Muss ein Testament beim Notar errichtet werden?

Autor: , verfasst am 19.01.2015, 07:41| 1 Kommentar

Auch, wenn viele Menschen nicht gerne darüber nachdenken: der Tod wird auch sie ereilen, und damit dann alles wunschgemäß geregelt ist, sollte sinnvollerweise noch zu Lebzeiten ein Testament verfasst werden. Vor dem Verfassen dieses letzten Willens stellen sich häufig Fragen nach dem Wie und Wo; insbesondere das Wo sorgt immer wieder für Unsicherheiten. Darf man seinen letzten Willen einfach so aufschreiben, oder muss ein Testament beim Notar errichtet werden?

Testament (© bilderbox - Fotolia.com)
Testament
(© bilderbox - Fotolia.com)

Grundsätzlich bestehen gemäß dem Erbrecht zwei verschiedene Möglichkeiten zur Errichtung eines Testaments:

  • Testament durch Niederschrift eines Notars

  • Eigenhändiges Testament

Wer seinen letzten Willen notariell errichten lassen möchte, kann dies gemäß § 2231 Nr. 1 BGB bei einem Notar tun. Dies geschieht entweder dadurch, dass der Erblasser ihm seinen letzten Willen in Schriftform übergibt, oder aber er erklärt ihm dem Notar zu Niederschrift. Dieses notarielle Procedere hat den Vorteil, dass derartige Testamente formal korrekt erstellt werden und somit seitens der Erben kaum angefochten werden können. Allerdings ist ein notarielles Testament immer mit Kosten für den Erblasser verbunden, so dass sich viele Menschen dafür entscheiden, ein eigenhändiges Testament zu erstellen. Gemäß § 2231 Nr. 2 BGB ist dies auch gestattet, jedoch sind dabei einige Kriterien zu beachten.

Zunächst muss der Erblasser voll testierfähig sein; das heißt, er darf weder minderjährig noch Analphabet sein noch unter einer Geistesstörung oder Bewusstseinsschwäche leiden. Darüber hinaus bedarf es folgender Voraussetzungen, damit ein Testament gültig ist:

  • Eigenhändige Errichtung

  • Unterschrift

  • Ort und Datum

Die eigenhändige Errichtung besagt, dass das Testament handschriftlich verfasst werden muss. Es ist somit nicht gestattet, eine Schreibmaschine oder einen Computer zu benutzen oder Diagramme zu verwenden, die den letzten Willen bekunden sollen [OLG Frankfurt am Main, 11.02.2013, 20 W 542/11]. Auch ist es nicht ausreichend, wenn eine andere Person den letzten Willen eines Erblassers aufschreibt, und dieser nur unterzeichnet. Wer also nicht schreiben kann, kann keine eigenhändigen Testamente verfassen.

Die Unterschrift hat grundsätzlich unter dem Testament zu stehen, und zwar bestehend aus dem vollständigen Namen. Wer mehrere Vornamen hat, muss diese ebenfalls komplett angeben. Sollte das Testament aus mehreren Seiten bestehen, ist es sinnvoll, jede einzelne von ihnen zu unterschreiben; verlangt wird allerdings nur eine Unterschrift auf der letzten Seite. Fehlt die Unterschrift, so ist das betreffende Testament unwirksam [OLG Braunschweig, 29.10.1954, 1 W 136/54]. Erstellen Ehegatten ein gemeinschaftliches Testament, so ist es ausreichend, wenn einer von ihnen es eigenhändig schreibt sowie mit Orts- und Datumsangabe versieht. Unterschreiben müssen jedoch beide Ehegatten.

Wenn ein Erblasser auf einer Kopie seines Testaments Ergänzungen aufschreibt, so müssen diese ebenfalls von ihm unterschrieben werden. Tut er dies nicht, ist die letztwillige Verfügung nicht formwirksam [OLG München, 31.08.2011, 31 Wx 179/10].

Der Ort sowie das Datum, wo und wann das Testament erreichtet worden sind, gehören ebenfalls auf den letzten Willen eines Erblassers. Von Bedeutung ist dies vor allem in jenen Fällen, in denen jemand mehrere Testamente geschrieben hat: da immer das zuletzt verfasste Gültigkeit hat, muss zweifelsfrei festgestellt werden können, an welchem Datum dies geschehen ist.

Zu beachten ist, dass es dem Erblasser überlassen bleibt, worauf und mit welchen Materialien er sein Testament schreibt. Theoretisch könnte er es auch mit Kreide auf eine Schultafel schreiben, solange es den formalen Anforderungen entspricht. Es ist jedoch ratsam, Schreibmaterial zu benutzen, welches unveränderbar ist, also beispielsweise Kugelschreiber auf Papier.

Auch ist es nicht erforderlich, Zeugen bei der Erstellung eines eigenhändigen Testaments zu haben. Sollten jedoch welche anwesend sein, muss deren vollständiger Name sowie deren Anschrift und Unterschrift auf dem letzten Willen zu finden sein.

Das eigenhändige Testament ist zwar die kostengünstigere Variante des letzten Willens, jedoch auch die unsicherere. So kommt es immer wieder vor, dass der Erblasser Wünsche darin äußert, welche rechtlich gar nicht umsetzbar sind.

Auch kann ein eigenhändig verfasstes Testament leichter gefälscht werden als ein notariell beurkundetes.

Die Erben haben mit einem notariellen Testament ebenfalls weniger Schwierigkeiten, ihr Erbe anzutreten: in der Regel reicht ihnen ein solches bei Banken, Versicherungen etc. zur Legitimation aus; bei einem eigenhändigen Testament wird meistens hingegen noch ein Erbschein verlangt, der die Erbfolge belegt.

Schlagwörter: Niederschrift Notar, Testament, eigenhändiges Testament


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Nadine  (11.08.2017 08:52 Uhr):
Hallo zusammen, vielen Dank für den interessanten Beitrag. Meine Mutter möchte ein Testament auflegen. Hierzu sollte man sich an einen Notar wenden. LG Nadine





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