Gebühren: Was kostet die Hinterlegung eines Testaments beim Gericht?

Autor: , verfasst am 14.09.2016, 08:39| Jetzt kommentieren

Die Hinterlegung eines Testaments beim Gericht (sog. amtliche Verwahrung) bietet sich insbesondere für Alleinstehende oder für Personen an, die befürchten, dass Dritte ihr Testament nach ihrem Tod fälschen oder verschwinden lassen könnten. Doch was kostet eine solche amtliche Verwahrung und welche Voraussetzungen sind daran geknüpft?
 

Gebühren: Was kostet eine Testamentshinterlegung beim Gericht? (© Gina Sanders - Fotolia.com)
Gebühren: Was kostet eine Testamentshinterlegung beim Gericht?
(© Gina Sanders - Fotolia.com)

Die amtliche Verwahrung

Nach § 2248 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch] ist auf Verlangen des Erblassers ein eigenhändiges Testament (gem. § 2247 BGB) in besondere amtliche Verwahrung zu nehmen. Mit Ausnahme von Baden-Württemberg, wo die Notariate zuständig sind, sind die Nachlassgerichte für die amtliche Verwahrung zuständig. Nachlassgericht ist dabei das Amtsgericht des Wohnortes. Nach dem seit 01.08.2013 geltenden neuen Gerichtskosten- und Notarkostengesetz [GNotKG] kostet die amtliche Verwahrung pauschal 75 Euro. Damit haben sich die Verwahrungskosten deutlich reduziert. Vor der Gesetzesreform wurden die Kosten nämlich anhand des Vermögens des Testierenden berechnet, weshalb sie häufig deutlich höher ausfielen.

Erforderliche Unterlagen für die besondere amtliche Verwahrung des eigenhändigen Testaments sind ein formloser Antrag sowie das eigenhändige Testament an sich.

Die Verwahrungsdauer beträgt maximal 30 Jahre. Befindet sich ein Testament seit mehr als 30 Jahren in amtlicher Verwahrung, ermittelt die verwahrende Stelle von Amts wegen, ob der Erblasser noch lebt. Sollte dies nicht der Fall sein, wird die Verfügung von Todes wegen eröffnet.
 

Wie errichte ich ein eigenhändiges Testament?

Nach § 2247 Absatz 1 BGB kann der Erblasser ein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten. Demnach muss der gesamte Text selbst mit der Hand geschrieben und unterzeichnet sein, da sich nur anhand der individuellen Züge der Handschrift die Echtheit des Testaments überprüfen lässt. Es genügt also gerade nicht, den Text am Computer aufzusetzen, auszudrucken und sodann zu unterzeichnen. Ferner ist ein Testament immer dann unwirksam, wenn es von einer dritten Person geschrieben und vom Erblasser unterzeichnet wurde, etwa weil die Hand des Testierenden schon sehr zittrig war (vgl. dazu OLG Frankfurt/Main mit Beschluss vom 12. Dezember 2013, Az.: 20 W 281/12). Etwas anderes gilt nur ausnahmsweise, wenn es sich um ein gemeinschaftliches Testament zwischen Ehegatten handelt. Ein solches muss zumindest ein Ehepartner eigenhändig schreiben und der andere Ehepartner braucht es nur noch unterschreiben (vgl. § 2267 BGB).

Die Unterschrift sollte aus Vor- und Nachnamen bestehen. Darüber hinaus sollte der Erblasser stets angeben, wann und wo er seinen letzten Willen niedergeschrieben hat. Dies ist immer für diese Fälle sinnvoll, in denen mehrere Testamente auftauchen. Denn ein jüngeres Testament hebt ein älteres auf. Ein Fehlen dieser Angaben macht ein Testament jedoch nicht unwirksam, es können aber Zweifel an der Gültigkeit aufkommen.
 

Welche Vorteile hat ein eigenhändiges Testament gegenüber einem öffentlichen Testament?

Ein öffentliches bzw. notarielles Testament wird bei einem Notar errichtet. Dies hat der Vorteil, dass man sich von dem Notar beraten lassen kann. Darüber hinaus erfolgt beim Notar automatisch eine amtliche Verwahrung. Der entscheidende Nachteil sind jedoch die Kosten, da zusätzlich Notarkosten anfallen, die sich nach dem Wert des Vermögens richten.
Die Vorteile eines eigenhändigen Testaments sind demnach die Unabhängigkeit von Dritten und die damit eingesparten Kosten. Darüber hinaus lässt sich das eigenhändige Testament jederzeit und an jedem Ort verfassen sowie ändern und vernichten. Dies ist wiederum der Nachteil, denn ein eigenhändiges Testament kann leicht gefälscht oder vernichtet werden bzw. verloren gehen. Um dieses Risiko zu minimieren, kann es jedoch beim Nachlassgericht verwahrt werden (s.o.).
 

Fazit

Wer aus eigenhändiges Testament verfasst und sich nicht den Risiken aussetzen will, dass es verloren geht oder gefälscht bzw. vernichtet wird, kann es beim Nachlassgericht amtlich verwahren lassen. Dazu bedarf es neben dem Testament lediglich eines formlosen Antrags. Seit 01.08.2013 betragen die Kosten für diese amtliche Verwahrung pauschal 75 Euro.


Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Testament, Hinterlegung, Verwahrung, verwahren, Testamenthinterlegung, Gericht, Nachlassgericht, Gebühr, Kosten, amtlich, Notar, eigenhändig, Testamentsregister, Erbe, Erbrecht


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