Schadensersatz von der Bank bei PIN-Diebstahl?

Autor: , verfasst am 16.06.2014, 08:43| Jetzt kommentieren

Kriminelle finden immer wieder Mittel und Wege, an das Geld von Ahnungslosen heranzukommen. Vor einiger Zeit machte eine besonders moderne Methode des Diebstahls Schlagzeilen: das sogenannte „Skimming“. Hier wird durch elektronische Manipulation Geld von einem Bankkonto entwendet. In diesen Fällen übernimmt die Bank die entstandenen Schäden, da diese nicht auf einen Fehler des Bankkunden zurückzuführen sind. Anders als im Falle eines Handtaschendiebstahls, bei dem sich unglücklicherweise auch noch die PIN der Bankkarte zur Erinnerung notiert und in der Handtasche verwahrt wurde.

Girokonto (© Stefan Redel-Fotolia.com)
Girokonto
(© Stefan Redel-Fotolia.com)

Zum Glück ist es mittlerweile relativ schnell möglich, die Kontokarte per Anruf bei der Hausbank sperren zu lassen. Leider geht dies nicht immer schnell genug und innerhalb kürzester Zeit werden von einem Dieb erhebliche Summen an Bargeld vom nächstgelegenen Automaten abgehoben. Dies funktioniert allerdings nur dann, wenn der Täter auch die dazugehörige Geheimzahl, die sogenannte PIN, kennt.

Übernimmt die Bank auch den entstandenen Schaden eines Diebstahls, wenn ich die gestohlene Karte zusammen mit der PIN aufbewahrt habe?

Die Antwort vorweg: leider nein. Das Notieren der PIN auf der Karte bzw. auf einem Zettel, der sich beispielsweise ebenfalls im Portmonee befindet, ist pflichtwidrig und somit das Verschulden des Bestohlenen. Hier ist es auch nicht ratsam vorzutragen, der Diebstahl müsse mittels Skimming und nicht durch eine unberechtigte Abhebung mit der richtigen PIN durchgeführt worden sein. Dies kann nämlich schnell von der Bank nachvollzogen werden, wie ein Urteil des Amtsgerichts München vom 08.02.2013 zeigt (Az.: 121 C 10360/12). Einer 76-jährigen Frau wurde im Spanienurlaub die Geldbörse mitsamt der Bankkarte gestohlen. Die bereits 35 Minuten spätere Kartensperrung seitens der Bank kam leider zu spät. Insgesamt 2000 Euro wurden innerhalb von wenigen Minuten vom Konto der Frau abgebucht.

Als die Bank den entstandenen Schaden nicht erstatten wollte, zog die Frau vor Gericht. Laut ihrem Vortrag könne sie nichts für den Diebstahl, müsse dies doch mittels „Skimming“ durchgeführt worden sein, da sie sich ihre Bank-PIN ausschließlich gemerkt, jedoch nirgends notiert hatte.

Sachkundiger Zeuge widerspricht Ansicht der Klägerin

Das Gericht folgte dem Klagebegehren der Frau nicht und stellte sich auf die Seite der Bank. Der Diebstahl des Geldes konnte nicht mittels Skimming durchgeführt worden sein. Zum einen sei das von der Bank verwendete Verschlüsselungssystem sicher. Zum anderen lud das Gericht einen sachkundigen Zeugen der Bank vernommen, welcher glaubwürdig darstellte, dass ein Onlinebanking-Vorgang oder eine EC-Cash-Zahlung in diesem Fall nicht in Frage kommen kann. Vielmehr könne anhand im System der Bank vermerkter Codes zurückverfolgt werden, dass es sich um Bargeldabhebungen am Bankautomaten durch eine natürliche Person mittels Eingabe der Pin gehandelt haben muss.

Die PIN sollte also niemals zusammen mit der Bankkarte aufbewahrt werden, um beim nächsten Blick auf den Kontoauszug keine böse Überraschung zu erleben. Jedenfalls erstattet eine Bank in diesem Fall in der Regel den verlorenen Geldbetrag nicht.

Schlagwörter: Missbrauch PIN, EC-Karte, EC-Karten Missbrauch, PIN gestohlen, PIN-Diebstahl


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