Resturlaub: kann man den Urlaub ins neue Jahr übernehmen?

Autor: , verfasst am 19.01.2015, 07:44| Jetzt kommentieren

Arbeitnehmer haben gemäß dem Bundesurlaubgesetz Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub. In der Regel ist es so, dass der Urlaub zu Erholungszwecken auch genommen wird, so dass zum Jahresende keine Urlaubstage übrig sind. Doch was ist in jenen Fällen, in denen es einem Arbeitnehmer nicht möglich war, seinen Urlaub zu nehmen? Kann man diesen Urlaub mit ins neue Jahr nehmen oder verfällt er? Oder darf man sich den Urlaub auszahlen lassen?

Urlaub (© ewe degiampietro-Fotolia)
Urlaub
(© ewe degiampietro-Fotolia)

Gemäß dem Arbeitsrecht ist es grundsätzlich so, dass der Urlaub bis zum Ende eines laufenden Kalenderjahres – also bis zum 31. Dezember – genommen werden muss. Die gesetzliche Grundlage hierfür findet sich in § 7 Abs. 3 S. 1 BurlG: „Der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden“. Dies würde bedeuten, dass innerhalb eines Kalenderjahres nicht genommene Urlaubstage automatisch verfallen würden. Damit dies nicht geschieht, sollten sich Arbeitnehmer also darum bemühen, dass sie bis zum Jahresende ihre gesamten Urlaubstage verbraucht haben – ansonsten erlischt ihr Anspruch auf diese arbeitsfreie Zeit.

Es bestehen jedoch Ausnahmen, welche es gestatten, Resturlaub ins folgende Jahr zu übernehmen. Derartige Ausnahmen liegen gemäß § 7 Abs. 3 S. 2 vor, wenn „dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen“. Dies bedeutet, dass in Fällen, in denen ein Arbeitnehmer aus betrieblichen Gründen seinen Jahresurlaub nicht komplett nehmen konnte, die restlichen Tage ins nächste Kalenderjahr übernommen werden können. Betriebliche Gründe sind beispielsweise bei überhöhtem Arbeitsaufkommen oder Personalmangel aufgrund von Krankheit gegeben; persönliche Gründe liegen unter anderem vor, wenn der Arbeitnehmer über einen langen Zeitraum krank gewesen ist. In derartigen Fällen bleibt der Resturlaub automatisch bis zum 31. März des Folgejahres erhalten. Geschieht dies nicht, ist er endgültig verfallen [BAG, 09.08.2011, 9 AZR 425/10]. Weitere Ausnahmen bestehen darüber hinaus in Fällen, in denen ein Mitarbeiter über einen sehr langen Zeitraum hinweg – beispielsweise ein Jahr – krank gewesen ist. Sein Urlaubsanspruch für diese Zeit erlischt jedoch erst 15 Monate nach Ablauf jenes Jahres, für das er gewährt worden ist, sofern er über den 31.03. des Folgejahres hinaus krank gewesen ist. Daraus ergibt sich, dass Langzeitkranke keinen unbegrenzten Urlaubsanspruch erwerben können, wenn sie über mehrere Jahre hinweg ihren Urlaub krankheitsbedingt nicht nehmen konnten; ein Übertragungszeitraum von 15 Monaten ist nach Auffassung des Gerichtshofs der Europäischen Union das Äußerste, was als zumutbare Zeitspanne zur Abgeltung eines Urlaubsanspruchs anzusehen sei [EuGH, 22.11.2011, C-214/10]. Nach Ablauf dieser 15 Monate ist demzufolge der Urlaubsanspruch verfallen.

Darüber hinaus ist es aufgrund von Arbeitsverträgen, Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen gegebenenfalls möglich, den Resturlaub ins folgende Jahr mitzunehmen. Zudem dürfen Arbeitnehmer, die erst in der zweiten Jahreshälfte in ein Unternehmen eingetreten sind, ebenfalls ihre restlichen Urlaubstage bis zum 31.03. des Folgejahres nehmen. Generell ist es jedoch sinnvoll, den Wunsch nach Verlängerung des Urlaubsanspruchs schriftlich dem Arbeitgeber mitzuteilen.

