Mobbing am Arbeitsplatz – was muss der Chef dagegen tun?

Autor: , verfasst am 29.07.2014, 07:24| Jetzt kommentieren

Kleine Sticheleien unter Mitarbeitern kommen leider selbst in den besten Betrieben vor. Gezieltes und andauerndes Mobbing einzelner Personen kann sogar zu psychischen Erkrankungen führen und somit Arbeitslust und Arbeitsleistung des Betroffenen dauerhaft einschränken. Zum Glück gibt es einige Maßnahmen, die der Arbeitgeber treffen muss, um seine Mitarbeiter vor Mobbing zu schützen. Wie diese genau auszusehen haben, soll nachfolgend dargelegt werden.
Wie muss der Chef seine Mitarbeiter vor Mobbing im Betrieb schützen?

Mobbing (© Light Impression - Fotolia.com)
Mobbing
(© Light Impression - Fotolia.com)

Im Rahmen seiner sogenannten Fürsorgepflicht obliegt dem Arbeitgeber der Schutz der Gesundheit und des allgemeinen Persönlichkeitsrechts seiner Arbeitnehmer. Hierzu zählt unter anderem, sie gegen entwürdigende und abwertende Äußerungen bzw. gegen unwahre Behauptungen zu schützen. Wie die bei Mobbing notwendigen Maßnahmen im Konkreten auszusehen haben, lässt sich nicht aus einem Gesetz entnehmen und deshalb nicht pauschalisieren. Vielmehr muss der Arbeitgeber gemäß seiner Möglichkeiten einem Mobbing-Konflikt so entgegentreten, wie es geeignet, erforderlich und angemessen ist, dies ergibt sich aus § 12 Abs. 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).

Die Wünsche zur Lösung des Konfliktes des betroffenen Arbeitnehmers muss er jedoch nicht berücksichtigen, wie ein Urteil des Landesarbeitsgerichts aus Mainz vom 19.12.2013 klarstellt (Az.: 10 Sa 375/13). Nach Ansicht des Richters liegt es bei einem Mobbing-Fall gänzlich im Ermessen des Arbeitgebers, welche Maßnahmen er bezüglich des eskalierenden Arbeitsplatzkonfliktes trifft. Jedenfalls stellt das Angebot einer sogenannten Team-Supervision eine geeignete und auch angemessene Maßnahme dar, die den Konflikt lösen kann.

Rechte des Arbeitnehmers

Handelt der Arbeitgeber trotz Mobbing-Übergriffe auf einen seiner Mitarbeiter nicht, hat dieser einige Möglichkeiten, sich selbst zur Wehr zu setzen:

1. Zurückbehaltung der Arbeitsleistung

Soweit zu seinem eigenen Schutz erforderlich, darf der Betroffene seine Arbeitsleistung einstellen, ohne dass er hierdurch Gehaltseinbußen befürchten muss. Hiermit kann der Arbeitgeber dazu bewegt werden, geeignete und angemessene Maßnahmen zum Schutz seines Mitarbeiters durch Unterbindung des Mobbings einzuleiten. Der Anspruch ergibt sich aus § 14 AGG analog und § 273 BGB.

2. Beschwerderecht

Das Beschwerderecht ergibt sich aus § 13 Abs. 1 AGG und macht den Arbeitgeber gegebenenfalls sogar schadensersatz- und schmerzensgeldpflichtig. Die Beschwerde wird im besten Fall mit genauen Zeit- und Ortangaben sowie mit einer detaillierten Beschreibung der Mobbing-Vorkommnisse beim Betriebs- bzw. Personalrat eingereicht.

Schlagwörter: Mobbing, Mobbing Arbeitsplatz

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