Ist es Diskriminierung, jemanden wegen seiner Körpergröße eine Anstellung zu verweigern?

Autor: , verfasst am 28.07.2014, 09:02| Jetzt kommentieren

Zu dünn, zu dick oder zu groß, zu klein: Für manche Berufe ist es von Vorteil, gewissen Anforderungen gerecht zu werden. So darf ein Türsteher ruhig etwas größer und muskulöser sein, ein Rennfahrer sollte eine eher schmächtige und kleine Statur vorweisen. Doch ist es auch rechtmäßig, eine Stelle erst dann zu vergeben, wenn eine ganz konkrete Körpergröße erreicht wird, und den Bewerber auch bei nur minimaler Abweichung vom Bewerbungsprozess auszuschließen?

Diskriminierung (© Marem - Fotolia.com)
Diskriminierung
(© Marem - Fotolia.com)

Ist es rechtmäßig, jemanden wegen seiner Körpergröße, auch wenn es sich nur um wenige Zentimeter handelt, nicht einzustellen oder ist dies eine unzulässige Diskriminierung?

Die heutige Rechtsfrage gründet auf dem Streit zwischen einer 19-jährigen Frau, die eine Ausbildung zur Pilotin anstrebt und der Lufthansa, die ihr eine Einstellung bzw. das weitere Bewerbungsverfahren verweigert. Die Frau misst eine Körperhöhe von knapp 1,62 Meter – die Lufthansa verlangt jedoch eine Mindestgröße von 1,65 Meter. Die Vorschriften der Lufthansa nennen übrigens auch die Maximalgröße von 1,96 Meter, nach der Personen nicht mehr im Cockpit Platz nehmen dürfen (können?).

Dass sie aus dem Bewerbungsverfahren geworfen wurde, wollte die Frau nicht auf sich sitzen lassen und sah sich aufgrund ihrer Körpergröße diskriminiert. Das bei Diskriminierungen anzuwendende Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) kennt zwar keine Diskriminierung wegen der Körpergröße. Die Frau trug jedoch vor, dass eine Größenbeschränkung quasi einer Diskriminierung wegen ihres Geschlechts gleich kommt. Dies begründete sie damit, dass Frauen im Durchschnitt kleiner gewachsen sind als Männer und deshalb seltener an einer Pilotenausbildung teilnehmen können. Das AGG kennt bei einem nachweislichen Fall der Diskriminierung unter anderem die Möglichkeit des Schadensersatzes, was nun vor dem Arbeitsgericht Köln in Höhe von 135.000 Euro gegen die Lufthansa durchgesetzt werden sollte.

Erstaunlicherweise ging das Gericht hier tatsächlich von einer Diskriminierung durch die Vorgabe einer Mindestgröße aus. Verneint wurde jedoch der Anspruch auf Schadensersatz, da es sich bei der Regelung über die Mindestgröße um eine tarifrechtliche Vorschrift handelt und die Fluggesellschaft somit nicht selbst als Arbeitgeber vorsätzlich bzw. grob fahrlässig diskriminierend gehandelt hat. Mit diesem Ergebnis war die Frau nicht zufrieden und zog in zweiter Instanz vor das Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 5 Sa 75/14). Hier teilte man die Ansicht, dass die Mindestgröße eine Geschlechterdiskriminierung darstellt, diese jedoch wegen ihres tarifrechtlichen Ursprungs keine Entschädigungszahlung nach sich ziehen kann.

Ergebnis:

Das Einstellungskriterium „Mindestkörpergröße“ stellt also in der Tat eine Diskriminierung wegen des Geschlechts dar, da Frauen im Schnitt kleiner gewachsen sind als Männer.

Schlagwörter: Diskriminierung Körpergröße, unzulässige Diskriminierung, Gleichberechtigung Einstellung


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