Erben erben ein Erbe- oder doch nicht?

Autor: , verfasst am 04.09.2014, 13:29| 1 Kommentar

Diese Alliteration kann gute Aussichten in tief herunter gezogene Mundwickel verwandeln. Sterben ist nicht schwer, Erben umso mehr. Bei Fehlern im Testament geht der vom Erblasser gewollte Begünstigte schnell mal leer aus. Existiert ein Testament nicht oder ist ein Testament unwirksam, so kommt es zur gesetzlichen Erbfolge. Diese geht ausschließlich auf Abstammung und Verwandtschaftsgrad ein. Ihre persönlichen Beziehungen zu den einzelnen Familienmitgliedern und eine vom Erblasser vorgestellte gerechte Verteilung werden dabei nicht berücksichtigt.

Erbe (© motorradcbr - Fotolia.com)
Erbe
(© motorradcbr - Fotolia.com)

Das Testament, auch Verfügung von Todes wegen,  ermöglicht eine Abweichung von der gesetzlichen Erbfolge. Hat der Erblasser zwei Kinder, will aber, dass sein Unternehmen auf seinen Freund und Wegbegleiter W übergeht, braucht er ein wirksames Testament. Dabei handelt es sich um eine einseitige nicht empfangsbedürftige Willenserklärung, d.h. die Erklärung entfaltet, ohne Abgabe an einen Notar oder an eine andere Stelle, ihre Wirksamkeit. Darüber hinaus ist sie frei widerruflich. Davon abzugrenzen ist ein Erbvertrag, der gerade die Widerruflichkeit ausschließen soll.

Es gibt zwei Arten von ordentlichen Testamenten

Das privatschriftliche Testament, welches vom Erblasser handschriftlich verfasst wird und das öffentliche bzw. notarielle Testament, bei dem jemand sein Erbe durch mündliche Erklärung oder Übergabe einer entsprechenden Schrift an einen Notar regelt. Das privatschriftliche Testament stellt die Regel dar. Daneben gibt es noch außerordentliche Testamente, sogenannte Nottestamente. Auf diese soll an dieser Stelle jedoch nicht eingegangen werden.

 Privatschriftliches Testament

Für die Wirksamkeit des Testaments muss der Erblasser den gesamten Urkundentext selbst verfasst haben. An der Eigenhändigkeit lässt sich die Echtheit des Dokuments beweisen. Die Schriftzüge sollen auch Aufschluss auf die freiwillige oder erzwungene Abgabe einer Erklärung geben. Die eigenhändige Unterschrift umfasst Vor- und Nachnamen. Eine andere eindeutige Bezeichnung wie „euer Vater“ schadet nicht. Die Unterschrift hat eine Identitäts- und Abschlussfunktion. Sollte das Testament mehrere Seiten umfassen sind diese Durchzunummerieren und die Unterschrift ist auf die letzte Seite zu setzen. Orts- oder Zeitangaben sind zwar nicht zwingend erforderlich (Soll- Vorschrift), doch empfiehlt es sich, sie einzutragen, denn falls man mehrere Testamente hinterlässt, gilt immer das zuletzt verfasste. Für die wirksame Errichtung des privatschriftlichen Testaments  bedarf es weder eines Notars noch eines Zeugen.

Schlagwörter: Erben, Testament, Erblasser, eigenhändig, privatschriftlich

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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

wolfschaf  (14.10.2016 12:26 Uhr):
wenn ein ehemann seinen nachnamen erst 11 jahre nach eheschließung (1918 ) der vorehelich geborenen tochter seiner ehefrau erteilt, ist diese tochter genauso erbberechtigt wie eine nach eheschließung geborene ? leider ist keine vaterschaftsanerkennung bisher beschaffbar.die tochter wurde 1915 geboren.




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