Erbenermittlung: Antrag, Termine & Kosten bei Erben-Suche

Autor: , verfasst am 30.01.2018, 12:59| Jetzt kommentieren

Worum geht es bei der Erbenermittlung und wer führt sie durch? Dies erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Erbrecht  (© Boris Zerwann - Fotolia.com)
Erbrecht
(© Boris Zerwann - Fotolia.com)

Nicht immer ist bei dem Tod eines Menschen bekannt, wer die Erben des Nachlasses sind. Dies ist häufig dann der Fall, wenn der Verstorbene kein Testament bzw. Erbvertrag gemacht hat und keine nächsten Angehörigen vorhanden sind. Große Probleme bereiten etwa die Fälle, in denen Angehörige etwa im Krieg verschollen oder geflohen sind. Das Gleiche gilt auch, wenn sie ins Ausland ausgewandert sind.

 

Wer muss Erbenermittlung betreiben?

Zunächst einmal ist die Ermittlung der Erben Aufgabe des Nachlassgerichtes beziehungsweise des Nachlasspflegers. Dies ergibt sich aus § 1960 BGB. Allerdings brauchen diese nur in dem Umfang selbst zu ermitteln, wie dies zumutbar erscheint. Wie weit diese Verpflichtung in der Praxis geht, ist unklar geregelt.

 

Einschaltung von Erbenermittler

Wenn das Gericht oder der Nachlasspfleger nicht weiterkommen durch eine Erben-Suche in öffentlichen Registern oder eine öffentliche Aufforderung nach § 352d FamFG, schalten sie unter Umständen einen gewerblichen Erbenermittler tätig. Dies geschieht auf eigenes Risiko, weil normalerweise zunächst einmal kein Anspruch des professionellen Erbermittlers auf Vergütung gegenüber dem Erben aus dem Nachlass besteht. In der Praxis läuft das häufig in der Weise ab, dass der Erbenermittler an die ermittelten Erben herantritt und mit diesen die Zahlung eines Honorars vereinbart. Zuweilen nehmen auch Erbengemeinschaften Kontakt zu einem Erbenermittler auf.

 

Höhe der Vergütung bei Erbenermittler

Die Höhe der vereinbarten Vergütung beträgt dabei übelicherweise bis zu 30% der Summe des Nachlasses. Diese wird aus dem Nachlass selbst bestritten. Wenn eine höhere Vergütung abgeschlossen wird, gehen die Erbermittlung das Risiko ein, dass Gerichte diese als sittenwidrig gem. § 138 BGB ansehen.

Die ermittelten Erben haben dann die Möglichkeit, beim Nachlassgericht ein Erbschein zu beantragen. Das gilt insbesondere dann, wenn der Nachlass Grundstücke enthält. Hingegen ist ein Erbschein normalerweise entbehrlich, wenn es ein Testament oder einen Erbvertrag gibt.

 

Staat als Erbe

Soweit bei einem Nachlass keine Erben ermittelt werden können, erbt in letzter Konsequenz der Staat. Dabei handelt es sich normalerweise um das Bundesland, in dem der Verstorbene zuletzt gemeldet beziehungsweise seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte.

 

Tipp für Verbraucher bei Erbenermittlern

Wenn Verbraucher von einem professionellen Erbenermittler kontaktiert werden, sollten Sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sie sollten den Vertrag genau prüfen und keinesfalls Vorkasse leisten. Das Unterzeichnen eines seriösen Vertrages erscheint hingegen sinnvoll. Viele Erbenermittler sind im Verband Deutscher Erbenermittler zusammengeschlossen. Dort können Sie sich in Zweifelfällen erkundigen. Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie sich unter Umständen an eine Verbraucherzentrale oder einen Rechtsanwalt wenden. Erben sollten vorsichtshalber immer prüfen, ob die Ausschlagung eines Nachlasses etwa aufgrund einer Überschuldung sinnvoll ist. Allerdings sind diese Fälle bei Einschaltung eines professionellen Erbenermittlers eher selten.

 

Autor: Harald Büring, Ass. jur. (Juraforum-Redaktion)


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