Was ist der Unterschied zwischen Vermächtnis und Erbe?

Autor: , verfasst am 24.01.2017, 10:27| 1 Kommentar

Zwischen einem Erbe und einem Vermächtnis gibt es einige wichtige Unterschiede. Welche das sind, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Was ist der Unterschied zwischen Vermächtnis und Erbe? (© motorradcbr - Fotolia.com)
Was ist der Unterschied zwischen Vermächtnis und Erbe?
(© motorradcbr - Fotolia.com)

Wer ein Testament oder einen Erbvertrag aufsetzt, möchte gerne selbst regeln, was nach dem Tod mit seinem Nachlass geschieht. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn man von der gesetzlichen Erbfolge abweichen möchte. Beispielsweise möchte der Erblasser seinen Ehegatten als Alleinerben einsetzen. Oder er möchte Einfluss auf die Verteilung des Nachlasses haben.

Damit dies im Sinne des Erblassers geschieht, sollte er sich damit auseinandersetzen, was ein Erbe beziehungsweise ein Vermächtnis auszeichnet. Auf diese Weise können langwierige und teure rechtliche Auseinandersetzungen zwischen nahen Angehörigen mit häufig ungewissem Ausgang vermieden werden.

Was zeichnet ein Erbe beziehungsweise eine Erbschaft aus?

Eine Erbschaft zeichnet sich dadurch aus, dass das gesamte Erbe automatisch auf die Erben übergeht. Dabei steht jedem Erben ein bestimmter Anteil am Nachlass zu. Über diesen kann er jedoch erst verfügen, wenn sich die Erben über die genaue Verteilung des Nachlasses geeinigt haben. Dies kann etwa dann ein Problem werden, wenn ein Grundstück vererbt worden ist. Unter Umständen droht die zwangsweise Versteigerung des Grundstücks. Darüber hinaus ist eine Erbschaft mit Rechten und Pflichten verbunden.

Tipp:
Von daher sollten Erben unbedingt prüfen, ob der Nachlass überschuldet ist. Ansonsten besteht das Risiko, dass sie mit ihrem eigenen Vermögen für die Schulden des Erblassers haften. Dem können Erben nur entgehen, wenn sie das Erbschaft rechtzeitig ausschlagen.

Was bedeutet Vermächtnis rechtlich?

Anders sieht es bei einem Vermächtnis aus. Diese zeichnet sich erst einmal dadurch aus, dass der Vermächtnisnehmer lediglich einen schuldrechtlichen Anspruch gegenüber den Erben des Verstorbenen hat. Er wird also nicht von alleine Eigentümer an dem jeweiligen Vermächtnis. Vielmehr müssen sie sich dazu an die Erben wenden und die Verschaffung der jeweiligen Zuwendung verlangen.

Darüber hinaus handelt es sich bei einem Vermächtnis um einen bestimmten Gegenstand aus der Erbschaft, eine bestimmte Geldsumme oder die Einräumung einer rechtlichen Position wie beispielsweise eines Nießbrauchrechtes. Diesen müssen Sie im Testament oder in einer Vereinbarung im Erbvertrag genau bezeichnen.

Vermächtnis ist auch bei Erben möglich

Der Erblasser kann auch einen seiner Erben ein Vermächtnis machen, das als Vorausvermächtnis bezeichnet wird. In diesem Fall besteht die Besonderheit darin, dass der jeweilige Gegenstand nicht auf den jeweiligen Erbanteil des Erben angerechnet wird. Anders ist dies dann, wenn der Erblasser stattdessen eine Teilungsanordnung gemacht hat.

Hier sollte Sie beim Aufsetzen des Testaments genau schreiben, ob es um eine Teilungsanordnung oder ein Vorausvermächtnis handelt. Dadurch können Auslegungsprobleme vermieden werden, was auch im Sinne des Verstorbenen liegt. An einem Vermächtnis ist vor allem vorteilhaft, dass ein Vermächtnisnehmer keine Angst davor haben braucht, dass er für die Schulden des Verstorbenen aufkommen muss. Ebenso wenig braucht er Auseinandersetzungen zu befürchten, wie sie in Erbengemeinschaften schnell auftreten können.

Fazit:

Möchten Sie daher etwa einem guten Freund nur eine bestimmte Sache aus dem Nachlass zukommen lassen, bietet sich häufig das Vermächtnis an. Denn diesem ist an einer umfassenden Stellung als Erbe normalerweise nicht gelegen.

