LG Aachen: Widerrufsrecht bei Immobiliendarlehen endete bereits am 20. Juni 2016 – Regress gegen Rechtsanwälte möglich?

Autor: , verfasst am 07.02.2018, 14:46| Jetzt kommentieren

Immobiliendarlehen, die zwischen dem 1. September 2002 und 10. Juni 2010 geschlossen wurden, konnten widerrufen werden, wenn die Bank oder Sparkasse eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung verwendet hatte. Dieses sog. „ewige Widerrufsrecht“ endete jedoch am 21. Juni 2016.

Viele Verbraucher haben daher kurz vor knapp noch versucht, ihr Darlehen zu widerrufen. Teilweise landete der Widerruf nach Dienstschluss am 21. Juni 2016 in den Briefkästen der betreffenden Banken oder Sparkassen. Das führte wiederum zu rechtlichen Auseinandersetzungen, ob der Widerruf noch rechtzeitig erklärt wurde und noch am 21. Juni oder erst am 22. Juni in den Machtbereich des Kreditinstituts gelangte. „Die Diskussion ist in vielen Fällen überflüssig“, sagt Rechtsanwalt Markus Jansen, Partner der Kanzlei AJT in Neuss. Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht verweist auf einen Hinweis des Landgerichts Aachen zur Verfristung des Widerrufs.

In dem zu Grunde liegenden Fall wollte eine Verbraucherin ihr Immobiliendarlehen widerrufen. Nach ihren Angaben warf sie ihren Widerruf am Abend des 21. Juni 2016 gegen 21.10 Uhr bei der beklagten Sparkasse ein. Strittig war nun, ob der Widerruf noch rechtzeitig vor Fristende erklärt wurde. „Der Widerruf dürfte eindeutig zu spät erklärt worden sein“, sagt Rechtsanwalt Jansen, der die beklagte Sparkasse vertritt. Dieser Meinung scheint auch das Landgericht Aachen zu sein. Es weist die Klägerseite darauf hin, dass der Widerruf verfristet erklärt worden sein dürfte. Und zwar unabhängig von der Frage, ob der Widerruf nun am 21. oder 22. Juni 2016 bei der Sparkasse eingegangen ist.

„Wie das Gericht erklärt, hätte der Widerruf bereits spätestens am 20. Juni 2016 erklärt werden müssen. Der Grund hierfür ist, dass am 21. März 2016 das Gesetz zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie in Kraft getreten ist. Das Widerrufsrecht bei zwischen dem 1. September 2002 und 10. Juni 2010 geschlossenen Immobiliendarlehen erlosch damit drei Monate nach Inkrafttreten dieses Gesetzes. Genauer gesagt endete das Widerrufsrecht am 20. Juni 2016 um Punkt 24 Uhr“, erklärt Rechtsanwalt Jansen.

Fragen, ob ein Widerruf am 21. Juni 2016 noch rechtzeitig erklärt wurde oder ob die verwendete Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist, sind damit hinfällig. Rechtsanwalt Jansen: „Viele Widerrufe wurden noch auf den letzten Drücker am 21. Juni 2016 erklärt. Wie der Hinweis des LG Aachen zeigt, war dies bereits zu spät, sodass die Banken und Sparkassen diese Widerrufe nicht anerkennen müssen.“

Für Verbraucher ist der verspätete Widerruf nicht nur ärgerlich, sondern kann sie auch viel Geld gekostet haben. Oftmals haben sich Verbraucher mit ihrer Widerrufserklärung hilfesuchend an Rechtsanwälte gewandt. Aufgrund der Auslastung ihrer Kanzleien haben diese den Widerruf möglicherweise erst am 21. Juni 2016 und damit zu spät erklärt. „Wir prüfen, ob Rechtsanwälte die Frist versäumt haben und damit in Regress genommen werden können, um den entstandenen Schaden zu ersetzen“, so Rechtsanwalt Jansen.

 

Mehr Informationen: https://www.ajt-partner.de/bankrecht

 

Schlagwörter: Widerruf Immobiliendarlehen

Sie wünschen Rechtsberatung zu dem Thema des Artikels?
Nutzen Sie dieses Formular zum Kontakt mit Markus Jansen:


Sicherheitsfrage:

Datenschutzerklärung gelesen und einverstanden

Nachrichten zum Thema
  • Bild25 Jahre Rechtsanwälte in Gütersloh (06.07.2017, 16:29)
    Seit 25 Jahren erfolgreiche Anwaltskanzlei in Gütersloh. Kämper und Maiwald feiern Doppeljubiläum!Die Kanzlei Kämper & Maiwald feiert indiesem Jahr ein Doppeljubiläum: Bereits vor 70Jahren, im Jahr 1947, gründete Dr. Georg Maiwalddie...
  • BildKeine Schockwerbung für Rechtsanwälte (20.03.2015, 14:50)
    Karlsruhe (jur). Rechtsanwälte dürfen ihre Dienste nicht mit Schockwerbung anpreisen. Als Organ der Rechtspflege sind sie dem Sachlichkeitsgebot verpflichtet, stellte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in einem am Freitag, 20. März 2015,...
  • BildRechtsanwälte dürfen sich „Spezialist“ nennen (28.01.2015, 09:26)
    Karlsruhe (jur). Rechtsanwälte dürfen sich als „Spezialist“ für ein bestimmtes Fachgebiet bezeichnen, auch wenn sie nicht formal als „Fachanwalt“ anerkannt sind. Sie müssen dann allerdings vergleichbare Fachkenntnisse belegen können, heißt es in...
  • BildSonderkündigungsrecht bei fehlerhaften Widerrufsbelehrungen von Immobiliendarlehen (28.08.2013, 14:19)
    Studie der Verbraucherzentrale Hamburg eröffnet Darlehnsnehmern neue Möglichkeiten Die Zinsen in Europa sind aktuell auf einem neuen Tiefststand. Das ärgert nicht nur den heimischen Sparer, der selbst wenn er sein Geld anlegt oftmals kaum die...
  • BildRechtsanwälte wählen neues "Parlament" (07.08.2007, 15:33)
    Selbstverwaltung mit Gesicht Bundesrechtsanwaltskammer, Berlin. Für das "Parlament der Rechtsanwaltschaft", wie die Satzungsversammlung auch bezeichnet wird, hat die 4. Legislaturperiode begonnen. Die Satzungsversammlung ist das wichtigste Organ...
  • BildVG Aachen: Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel können beihilfefähig sein (24.07.2007, 09:06)
    Eine für Beihilfeberechtigte interessante Entscheidung hat die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts Aachen jetzt gefällt und gab der Klage eines Beihilfeberechtigten statt. Dem Kläger war die Gewährung einer Beihilfe zu einem nicht...





Autor des Artikels

Rechtsanwalt
AJT Jansen Treppner Schwarz & Schulte-Bromby

Logo
Schorlemer Straße 125
41464 Neuss (Pomona)
Deutschland

Termin: Terminanfrage



Weitere Bankrecht-Ratgeber

Passende Rechtsanwälte:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.