Die ersten Schritte nach dem Erbfall

Autor: , verfasst am 31.03.2017, 21:14| Jetzt kommentieren

Nach dem Tod eines geliebten Menschen kommt auf die nächsten Angehörigen des Verstorbenen neben der Trauer eine Vielzahl von Problemen zu, die – zum Teil unter Zeitdruck – zu lösen sind. Was ist aus Sicht des Erbrechtlers zu tun?Falls der Angehörige zu Hause verstorben ist, ist der Hausarzt zu benachrichtigen. Durch den Hausarzt wird der Totenschein ausgestellt. War der Angehörige im Krankenhaus verstorben, wird der Totenschein durch den Krankenhausarzt ausgestellt.

 (© JuraForum.de)

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Nachfolgend ist die Sterbeurkunde zu beantragen. Zuständig ist hierfür das Standesamt, in dessen Bezirk der Todesfall eingetreten ist, nicht das für den Wohnort des Verstorbenen zuständige Standesamt. Dies bedeutet, dass bei Versterben im Krankenhaus das Standesamt am Ort des Krankenhauses zuständig ist. Bei einem Versterben an der Unfallstelle bei einem Verkehrsunfall stellt das für den Unfallort zuständige Standesamt die Sterbeurkunde aus.

Eröffnung letztwilliger Verfügungen

Das örtlich zuständige Nachlassgericht wird automatisch durch das Standesamt vom Todesfall informiert. Sofern ein Testament oder ein Erbvertrag vom Erblasser nach der Errichtung in öffentliche Verwahrung gegeben worden war, hat das Nachlassgericht durch Einsicht in das Zentrale Testamentsregister bereits Kenntnis von letztwilligen Verfügungen. Diese werden entweder beim Notar angefordert oder aus der gerichtlichen Verwahrung genommen und „eröffnet“, also den gesetzlichen Erben oder den im Testament erwähnten Personen zugeschickt. Diese Eröffnung kann allerdings einige Wochen in Anspruch nehmen.

Sofern das Testament beim Erblasser selbst verwahrt worden war, ist es unverzüglich beim Nachlassgericht abzuliefern. Als Testament sind alle Schriftstücke anzusehen, aus denen sich ergeben kann, wem der Verstorbene seinen Nachlass zukommen lassen wollte. Wer ein Testament nicht beim Nachlassgericht abliefert, macht sich strafbar. Ein solches Testament kann sich bei den Unterlagen des Verstorbenen befinden, aber auch bei Verwandten oder im Schließfach einer Bank.

Widerruf von Vollmachten

Falls Sie als Erbe in Frage kommen, überprüfen Sie, ob andere Personen auf Grund von Vollmachten, die der Verstorbene erteilt hat, über Bankkonten verfügen können. In diesem Falle besteht die Gefahr, dass gegen Ihren Willen noch weiterhin Geld von Konten des Verstorbenen abgehoben oder überwiesen wird. Zur Sicherheit sollten von Ihnen alle der Hausbank des Verstorbenen erteilten Vollmachten widerrufen werden.

Erbschein

In den meisten Fällen muss der Erbe die Tatsache, dass er Erben geworden ist, gegenüber Banken, Versicherungsgesellschaften, Behörden oder sonstigen Dritten nachweisen. Dieser Nachweis kann durch Vorlage eines Erbscheines geführt werden. Den Erbschein erstellt das zuständige Nachlassgericht. Die Erbscheinserteilung erfolgt allerdings nicht automatisch, vielmehr muss der Erbschein beantragt werden. Den Antrag können Sie entweder über einen Notar oder direkt beim Nachlassgericht beantragen.

Selbstverständlich sind auch Rechtsanwälte bei der Antragstellung behilflich.

In der Regel bedarf es eines Erbscheines nicht, wenn ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag des Erblassers vorliegt. Sofern diese Urkunden vom Nachlassgericht eröffnet wurden, haben diese die gleiche Legitimationswirkung wie ein Erbschein. Voraussetzung ist allerdings, dass die Personen, die Erben sind, namentlich erwähnt und damit identifizierbar sind.

Schlagwörter: Erbschein

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