Unter Umständen bietet es sich auch an, nur einen Alleinerben wie den Ehegatten einzusetzen. So etwas kommt etwa bei Ehepaaren infrage, die keine Kinder haben. Möglicherweise bietet sich hier an, dass etwa das überlebende Elternteil ein Vermächtnis erhält. Wichtig ist jedenfalls, dass Sie im Testament und im Erbvertrag angeben, ob die betreffende Person als Erbe oder Vermächtnisnehmer anzusehen ist. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, wenden Sie sich am besten an einen Fachanwalt für Erbrecht. Dieser kann auch prüfen, ob das jeweilige Testament rechtswirksam ist. In dem Testament oder dem Erbvertrag sollte auch der Vermächtnisnehmer mit vollständigem Namen und Anschrift angegeben werden. Das Nachlassgericht setzt sich dann normalerweise auch mit dem Vermächtnisnehmer in Verbindung.

(Harald Büring)

Schlagwörter: Testament, Erbvertrag, Nachlass, Erblasser, Vermächtnis, Erbschaft


Nachrichten zum Thema
  • BildBezugsberechtigung entscheided nach Erbe über Lebensversicherungsauszahlung (16.02.2017, 14:33)
    Hamm/Berlin (DAV). Der Versicherungsnehmer einer Lebensversicherung kann gegenüber der Versicherung bestimmen, wer zum Bezug der Versicherungsleistung nach seinem Tod berechtigt sein soll. Wer nicht genannt ist, erhält auch als Erbe nichts von der...
  • BildBGH sichert Erbe bei Pflegebedürftigen Großeltern (13.05.2013, 10:23)
    Karlsruhe (jur). Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat vielen Kindern ihr Erbe gesichert, deren Großeltern nicht ausreichend Geld für ihren Lebensunterhalt hatten. Haben sich Sozialhilfeträger deshalb eine Grundschuld auf das Grundvermögen...
  • BildMeldepflicht bei unversteuertem Erbe (17.04.2013, 14:55)
    Es ist ratsam, dass Erben den Nachlass auf eine eventuelle Meldepflicht prüfen. Denn es kann das Risiko bestehen, eine noch nicht versteuerte Erbschaft anzunehmen. GRP Rainer Rechtsanwälte und Steuerberater, Köln, Berlin, Bonn, Düsseldorf,...
  • BildErbschaftssteuer: Was muss ich als Erbe zahlen? (13.05.2011, 11:11)
    Wer von einem Verstorbenen mit Barvermögen, Wertgegenständen oder Immobilien bedacht wurde, der muss in Deutschland Erbschaftssteuer zahlen. Bei der Erbschaftssteuer gelten drei verschiedene Steuerklassen. Die erste umfasst den Ehegatten,...
  • BildIAB-Kurzbericht: Die Abschlussnote macht den Unterschied beim Einstiegsgehalt (21.10.2010, 10:20)
    Beitrag Nr. 189445 vom 21.10.2010 IAB-Kurzbericht: Die Abschlussnote macht den Unterschied beim Einstiegsgehalt Einstiegsgehälter und Abschlussnote von beruflichen Ausbildungsabsolventen stehen für Personalabteilungen in einem engen Zusammenhang:...
  • BildErbe ist nicht gleich Erbe (10.07.2009, 11:36)
    Bamberg/Berlin (DAV). In einem Testament kann nach „Vorerben“ und „Nacherben“ eingestuft werden. Dies kann der Fall sein, wenn der Erblasser will, dass zunächst der Partner und dann die Kinder erben sollen. Der Vorerbe kann in der Regel nur...

Kommentar schreiben

54 + Ei/.ns =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.
* Pflichtfeld

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Tiger  (22.03.2018 10:35 Uhr):
Hallo habe eine Frage es geht um ein Erbe das meine Mutter abgeschlagen hat aber mein Onkel es unbedingt haben möchte somit trete ich als Nachfolger an. Mein Onkel meint aber neuerdings das er das Haus als Schenkung im Testament bekommen hat , habe mir jetzt ein Auszug vom Grund Buch senden lassen aber es steht immer noch meine Oma drin die vor 6 Wochen verstorben ist ist des möglich ? Und er hat angeblich was handgeschriebenes von meiner Oma und notariell beglaubigt vom Jahr 2015 meine Oma war aber ca. 1.5 Jahre im pflegeheim und vorher auch schon starke demenz Anzeichen ist des alles rechtens bitte um Hilfe.





Weitere Erbrecht-Ratgeber


Anwalt für Erbrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.