Kündigung wegen Handgreiflichkeit gegenüber Lebensgefährtin?

Autor: , verfasst am 21.10.2015, 08:06| Jetzt kommentieren

Wer gegenüber seiner Partnerin oder seinem Partner handgreiflich wird, muss unter Umständen mit seiner fristlosen Kündigung rechnen. Dies setzt allerdings einen hinreichenden Bezug zum Betrieb voraus.

Kündigung Arbeitsvertrag (© DOC RABE Media - Fotolia)
Kündigung Arbeitsvertrag
(© DOC RABE Media - Fotolia)

Ein nichteheliches Paar fuhr mit ihrem PKW zur Frühschicht bei ihrem gemeinsamen Arbeitgeber. Auf dem Weg zur Arbeitsstelle kam es infolge einer Verspätung zu einem Streit. Nachdem sie auf dem Parkplatz des Betriebes angekommen waren, beschimpfte sich der Paar zunächst weiter. Im Zuge dieser Auseinandersetzung stieß schließlich der Mann so heftig gegen ein Auto, so dass diese laut hörbar auf die Motorhaube fiel. Der Arbeitgeber kündigte daraufhin seinem Arbeitnehmer fristlos, ohne zuvor eine Abmahnung ausgesprochen zu haben. Hiergegen ging dieser im Wege der Kündigungsschutzklage vor.

Hierzu stellte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 14.07.2015 – 6 Sa 22/15 fest, dass bei einer Tätlichkeit gegenüber einem Arbeitskollegen normalerweise eine fristlose Kündigung in Betracht kommt. Dies gilt jedenfalls dann, wenn sich diese auf dem Gelände des Betriebes ereignet hat. Daran ändert auch nichts, wenn eine persönliche Beziehung zu diesem besteht. Allerdings ergab sich hier aus einer Abwägung der beiderseitigen Interessen, dass dem Arbeitgeber aufgrund der besonderen Umstände des Falles die Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist zuzumuten war. Dies ergibt sich daraus, dass die Verlobte sich keine bleibenden Verletzungen zugezogen hatte und der Streit aufgrund eines privaten Anlasses erfolgt ist. Der vorhergehende Ausspruch einer Abmahnung war allerdings entbehrlich.

Diese Entscheidung steht im Einklang mit der ständigen Rechtsprechung. Tätigkeiten unter Arbeitskollegen sollten unbedingt vermieden werden. Arbeitgeber brauchen und sollen keine Gewalt am Arbeitsplatz dulden. Dies ergibt sich auch aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

Quelle: Harald Büring (Juraforum.de)

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