauchfreie Tops und High Heels verboten werden, solange sie dadurch ihr Kind nicht absichtlich zum Außenseiter in der Schule machen.

 

Was Eltern sonst noch tun können:

Unabhängig von Bestrafungen gibt eine elterliche Erziehungsmaßnahme, die Wunder wirken kann: Reden. Gespräche mit den Kindern können viel bewirken. Dabei ist es sinnvoll sich auch etwas in die Situation der pubertierenden Kinder hineinzuversetzen, ihnen etwas Verständnis entgegen zu bringen, aber dennoch klar zu machen, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung war. Gemeinsam können Lösungswege erarbeitet werden, die letztlich eine Win/Win-Situation darstellen können.

 

Was Eltern keinesfalls tun sollten:

Eltern sollten niemals mit leeren Drohungen um sich werfen. Hat das Verhalten der Kinder keine entsprechende Reaktion zur Folge, wird es niemals lernen, dass das Verhalten falsch war.

Eltern sollten außerdem niemals Grundbedürfnisse entziehen, auch nicht in emotionaler Hinsicht in Form von Liebesentzug à la „Ich habe Dich jetzt nicht mehr lieb!“.

 

Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Eltern, Vater, Mutter, Kind, Stössling, Zögling, Strafe, strafen, bestrafen, Hausarrest, Taschengeldentzug, Verbot, Handy, Smartphone, Internet, Fernsehen, TV, Facebook


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