Unfallversicherungsschutz bei Sturz in Kantine?

Autor: , verfasst am 07.09.2015, 08:05| Jetzt kommentieren

Bei einem Sturz in der Kantine liegt nur unter engen Voraussetzungen ein Arbeitsunfall vor. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Landessozialgerichtes Baden-Württemberg.

Unfallversicherung (© Marco2811 - Fotolia)
Unfallversicherung
(© Marco2811 - Fotolia)

Eine Arbeitnehmerin suchte nachmittags das Mitarbeitercasino ihres Arbeitgebers auf, um eine dort eine Kaffeepause zu machen. Als sie dieses verließ stürzte sie aus Versehen auf der Treppe und zog sich schwere Verletzungen in Form einer Distorsion des vorderen linken Sprunggelenkes mit einer Ruptur des vorderen Außenbandes zu. Die zuständige Berufsgenossenschaft weigerte sich jedoch die Folgen des Sturzes als Arbeitsunfall anzuerkennen. Hiergegen zog die Mitarbeiterin vor Gericht und klagte. Als das Sozialgericht Mannheim ihre Klage abgewiesen hatte, legte sie gegen diese Entscheidung Berufung ein.

Das Landessozialgericht Baden-Württemberg wies jedoch ihre Berufung mit Urteil vom 16.06.2015 (Az. L 9 U 1534/14) zurück. Das Gericht begründete dies damit, dass zum Zeitpunkt des erlittenen Unfalls kein hinreichender Zusammenhang zu ihrer beruflichen Tätigkeit bestand. Erholungspausen die der Nahrungsaufnahme dienen, sind normalerweise als private Verrichtungen zu sehen. Das gilt jedenfalls dann, wenn sich der Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt - wie bei einem Aufenthalt in der Kantine - nicht mehr an seinem Arbeitsplatz aufhält.

Arbeitnehmer brauchen sich hiermit allerdings nicht immer abzufinden. Die Nahrungsaufnahme während einer Pause kann auch dem Schutz der gesetzlichen Unfallversichrung unterfallen. Dies gilt etwa dann, wenn durch die Tätigkeit als solche ein besonderes Hunger – oder Durstgefühl erzeugt wird. Das Gleiche gilt, soweit er sich aufgrund von betrieblichen Zwängen besonders beeilen muss. Private Verrichtungen sind übrigens mitversichert, wenn sie im Vorbeigehen erfolgen (z.B. Kauf einer Zeitung im Kiosk). Von einer Erholungspause ist übrigens nur dann auszugehen, wenn der Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt von allen betrieblichen Verpflichtungen entbunden ist.

Quelle: Harald Büring (Juraforum.de)

 

 


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