Müssen Geschwister die Beerdigungskosten übernehmen?

Autor: , verfasst am 27.06.2017, 09:44| 1 Kommentar

Geschwister können unter Umständen zur Übernahme der Beerdigungskosten für ihren verstorbenen Bruder oder Schwester verpflichtet sein. Wann dies der Fall ist, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Tod eines nahen Verwandten (© Pictures4you - Fotolia.com)
Tod eines nahen Verwandten
(© Pictures4you - Fotolia.com)

Der Tod eines nahen Verwandten kann auch für Geschwister teuer werden. Dies gilt allerdings nur dann, wenn keine Erben vorhanden sind. Denn diese müssen vorrangig für die Kosten der Beerdigung aufkommen. Dies ergibt sich aus der Vorschrift von § 1968 BGB.

Wer Erbe ist, richtet sich nach dem Testament des Verstorbenen beziehungsweise einer anderen letztwilligen Verfügung. Sofern eine solche nicht vorhanden ist, greift die gesetzliche Erbfolge. Sofern Geschwister die Erben sind, kann für sie eventuell eine Ausschlagung interessant sein. Zuvor sollte allerdings geprüft werden, ob sie nicht gleichwohl die Beerdigungskosten bezahlen müssen. Dies ist nämlich auch aus anderen Gründen möglich.

Heranziehung von Unterhaltspflichtigen

Sofern es keine Erben gibt bzw. diese die Erbschaft ausgeschlagen haben, müssen zunächst Unterhaltspflichtige für die Beerdigungskosten aufkommen.

Bestattungspflichtige Angehörige

Sind diese nicht vorhandenen, kann sich eine Verpflichtung zur Bezahlung der Beerdigungskosten aus den Bestattungsgesetzen des jeweiligen Bundeslandes ergeben. Dies richtet sich dann danach, wer zur Durchführung einer Bestattung verpflichtet ist. Dies bedeutet normalerweise, dass Geschwister die Beerdigungskosten tragen müssen, wenn die folgenden Verwandten nicht vorrangig herangezogen werden können.

•          Ehegatten/Lebenspartner,

•          volljährige Kinder,

•          Eltern des Verstorbenen.

Gibt es hingegen nur Großeltern oder volljährige Enkelkinder, so müssen Geschwister trotzdem die Beerdigungskosten bezahlen. Sofern es mehrere Geschwister gibt und nur einer für die Beerdigungskosten aufkommt, kann der von den übrigen einen Ausgleich verlangen.

Vorsätzliche oder fahrlässige Tötung des Verstorbenen

Geschwister sollten allerdings beachten, dass es hiervon eine wichtige Ausnahme gibt. Diese liegt vor, wenn der Verstorbene von einem Dritten getötet worden ist. In diesem Fall muss diese Person für die Beerdigungskosten aufkommen. Dies ergibt sich aus § 844 BGB. Typische Beispiele sind etwa der Tod durch eine unerlaubte Handlung wie die schuldhafte Verursachung eines Verkehrsunfalls bzw. die Begehung einer Straftat wie einer fahrlässigen oder sogar vorsätzlichen Tötung. Hierauf sollten Sie achten, wenn Sie etwa als Erbe die Kosten für eine Beerdigung getragen haben.

Eine weitere Ausnahme greift, wenn die Übernahme der Beerdigungskosten ausnahmsweise nicht zumutbar ist. Diese Situation kommt allerdings nur dann in Betracht. Gegen die Zumutbarkeit spricht etwa, wenn der Verstorbene versucht hat, den eigentlich bestattungspflichtigen Bruder oder Schwester zu töten. Oder die Geschwister beziehen Hartz IV. Es reicht hingegen nicht aus, dass zu dem Verstorbenen keine persönliche Beziehung bestanden hat. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Hessischen Landessozialgerichtes vom 06.10.2011 – L 9 SO 226/10. Diese Entscheidung ist mittlerweile rechtskräftig.

Sozialbestattungen

Wer aufgrund seiner finanziellen Situation etwa als Hartz-IV-Empfänger nicht die Beerdigungskosten für seinen verstorbenen Bruder oder seine verstorbene Schwester bezahlen kann, sollte sich mit dem Sozialamt in Verbindung setzen. Dieses übernimmt unter Umständen die Kosten für eine Sozialbestattung nach § 74 SGB XII. Dabei muss es notfalls in Vorleistung treten, was ausdrücklich beantragt werden sollte. Allerdings ist hier noch nicht abschließend geklärt, für welche Aufwendungen das Sozialamt im Einzelnen aufkommen muss.

Nützliche Informationen etwa über die Kosten von Bestattungen erhalten Sie auf der Webseite von der Verbraucherinitiative AETERNITAS.

 

Autor: Harald Büring (Juraforum-Redaktion)


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Klara Lassen  (28.06.2017 10:32 Uhr):
Aber es müssen allen mitteilen?Danke für die Info





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