Nun kommt so mancher Arbeitnehmer auf die Idee, sich seinen Resturlaub auszahlen lassen zu wollen. Dies ist grundsätzlich nur in dem Fall gestattet, in dem ein Arbeitnehmer aus einem Unternehmen ausscheidet. Ansonsten müssen die Arbeitnehmer ihre gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstage nehmen, da diese ihrer Erholung dienen sollen. Ein willkürliches Auszahlen von Urlaubstagen könnte unter Umständen dazu führen, dass sich immer mehr Arbeitnehmer für dieses Prozedere entscheiden würde. Dies hätte aber zur Folge, dass sie nicht ausreichend erholt, unkonzentrierter und anfälliger für Krankheiten sind. Urlaub dient also auch dem Schutz der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer, von daher ist es nicht nur sein Recht, sondern auch seine Pflicht, ihn zu nehmen [EuGH, 06.04.2006, c-124/05].

Auch, wenn es einem Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, seiner Arbeit nachzugehen, und deswegen kündigt, wird ihm der restliche Urlaub finanziell vergütet.

Schlagwörter: Resturlaub, Übernahme Urlaub


Nachrichten zum Thema
  • BildArbeitgeber muss Resturlaub bei Jobende vergüten (21.07.2016, 11:21)
    Luxemburg (jur). Können Arbeitnehmer ihren verbliebenen Mindest-Jahresurlaub wegen des Endes ihres Arbeitsverhältnisses nicht nehmen, können sie sich diesen Anspruch vom Arbeitgeber versilbern lassen. Dies gilt auch dann, wenn der Beschäftigte von...
  • BildSteuerzahler jedes Jahr mehr belastet (07.11.2011, 12:14)
    Der Bund der Steuerzahler fordert nachhaltige Steuerreformen Nach den jüngsten Berechnungen des Arbeitskreises Steuerschätzung erhalten Bund, Länder und Gemeinden weit mehr Steuereinnahmen, als ursprünglich geplant. Die Experten schätzen, dass bis...
  • BildUrlaub in der Kündigungsfrist (18.05.2011, 09:36)
    Nach § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG legt der Arbeitgeber den Urlaub zeitlich fest. Die Erklärung eines Arbeitgebers, einen Arbeitnehmer unter Anrechnung auf dessen Urlaubsansprüche nach der Kündigung von der Arbeitsleistung freizustellen, ist nach den §§...
  • BildJuristische Fallstricke im Urlaub (30.06.2008, 11:56)
    Berlin (DAV). Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen. Das Sprichwort könnte aber auch lauten: Wenn einer eine Reise tut, dann sollte er die Fallstricke kennen, warnt die Deutsche Anwaltauskunft. Diese lauern schon beim...
  • BildResturlaub rechtzeitig nehmen! (06.02.2008, 17:23)
    Berlin (DAV). Mit dem 31. März können die Urlaubstage aus 2007 verfallen, die noch nicht genommen worden sind. Das Bundesurlaubsgesetz sieht vor, dass übertragener Urlaub aus dem vorherigen Jahr in den ersten drei Monaten des folgenden...
  • BildResturlaub nicht verfallen lassen! (05.11.2004, 17:49)
    Berlin (DAV). Ab dem 31. März können die Urlaubstage aus dem Jahre 2002 verfallen, die noch nicht genommen sind. Grund ist hier das Bundesurlaubsgesetz, dass vorsieht, dass „übertragener Urlaub“ aus dem vorherigen Jahr bis spätestens Ende März des...

Kommentar schreiben

55 + V/;ier =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Arbeitsrecht-Ratgeber


Anwalt für Arbeitsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.