Beerdigungskosten: Wer zahlt, wenn keiner die Beerdigung bezahlen will?

Autor: , verfasst am 21.06.2017, 07:29| Jetzt kommentieren

Die Kosten für eine Beerdigung muss nicht immer von den nächsten Familienangehörigen getragen werden. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wer zahlen muss.

Beerdigung eines Familienangehörigen (© Kzenon - Fotolia.com)
Beerdigung eines Familienangehörigen
(© Kzenon - Fotolia.com)

Aufgrund der hohen Kosten für eine Beerdigung kommt es schnell zum Streit darüber, wer die Beerdigungskosten bezahlen muss. Entgegen langläufiger Vorstellungen ist es keinesfalls zwangsläufig, dass nahe Angehörige wie der Ehepartner hierfür aufkommen müssen.

Grundsatz: Erben müssen für Bestattungskosten aufkommen

Zunächst einmal müssen die Erben für die Beerdigungskosten aufkommen. Dies ergibt sich aus der Vorschrift von § 1968 BGB. Wer Erbe ist, richtet sich zunächst einmal nach dem Testament des Verstorbenen beziehungsweise einer anderen letztwilligen Verfügung. Sofern eine solche nicht vorhanden ist, greift die gesetzliche Erbfolge. Sofern es kaum etwa zu erben gibt kommt mancher Erbe auf die Idee die Erbschaft auszuschlagen, damit er nicht für die Beerdigungskosten aufkommen muss. Doch das ist nicht immer eine gute Idee. Sofern es keine gibt bzw. diese nicht zahlen können, kann sich die Kostentragungspflicht auch aus anderen Gesichtspunkten ergeben.

Unterhaltspflichtige müssen eventuell Bestattungskosten zahlen

In diesem Fall müssen erst einmal die Unterhaltspflichtigen für die Beerdigungskosten aufkommen. Dies folgt aus § 1615 Abs. 2 BGB. Ein typisches Beispiel für Unterhaltspflichtige können etwa der Ehegatte oder Kinder bzw. die Eltern des Verstorbenen sein.

Bestattungspflichtige Verwandte müssen unter Umständen Bestattungskosten übernehmen

Sofern diese ebenfalls wegfallen, kann sich eine Verpflichtung zur Bezahlung der Beerdigungskosten aus den Bestattungsgesetzen des jeweiligen Bundeslandes ergeben. Dies richtet sich dann danach, wer zur Durchführung einer Bestattung verpflichtet ist. Hier gilt meistens diese Reihenfolge, vgl. z.B. § 8 des Bestattungsgesetzes (BestG) NRW:

  • Ehegatten/Lebenspartner,
  • volljährige Kinder,
  • Eltern,
  • volljährige Geschwister,
  • Großeltern,
  • volljährige Enkelkinder.

Sonderfall: Vorsätzliche oder fahrlässige Tötung des Verstorbenen

Von diesen Bestimmungen gibt es eine wichtige Ausnahme, wenn der Verstorbene von einem Dritten getötet worden ist. In diesem Fall muss diese Person für die Beerdigungskosten aufkommen. Dies ergibt sich aus § 844 BGB. Typische Beispiele sind etwa der Tod durch eine unerlaubte Handlung wie die schuldhafte Verursachung eines Verkehrsunfalls bzw. die Begehung einer Straftat wie einer fahrlässigen oder sogar vorsätzlichen Tötung. Hierauf sollten Sie achten, wenn Sie etwa als Erbe die Kosten für eine Beerdigung getragen haben.

Höhe der Bestattungskosten

Wer für die die Beerdigungskosten aufkommen muss, muss für die Kosten einer standesgemäßen Beerdigung aufkommen. Hierunter fallen normalerweise die folgenden Aufwendungen:

  • Bestattungsunternehmen,
  • Erstanlage der Grabstätte
  • Kosten für Erdbestattung/Feuerbestattung
  • Grabstein
  • Übliche kirchliche / bürgerlicher Feier
  • Trauerkleidung des Verstorbenen

Die Kosten für Grabpflege fällt allerdings nicht darunter.

Sozialbestattungen

Wer aufgrund seiner finanziellen Situation etwa als Hartz-IV-Empfänger nicht die Beerdigungskosten bezahlen kann, sollte sich mit dem Sozialamt in Verbindung setzen. Dieses übernimmt unter Umständen die Kosten für eine Sozialbestattung nach § 74 SGB XII. Dabei muss es notfalls in Vorleistung treten, was ausdrücklich beantragt werden sollte. Allerdings ist hier noch nicht abschließend geklärt, für welche Aufwendungen das Sozialamt im Einzelnen aufkommen muss.

Nützliche Informationen etwa über die Kosten von Bestattungen erhalten Sie auf der Webseite von der Verbraucherinitiative AETERNITAS.

 

Autor: Harald Büring (Juraforum-Redaktion)


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