Tätigkeit im Call Center – freie Mitarbeiter oder abhängige Beschäftigung?

Autor: , verfasst am 26.05.2014, 14:06| Jetzt kommentieren

Handelt es sich bei einer Mitarbeiterin einer Erotik-Hotline um eine freie Mitarbeiterin oder um ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis, das auch für den Arbeitgeber sozialversicherungspflichtig ist?

Call-Center (© Sven Bähren-Fotolia.com)
Call-Center
(© Sven Bähren-Fotolia.com)

Das Landessozialgericht Baden-Württemberg hat nun entschieden, dass es sich nicht um ein freies Mitarbeiterverhältnis handelt und der Auftraggeber Sozialversicherungsbeiträge für die Mitarbeiterin zahlen muss. Das Urteil vom 18.02.2014 (Az.: L 11 R 3323/12) ist zwar noch nicht rechtskräftig, kann jedoch richtungsweisend für Telefonsex- und Partnervermittlungshotlines sein.

Zum Sachverhalt:

In dem Gerichtsverfahren hatte der Betreiber einer solchen Telefonhotline gegen einen Bescheid der Deutschen Rentenversicherung geklagt, die von dem Mann Sozialversicherungsbeiträge für eine 59-jährige Frau einforderte.

Nach Ansicht des Gerichts sprachen mehr Argumente für als gegen ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis. Zwar konnte die Frau die Arbeit von zuhause erledigen, was grundsätzlich für ein freies Mitarbeiterverhältnis spricht, jedoch war die Zeiteinteilung der Frau nur eingeschränkt selbst möglich, da sie ihre Arbeitszeiten in einen Stundenplan der Hotline eintragen musste. Der Betreiber der Hotline gab auch zahlreiche andere Anweisungen an seine Mitarbeiterin. So wurde ihr sogar vorgeschrieben, welche Sätze sie am Telefon zu den Kunden zu sagen habe. Nach dieser Sachlage muss ihr Job als „Telefon Operator“, so die Bezeichnung der Tätigkeit, als abhängiges Beschäftigungsverhältnis eingeordnet werden, was daher  seitens des Arbeitgebers sozialversicherungspflichtig ist.

Trennung zwischen „freier Mitarbeiter“ und Beschäftigung in Abhängigkeit

Für den Auftraggeber ist das erste Modell des freien Mitarbeiters (Auftragnehmer genannt) deutlich attraktiver. So entfallen auf diese Tätigkeit für den Auftraggeber (nicht Arbeitgeber) keine Renten-, Kranken-, Pflege oder Unfallversicherungsbeiträge. Zudem gibt es für diese Mitarbeiter keinen Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung bei Krankheit. Auch unterliegen diese entgegen einem klassischen Arbeitnehmer nicht dem Kündigungsschutz.

Voraussetzungen eines freien Mitarbeiters

Um einem Missbrauch dieser Regelungsmöglichkeit als freier Mitarbeiter vorzubeugen, müssen jedoch bestimmte Kriterien bei einem freien Mitarbeiter kumulativ vorliegen. Er muss ausschließlich, die ihm erteilten Aufträge abarbeiten, darf jedoch nur bedingt bestimmten Weisungen des Auftraggebers unterliegen. Die „Art und Weise“, vor allem wie und wann er seine Arbeit zu erledigen hat, darf dem freien Mitarbeiter nicht vorgeschrieben werden. Selbstverständlich gibt es deswegen trotzdem bestimmte Fristen zur Fertigstellung eines Auftrags. Ob er die Arbeit von Zuhause erledigt oder in einem ihm zur Verfügung gestellten Raum im Gebäude des Auftraggebers, bleibt ihm allerdings selbst überlassen.

Will der Unternehmer hingegen regelmäßig und zu festen Zeiten auf den Mitarbeiter zurückgreifen können und bestimmt er deshalb feste Arbeits- bzw. Anwesenheitszeiten, liegt in der Regel ein Angestelltenverhältnis vor. Der Geschäftsführer soll sich so nicht Sozialabgaben und Kündigungsschutzregelungen entziehen können und trotzdem faktisch einen vollwertigen Arbeitnehmer beschäftigen.

Schlagwörter: freier Mitarbeiter, Call Center Tätigkeit, abhängige Beschäftigung


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