Wie schreibe ich eine Verzichtserklärung für ein Erbe?

Autor: , verfasst am 15.11.2017, 10:28| Jetzt kommentieren

Bei einer Verzichtserklärung auf das Erbe muss einiges beachtet werden. Näheres erfahren Sie in dem folgenden Ratgeber.

Verzicht auf das eigene Erbe (© Zerbor - Fotolia.com)
Verzicht auf das eigene Erbe
(© Zerbor - Fotolia.com)

 

Eine Verzichtserklärung für ein Erbe kann nur zu Lebzeiten des Erblassers abgeschlossen werden. Wie ein solcher Erbverzichtsvertraggenau formuliert werden muss, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. In vielen Fällen kommt etwa der folgende Text in Betracht.

 

Erbverzichtsvertrag

abgeschlossen zwischen

 

1. [Name], geb. am [Datum],

 

[Beruf, Adresse]

 

2. [Name], geb. am [Datum],

 

[Beruf, Adresse]

 

und

 

3. [Name], geb. am [Datum]

 

[Beruf, Adresse]

 

    [•] verzichtet hiermit gemäß § 2346ff. BGB gegenüber seiner Mutter [•] und seinem Vater [•] auf sein gesetzliches Erbrecht (und zwar auch mit Wirkung für seine Nachkommen). [•] und [•] nehmen diesen Erbverzicht an.

    Dieser Erbverzicht erfolgt unentgeltlich.

 

 Die Kosten und Gebühren, die im Zusammenhang mit der Errichtung dieses Erbverzichtsvertrages anfallen, übernimmt zur Gänze [•] zur Zahlung, welche auch den Auftrag zur Errichtung dieses Vertrages erteilt hat. Sie verpflichtet sich, ihren [Sohn/Tochter] [•] diesbezüglich vollkommen schad- und klaglos zu halten.

 

[Ort, Datum]

 

(Unterschrift)

 

 

[Ort, Datum]

 

(Unterschrift)

 

Wichtige Hinweise für dieses Muster eines Erbverzichtsvertrages:

Dieses Muster ist nur als Orientierungs- und Formulierungshilfe zu verstehen. Es ist daher nicht 1:1 auf Ihre Belange zugeschnitten.

Nichtzutreffendes ist zu streichen.

Eine Haftung für den Inhalt des Musters kann mit Ausnahme von Fällen von grobem Verschulden oder Vorsatz nicht übernommen werden.

Es ist nicht auszuschließen, dass dieses Muster nicht mehr den zurzeit gültigen Gesetzen oder der aktuellen Rechtsprechung genügt. Eine individuelle Rechtsberatung vor Verwendung der Muster wird dringend empfohlen.

 

Notarielle Beglaubigung erforderlich

Es reicht keinesfalls aus, den Erbverzichtsvertrag mit seiner Unterschrift zu versehen. Dann entfaltet er keinerlei rechtliche Wirkung. Er muss vielmehr von einem Notar beglaubigt werden. Dabei müssen alle Parteien des Vertrags anwesend sein. Dies ergibt sich aus § 2348 BGB. Durch dieses Erfordernis soll verhindert werden, dass eine solche Vereinbarung vorschnell unterschrieben wird. Ob dies in der Praxis ausreicht, ist eher zweifelhaft. Insbesondere potentielle Erben sollten sich daher vorab durch einen Rechtsanwalt beraten lassen, damit er diesen Schritt nicht nachträglich bereut.

 

Erbverzicht kann heikel sein

Wem von seinen Angehörigen nahegelegt wird, dass er auf sein Erbe verzichten soll, sollte sich das gut überlegen. Und sich dabei keinesfalls unter moralischen Druck setzen lassen. Denn er ist an diesen Verzicht normalerweise auch nach dem Tod des Erblassers gebunden. Normalerweise besteht auch kein Anspruch auf das Pflichtteil mehr.

 

Angst vor Überschulden ist kein Grund für einen Erbverzicht

Wer befürchtet, dass er Schulden erbt, sollte allein deshalb keine Verzichtserklärung abgeben. Er kann nach dem Tod des Erblassers das Erbe ausschlagen. Dies hat den Vorteil, dass er nach dem Tod zunächst prüfen kann, ob der Nachlass wirklich überschuldet ist.

 

Fazit:

Aufgrund der erheblichen Folgen sollte ein potentieller Erbe eine Verzichtserklärung nur unterschrieben, wenn er dafür eine angemessene Entschädigung erhält bzw. vorab erhalten hat. Denn diese steht ihm nicht automatisch zu. Wer unsicher ist, sollte dies etwa durch einen Fachanwalt für Erbrecht überprüfen lassen, bevor er unterschreibt.

 

Autor: Harald Büring, Ass. jur. (Juraforum-Redaktion)


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