Ab 2016 kriegt jeder EU-Bürger ein Girokonto – Darf jetzt jeder ein Girokonto haben?

Autor: , verfasst am 17.02.2015, 09:19| 1 Kommentar

Der Teufelskreis ist bekannt: Wer kein Konto hat, bekommt keine Wohnung. Wer keine Wohnung hat, bekommt wiederum kein Konto. Und die Aufzählung kann weiter gehen. Um das zu verhindern, erließ die Europäische Kommission eine Richtlinie, die jedem EU-Bürger das Recht auf ein Basis-Girokonto einräumt (Richtlinie 2014/92/EU).

Girokonto (© Stefan Redel-Fotolia.com)
Girokonto
(© Stefan Redel-Fotolia.com)

Warum hat jetzt jeder das Recht auf ein eigenes Girokonto?

Ein Girokonto ist heutzutage wesentliche Voraussetzung für die Teilnahme am Alltagsleben. So benötigt man ein Konto für die Anmietung einer Wohnung, für die Auszahlung des Gehalts sowie für die Überweisung der laufenden Kosten. Auch benötigt man ein Konto, wenn man im Internet etwas kaufen will. Wer über kein eigenes Konto verfügt, muss häufig Bareinzahlungen vornehmen, die zusätzliches Geld kosten. Auch können die Menschen in diesen Fällen Geld nur bar empfangen. Um all diese Probleme zu vermeiden, wurde eine Richtlinie erlassen, die jedermann ein Girokonto ermöglichen soll.

Was bedeutet das jetzt?

Die beschlossene Richtlinie muss bis zum 18.09.2016 umgesetzt werden. Das bedeutet: bis dahin müssen die tatsächlichen und die rechtlichen Gegebenheiten in Deutschland umgesetzt werden.

Jeder EU-Bürger soll das Recht auf ein Basis Girokonto bekommen. Mit diesem Konto soll er Überweisungen tätigen können, Geld am Automaten abheben können und seine Bankgeschäfte online erledigen können. Überziehungen des Kontos sind dagegen nicht vorgesehen.

Die Banken dürfen nicht länger Studenten oder Saisonarbeitern, die aufgrund ihrer Tätigkeit keinen festen Wohnsitz haben, eine Kontoeröffnung verweigern.

Kontoinhaber bekommen aber auch Verbesserungen

Darüber hinaus sind auch Verbesserungen für die Kontoinhaber geplant. So sollen die Kontoinhaber über die angefallenen Gebühren der vergangenen 12 Monate informiert werden. Überziehungszinsen oder Entgelte für die Nachsendung von Kontoauszügen sollen nach einem einheitlichen Standard aufgeschlüsselt werden. Der Kontowechsel wird auch erheblich vereinfacht: Wenn der Kontoinhaber die Bank wechseln will, muss er in der Zukunft nur noch ein Konto bei der neuen Bank eröffnen. Diese Bank muss dann alle zur Durchführung des Kontowechsels nötigen Schritte vornehmen. Dazu zählen die Überweisung des alten Kontoguthabens, die Auflösung des alten Kontos, sowie die Übernahme von Daueraufträgen.

Das neue Girokonto für jedermann wird im Jahre 2016 kommen. Wie es genau aussehen wird, bleibt abzuwarten. Aber gewiss ist, dass dann jeder Bürger der EU das Recht auf ein Bankkonto haben wird.

Schlagwörter: EU-Girokonto, Girokonto, EU-Bürger, Kontoinhaber, Bank, Richtlinie, Bankkonto


Nachrichten zum Thema
  • BildEU-Bürger haben Einsichtsrecht in EU-Dokumente (03.03.2015, 09:05)
    Luxemburg (jur). EU-Bürger können Einblick in Schriftsätze bekommen, die bei den EU-Gerichten eingereicht werden. Diese sind von der europäischen „Transparenzpflicht“ nicht ausgenommen, urteilte am Freitag, 27. Februar 2015, das erstinstanzliche...
  • BildNicht-EU-Bürger erhalten Aufenthaltsrecht durch Zusammenleben mit EU-Bürger (13.03.2014, 12:23)
    Luxemburg (jur). Familienangehörige von EU-Bürgern können hier ein Aufenthaltsrecht haben. Dies greift beispielsweise dann, wenn der EU-Bürger mit seinen Angehörigen aus Nicht-EU-Staaten mehr als drei Monate in einem anderen EU-Staat...
  • BildPfändungsschutzkonto darf nicht teurer als Girokonto sein (26.11.2012, 11:27)
    Am 13.11.2012 hat der Bundesgerichtshof auf Betreiben u.a. der Schutzgemeinschaft für Bankkunden e.V. die Rechtswidrigkeit der von zahlreichen Banken und Sparkassen erhobenen Zusatzgebühr für das Pfändungsschutzkonto festgestellt. Ein...
  • BildP-Konto darf nicht teurer sein als reguläres Girokonto (14.11.2012, 14:42)
    Karlsruhe (jur). Ein Pfändungsschutzkonto darf nicht mehr als ein reguläres Girokonto kosten. Das hat am Dienstag, 13. November 2012, der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden. Er verwarf damit Gebühren bei der Sparkasse Bremen (Az.: XI...
  • BildKein Abschiebungsschutz für EU-Bürger (23.05.2012, 11:59)
    Leipzig (jur). Nach besonders schweren Straftaten können auch Bürger aus anderen EU-Ländern ausgewiesen werden – selbst dann, wenn sie schon zehn Jahre in Deutschland gelebt haben. Einen absoluten Schutz vor Ausweisung gewährt auch die...
  • BildGekündigtes Girokonto: Keine Erstattung von unberechtigter Steuerzahlung (03.02.2010, 11:50)
    Mit Urteil vom 10. November 2009 VII R 6/09 hat der Bundesfinanzhof (BFH) einem Kreditinstitut Recht gegeben, das sich geweigert hatte, dem Finanzamt (FA) einen Betrag zurückzuzahlen, der als Steuererstattung auf ein von der Bank bereits...

Kommentar schreiben

40 - Ach_t =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.
* Pflichtfeld

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Thomas  (29.09.2016 08:54 Uhr):
Es ist gut, dass jeder die Möglichkeit bekommt, auf ein Girokonto zurückzugreifen, aber auch hier muss man sich die unterschiedlichen Anbieter genau anschauen.





Weitere Bankrecht-Ratgeber


Anwalt für Bankrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.