Wenn am Arbeitsplatz etwas zu Bruch geht - Die Arbeitnehmerhaftung

Autor: , verfasst am 06.10.2014, 07:32| Jetzt kommentieren

 Wann ein Arbeitnehmer in seinem Betrieb für Schäden gegenüber dem Arbeitgeber, Kollegen oder Kunden selbst haftet. Nicht nur dem Azubi sondern auch erfahrenen Angestellten können in Ausführung betrieblicher Verrichtungen Fehler unterlaufen. So kann schon mal Benzin statt Diesel in das Firmenfahrzeug getankt werden oder es geht einfach irgendetwas kaputt. Entsteht dadurch dem Arbeitgeber ein Schaden stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang Sie als Arbeitnehmer oder Auszubildender für diesen Schaden haften. Denn schnell ist der Schaden so groß, dass er ein Monats oder gar Jahreseinkommen übersteigt und Ihren wirtschaftlichen Ruin bedeuten kann. Vor allem in Zeiten des erhöhten Leistungsdrucks gewinnt dieses Thema immer mehr an Relevanz. Der Weg zum Anwalt kann hier viel Geld sparen. 

Arbeitnehmer (© kwarner - Fotolia)
Arbeitnehmer
(© kwarner - Fotolia)

Haftpflichtversicherung und innerbetrieblicher Schadensausgleichs

Vorweg ist zu sagen, dass die nachfolgenden Erläuterungen nur interessant werden, wenn Sie keine Haftpflichtversicherung besitzen, denn diese sorgt im Normalfall für die Schadensregulierung. Fehlt es an einer Haftpflichtversicherung, haben die Arbeitsgerichte die Haftung für Arbeitnehmer durch die Grundsätze des innerbetrieblichen Schadensausgleichs begrenzt, da die gesetzlichen Regelungen den Arbeitnehmer im Schadensfall zu hart treffen würden. Die Grundsätze besagen, dass ein Arbeitnehmer für Schäden gegenüber dem Arbeitgeber je nach Grad seines Verschuldens haftet, ob der Schaden versehentlich oder absichtlich herbeigeführt wurde.

Sinn und Zweck des innerbetrieblichen Schadensausgleichs ist es, einen gerechten Ausgleich dafür zu schaffen, dass ein Arbeitnehmer seine Arbeit nicht selbst frei bestimmen kann. Er hat keinen Einfluss darauf, wie der Betrieb organisiert ist und welche Arbeitsmittel ihm zur Verfügung stehen. 

Der Arbeitgeber hingegen kann das Schadensrisiko in seinem Betrieb besser einschätzen und Vorkehrungen treffen, dass gerade keine Schäden eintreten. Deshalb muss sich dieser auch eine eventuelle Mitschuld, etwa bei schlechten Arbeitsbedingungen, zurechnen lassen. Dem ist zu entnehmen, dass die Grundsätze des innerbetrieblichen Schadensausgleichs nur zwischen dem Arbeitnehmer und seinem Chef gelten und nicht etwa gegenüber Kollegen. Damit die Grundsätze des innerbetrieblichen Schadensausgleichs greifen, muss es sich bei der zum Schaden geführten Tätigkeit allerdings um eine Tätigkeit handeln, die ein Arbeitnehmer im Interesse des Arbeitgebers vornimmt oder mit denen der Arbeitnehmer arbeitsvertraglich beschäftigt ist. 

Soll der Arbeitnehmer also z.B mit dem Firmenwagen zur Tankstelle fahren, so tut er dies im Interesse des Arbeitgebers. Entsteht nun bei so einer Tätigkeit ein Schaden, muss unterschieden werden : 

Leichteste Fahrlässigkeit

Bei leichtester Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer überhaupt nicht. Hier muss der Arbeitgeber also selbst für den Schaden aufkommen. Leichteste Fahrlässigkeit wird bei kleineren Fehlern oder Versehen angenommen, wo man sich sagen kann „Das kann doch jedem passieren“. 

Mittlere Fahrlässigkeit

Mittlere Fahrlässigkeit wird angenommen wenn der Arbeitnehmer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht beachtet hat, ihn aber kein besonders schwerer Vorwurf trifft, und man sagen kann : „Das sollte grundsätzlich nicht passieren“. Hier wird der Schaden gequotelt, d. h. zwischen dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt. Wie diese Quotelung ausfällt kommt auf den jeweiligen Einzelfall an und auf die gegebenen Umstände.

Haftung bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz

Grobe Fahrlässigkeit wird angenommen, wenn der Arbeitnehmer die verkehrserforderliche Sorgfalt besonders schwer verletzt hat und sich über Verhaltensregeln hinwegsetzt, die im konkreten Fall eigentlich jedem einleuchten müssten. Hierfür haftet der Arbeitnehmer grundsätzlich voll. Ebenso liegt es beim Vorsatz. Wer also absichtlich einen Schaden herbeiführt, haftet immer voll.

Auch bei grober Fahrlässigkeit kann jedoch eine Haftungserleichterung zugunsten des Arbeitnehmers eingreifen. Liegen etwa besondere Umstände, wie etwa ein besonders hoher Schaden oder Existenzgefährdung des Arbeitnehmers, oder ein krasses Missverhältnis zwischen Gehalt und Arbeitsrisiken vor und ist es zu keiner akuten Gefährdung von Menschenleben gekommen, kann der Schaden im Einzelfall gequotelt werden. 

Haftung gegenüber Arbeitskollegen

Wird während der Arbeit ein Kollege aus versehen durch Sie verletzt, greift in der Regel die gesetzliche Unfallversicherung. Nur bei einer vorsätzlichen Verletzung eines Kollegen liegt der Fall anders. Darauf soll an dieser Stelle aber nicht eingegangen werden. Haftung gegenüber Kunden Wird in Ausführung Ihrer arbeitnehmerischen Tätigkeit ein Kunde oder ein sonstiger Dritter durch Sie verletzt, haften Sie diesen grundsätzlich zunächst einmal voll. Die Grundsätze des innerbetrieblichen Schadensausgleichs finden hier direkt keine Anwendung, denn diese gelten nur zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber.

Ihnen kann aber ein Freistellungsanspruch gegen Ihren Arbeitgeber zustehen, wenn der Schaden bei einer betrieblich veranlassten Tätigkeit entstanden ist. Dass heißt, dass Ihnen im besten Fall ein Rückgriffsanspruch in voller Höhe gegen Ihren Arbeitgeber zustehen kann. Hier finden dann wieder Grundsätze des innerbetrieblichen Schadensausgleichs Anwendung, wenn es um die Ermittlung dieser Quote geht. 

Fazit

Auch als erfahrender Angestellter, sollten Sie immer höchste Vorsicht walten, denn eine Unaufmerksamkeit kann schnell teuer werden. Und obwohl die Haftung der Arbeitnehmer von den Gerichten bereits eingeschränkt wurde ist der Abschluss einer Haftpflichtversicherung häufig der günstigste Weg, denn das kann Ihnen viel Ärger und Geld sparen. Die Haftpflichtversicherung sollte jedoch auch für das betrieblich veranlasste Handeln einstehen und nicht nur für private Schäden.

Schlagwörter: Arbeitnehmerhaftung; Haftung; Schaden; Arbeitgeber; Arbeitnehmer; innerbetrieblicher Schadensausgleich; Fahrlässigkeit


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