Krank im Urlaub: was tun als Arbeitnehmer mit den Urlaubstagen?

Autor: , verfasst am 15.01.2015, 07:28| Jetzt kommentieren

Es ist für den Arbeitnehmer wohl die schönste Zeit im Jahr: der Urlaub. Einige nutzen die freie Zeit zwar, um liegengebliebene Arbeit daheim zu erledigen. Andere suchen hingegen ihre Entspannung lieber in fremden Städten, am Strand oder in den Bergen, um ihre Seele baumeln zu lassen. Dazu ist der Urlaub eigentlich auch gedacht. Im Sinne des Bundesurlaubsgesetzes (BurlG) bedeutet Urlaub nämlich die „Freistellung von der Erbringung der Arbeitsleistung unter Fortzahlung des Lohns zum Zweck der Erholung“. Was passiert aber, wenn diese wohlverdiente Zeit des Ausspannens und Erholens durch eine Krankheit getrübt wird? Welche Rechte und Pflichten hat der Arbeitnehmer dann? Hat er auch einen Anspruch auf neuen Urlaub?

Krank im Urlaub: was tun als Arbeitnehmer mit den Urlaubstagen? (© Thaut Images – Fotolia.com)
Krank im Urlaub: was tun als Arbeitnehmer mit den Urlaubstagen?
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Die Rechtslage

§ 9 des Bundesurlaubsgesetzes regelt die Einzelheiten bei einer Erkrankung während des Urlaubs. Danach dürfen die durch ärztliches Zeugnis (sog. Attest) nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit auf den Jahresurlaub nicht angerechnet werden.

§ 5 I des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EntgFG) bestimmt wiederum, dass der Arbeitnehmer verpflichtet ist, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, den Beginn und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Unverzüglich meint dabei „ohne schuldhaftes Zögern“ i.S.d. § 121 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). In der Regel wird man einen möglichen Zeitraum von drei oder vier Tagen als „unverzüglich“ annehmen können. Verlängert sich die Krankheitszeit, so ist dies dem Arbeitgeber ebenso unverzüglich mitzuteilen und entsprechend nachzuweisen.

Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass bei einem Krankheitsfall während des Urlaubs eine strengere Nachweispflicht für  den Arbeitnehmer gilt, um einen etwaigen Missbrauch ausschließen zu können. Eine reine Dokumentation der Erkrankung ist hierbei nicht ausreichend. Vielmehr wird regelmäßig gefordert, dass der Arbeitnehmer durch die Krankheit seine Arbeit tatsächlich nicht erledigen könnte. Es ist somit vom Arzt ausnahmsweise näher auf die Arbeitsunfähigkeit einzugehen. Dazu muss der Arbeitnehmer dann insoweit auch auf sein Recht auf Datenschutz bezüglich seiner Krankheit verzichten (und den Arzt seiner Schweigepflicht entbinden).

 

Krank im Ausland – was muss ich beachten?

Wer im Ausland erkrankt wird, dem obliegen zunächst die gleichen Anzeige- und Nachweispflichten, wie dem erkrankten Arbeitnehmer im Inland:
Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit dem oben dargelegten Inhalt ist dem Arbeitgeber unverzüglich anzuzeigen. Bei einem Auslandsurlaub wird jedoch regelmäßig das Einhalten dieser oben genannten drei bzw. vier Tage Frist nicht möglich sein, sodass es sich empfiehlt das Attest vorab per Fax (hilfsweise zumindest per E-Mail mit Empfangsbestätigung – nur wenn gar nicht anders möglich per Telefon) an den Arbeitgeber zu senden und Sendebericht (bzw. eingegangene Lesebestätigung bei der E-Mail) aufzubewahren.

Hinsichtlich des ärztlichen Attestes gilt es allerdings zu beachten, dass viele Atteste aus dem Ausland den gesetzlichen Nachweispflichten in Deutschland nicht genügen. Das Attest sollte demnach zunächst gründlich geprüft werden, bevor es dem Arbeitgeber übergeben wird.

 

Darf ich meinen Urlaub automatisch verlängern?

Werden die Krankheitstage mit einem ärztlichen Attest nachgewiesen, so verfallen die Urlaubstage nicht. Allerdings wird dadurch der bereits bewilligte Urlaub nicht einfach um die krankheitsbedingt ausgefallenen Tage verlängert. Der Arbeitnehmer muss sich vielmehr erneut seinen Urlaub bewilligen lassen, was wiederum zunächst erst von seinem Arbeitgeber genehmigt werden muss.

Wer seinen Urlaub eigenmächtig verlängert, riskiert zumindest eine Abmahnung. Unter Umständen kann allerdings auch eine außerordentliche Kündigung (also fristlos) nach § 626 I BGB folgen.

 

Achtung: eine leichtsinnig herbeigeführte Arbeitsunfähigkeit kann zum Ausschluss der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall führen

Obwohl der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Nachgewährung seiner Urlaubstage aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit hat, kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung unter Umständen ausschließen. In jedem Fall hat er diese Möglichkeit bei einem vorsätzlichen Herbeiführen des arbeitsunfähigen Zustandes. Allerdings kann ihm diese Möglichkeit auch dann zustehen, wenn die Arbeitsunfähigkeit auf leichtsinniges Verhalten zurückzuführen ist. Wann ein Verhalten jedoch als „leichtsinnig“ zu beurteilen ist, entscheiden in der Regel die Arbeitsgerichte.

 

Quelle: Juraforum.de (sk)

Schlagwörter: Arbeitsunfähigkeit, Urlaub, Krankheit, Erkrankung, Attest, Lohnfortzahlung


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