Arbeitsrecht und Resturlaub: können Urlaubstage verfallen?

Autor: , verfasst am 22.04.2014, 08:07| 1 Kommentar

So ergeht es vielen Arbeitnehmern im Laufe ihres Berufslebens irgendwann einmal: Die Monate vergehen wieder wie im Fluge und am Ende des Kalenderjahres sind noch einige Urlaubstage offen. Ob in der vergangenen Zeit besonders viel zu tun war oder man selbst keine Urlaubspläne konkretisieren konnte – in diesem Fall stellt sich die Frage nach den nicht genommenen Urlaubstagen.

Resturlaub (© Ewe Degiampietro - Fotolia.com)
Resturlaub
(© Ewe Degiampietro - Fotolia.com)

Wann verfallen also die übrigen Urlaubstage, wann kann man diese mit ins nächste Jahr nehmen und wann gibt es eine Ausgleichung in Geld?

Grundsätzlich besteht kein Recht, Urlaubstage mitzunehmen

Ein Anrecht auf ausreichend Erholungszeit ist vom Gesetz vorgeschrieben und muss vom Arbeitgeber gewährt werden. Sinn des Urlaubs ist die Erholung des Arbeitnehmers von den Anstrengungen des Arbeitsjahres. Obwohl diese Erholung im abgelaufenen Kalenderjahr nicht wahrgenommen wurde, ist es grundsätzlich aber nicht möglich, Urlaub in das nächste Jahr zu verschieben.

Hierbei hat sich der Gesetzgeber folgendes gedacht: Im neuen Jahr stehen für den Arbeitnehmer wieder die vorgeschriebene Mindestanzahl an Urlaubstagen für die Erholung zur Verfügung. Deshalb ist es dem Grunde nach unbillig, noch weitere Tage aus dem vergangenen Jahr zu übertragen und dann eine deutlich längere Zeit als normalerweise im Betrieb zu fehlen, denn eine Erholung von den Strapazen des Arbeitsalltags ist schwerlich noch ein Jahr später möglich.

Auch soll dem Arbeitgeber eine Planungssicherheit bleiben. Denn warten die Arbeitnehmer regelmäßig mit der Einreichung von Urlaubstagen bis in das nächste Jahr, beispielsweise um eine längere Reise verwirklichen zu können, muss der Arbeitgeber stets gewappnet sein, dass seine Beschäftigten zum Beispiel für zwei Monate ausfallen.

Nach § 7 Abs. 3 S. 1 BUrlG muss der Jahresurlaub also bis zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres genommen werden.

Ausnahmen bestätigen die Regel: dringende Gründe

Es sind aber immer wieder Fälle denkbar, den nicht genommenen Urlaub doch in das neue Jahr zu übertragen. Diese finden sich in § 7 Abs. 3 S. 2 BUrlG. Demnach ist es statthaft, den Urlaub mit in das neue Kalenderjahr zu nehmen, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies erfordern. Solche personenbedingten Gründe werden zum Beispiel bei längerer Krankheit des Arbeitnehmers angenommen. So ist nämlich Krankheitszeit keine Urlaubszeit, dient doch der Urlaub der Erholung, was durch eine Krankheit aber verhindert wird. Er muss den restlichen Urlaub dann bis zum 31. März des darauffolgenden Jahres nehmen, sofern er nicht weiterhin krankheitsbedingt ausfällt (dann kann der Urlaub sogar noch später genommen werden).

Nicht betroffen sind von diesen Ausführungen übrigens besondere Regelungen aus Tarifvertrag oder sonstigen arbeitsvertraglichen Bestimmungen.

Schlagwörter: Urlaubsanspruch, Resturlaub, Urlaub, Resturlaubsanspruch


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Moni  (08.11.2015 12:01 Uhr):
Hallo, ich bin seit 5 Jahren in unserer Firma tätig. Bis zum 31.7. hatte ich einen Vertrag auf 450€-Basis, vertraglicher Urlaubsanspruch 2 Tage/Monat , also 14 Tage bis 31.7. ! Seit dem 1.8. habe ich einen Vertrag auf 850€-Basis , Urlaubsanspruch 3 Tage/Monat . Genommen hatte ich 6 Tage im April u 12 Tage im August ( den Urlaub musste ich schon im Januar anmelden! Die Vertragsänderung wurde erst Mitte Juli beschlossen!!!!) für November waren noch einmal 6 Tage Urlaub angemeldet) jetzt wurde mir gesagt dass ich nur noch 3 Tage Resturlaub habe, da die 8 Tage Resturlaub vom ersten Halbjahr wegen der Vertragsänderung wegfallen ! Ist das korrekt ? Dürfen die einfach 8 Tage Urlaub streichen ?





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