Kann ich ein Sparbuch erben?

Autor: , verfasst am 18.03.2015, 07:56| Jetzt kommentieren

Immer wieder kommt es in einem Erbfall vor, dass zu der Erbmasse auch ein Sparbuch gehört. Auch, wenn heutzutage das „klassische“ Sparbuch immer mehr in Vergessenheit gerät: es zählt insbesondere bei älteren Menschen immer noch zur beliebtesten Form der Geldanlage. In derartigen Fällen stellen sich dem Erben die Fragen: Kann ich ein Sparbuch überhaupt erben? Und wenn ja: was muss ich tun, um an das Geld zu gelangen?

Erbschaft (© motorradcbr - Fotolia.com)
Erbschaft
(© motorradcbr - Fotolia.com)

Sparbuch gehört zur Erbmasse

Das Erbrecht besagt, dass Vermögenswerte, welche ein Verstorbener besitzt, zum Zeitpunkt seines Todes an seine Erben übergehen. Diese werden per Testament oder – wenn kein solches vorhanden ist –gesetzlicher Erbfolge bestimmt. Grundsätzlich ist es so, dass Sparbücher zur Erbschaft und somit den Erben gehören, da es sich bei ihnen um die Rechtsnachfolger des Verstorbenen handelt.

Wie ist die Rechtsstellung von Sparbüchern?

Sparbücher werden rechtlich als Schuld- und Beweisurkunde angesehen. Dies bedeutet, dass die Bank dem Sparer verspricht, das Gesparte zurückzuzahlen; das Sparbuch selbst dient als Beweis dafür, dass das Geld auch tatsächlich vorhanden ist. Darüber hinaus ist ein Sparbuch ein qualifiziertes Legitimationspapier: Auszahlung sind seitens der Bank nur möglich, wenn ihr dieses Buch vorgelegt wird. Sie muss dann darauf vertrauen dürfen, dass der Betreffende zu einem Empfang de Geldes legitimiert ist. Im Klartext heißt das: die Bank wird dem Inhaber eines Sparbuchs Zugriff auf dieses gewähren.

Hegt die Bank nun Zweifel daran, dass derjenige tatsächlich dazu berechtigt ist, Geld abzuheben oder gar das Sparbuch aufzulösen, so ist sie dazu berechtigt, dessen Identität zu verlangen. Dies bedeutet nicht nur, dass er sich ausweisen muss, sondern auch, dass er beweisen muss, dass er dass Recht dazu hat, auf das Sparguthaben zuzugreifen.

Sparbuch erben – was ist zu tun?

Wenn nun ein Erbe mit dem Sparbuch in der Hand zur Bank geht und eine Auszahlung des Guthabens wünscht, so wird ihm dieser Wunsch nicht so ohne weiteres erfüllt werden. Vielmehr wird die Bank von ihm besagten Identitätsnachweis fordern, zumal sie in der Regel bereits darüber unterrichtet worden ist, dass der Sparbuchinhaber verstorben ist.

Als solcher Nachweis gilt eine Sterbeurkunde. Der Erbe ist also dazu verpflichtet, bei der Bank eine Sterbeurkunde vorzulegen, um an das Guthaben auf dem Sparbuch zu gelangen. Darüber hinaus muss er ein gültiges Ausweisdokument vorlegen sowie einen Erbschein. Dieser legitimiert ihn dazu, auf das Sparbuch zugreifen zu dürfen. Sollte der Erblasser jedoch ein Testament gemacht haben, so ist dieses der Bank vorzulegen inklusive der entsprechenden Eröffnungsschrift.

In Fällen, in denen mehrere Eben vorhanden sind, müssen entweder alle Miterben anwesend sein, oder aber per Vollmacht ihren Wunsch nach Auszahlung des Guthabens bestätigen.

Nun kann es sein, dass die Bank trotz Testamentsvorlage darauf besteht, einen Erbschein zu sehen. Wenn dies der Fall ist, so hat sie die Kosten zur Ausstellung eines solchen Scheins zu tragen [BGH, 07.06.2005, XI ZR 311/04].

Die Bank darf die Auszahlung eines Guthabens nicht verweigern, wenn es keine triftigen Gründe hierfür gibt. Fehlende Kontobewegungen beispielsweise werden seitens der Gerichte nicht als eine solche Begründung angesehen [OLG Celle, 18.06.2008, 3 U 39/08].

Werden Zinsen mitvererbt?

Die Gelder, die sich auf einem Sparbuch befinden, sind in der Regel verzinst. Sie werden als Guthaben des Erblassers angesehen. Somit erhalten die Erben das Sparguthaben inklusive der Zinsen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Verzinsung mit dem Todestag des Vererbenden endet. Da meistens die Erben erst Tage oder Wochen später im Kreditinstitut erscheinen, um auf die Sparbücher zu zugreifen, muss dieses dann die Zinsen bis zum Tag des Todes des Erblassers zurückrechnen – allerdings nur in jenen Fällen, in denen ein Sparbuch aufgelöst werden soll. Bleibt es weiterhin bestehen, ändert sich an der laufenden Verzinsung nichts.

Fazit: Ein Sparbuch kann man ebenso erben wie alle anderen Vermögenswerte. Um an das darauf befindliche Guthaben heran zu kommen, bedarf es einer Legitimation sowie eines gültigen Ausweises.

Schlagwörter: Erbmasse, Sparbuch, Sparbuch erben, Erbschaft


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