Haustiere im Büro: Wer haftet für einen entstandenen Schaden?

Autor: , verfasst am 28.06.2018, 11:49| Jetzt kommentieren

Wenn Arbeitnehmer ihre Haustiere mit an den Arbeitsplatz nehmen kann es passieren, dass diese einen Schaden anrichten. Wie hier die rechtliche Situation aussieht, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Hund am Arbeitsplatz (© chalabala / Fotolia.com)
Hund am Arbeitsplatz
(© chalabala / Fotolia.com)

Arbeitnehmer dürfen normalerweise nicht einfach z.B. ihre Hunde mit zur Arbeit nehmen. Anders sieht die Situation aus, wenn der Arbeitgeber ihnen hierzu die Erlaubnis erteilt. Hier stellt sich die Frage der Haftung dann, wenn etwa ein Mitarbeiter vom Hund gebissen wird oder ein Kunde über ihn stolpert.

Haftung des Tierhalters

Hier kommt zunächst einmal eine Haftung des Arbeitnehmers der das Haustier mitgebracht hat als sogenannter Tierhalters gem. § 833 Abs. 1 Satz 1 BGB in Betracht. Tierhalter muss nicht zwangsläufig der Eigentümer des Hundes sein. Vielmehr kommt es darauf an, wer die Sachherrschaft über den Hund hat und ein Interesse an der Gesellschaft hat.

Wichtig ist, dass für eine Inanspruchnahme im Wege der Tierhalterhaftung normalerweise kein Verschulden des Tierhalters erforderlich ist. Dies kommt daher, weil es sich hier um einen Fall der Gefährdungshaftung handelt. Grund dafür ist, dass Tiere unberechenbar sind. In ihnen verwirklich sich die spezifische Gefahr.

Besonderheit bei Nutztieren

Anders ist dies lediglich bei Tieren, die als sogenannte Nutztiere im Sinne von § 833 Satz 2 BGB anzusehen sind. Hierbei handelt es sich um Haustiere, das dem Beruf, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalt des Tierhalters zu dienen bestimmt ist. Typische Beispiele sind etwa der Blindenhund, ein Hüterhund oder ein Pony auf einem Hof für therapeutisches Reiten. Hier kommt eine Haftung des Halters normalerweise nur in Betracht, wenn er bei der Beaufsichtigung nicht die notwendige Sorgfalt an den Tag gelegt hat.

Da e sich hier um Sonderfälle handelt, müssen Arbeitnehmer in der Regel damit rechnen, dass sie zur Haftung herangezogen werden, wenn ihr Haustier am Arbeitsplatz einen Schaden anrichtet.

Haftung des Arbeitgebers wegen Haustieren am Arbeitsplatz?

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob eventuell auch der Arbeitgeber haftet, wenn der Hund des Arbeitnehmers einen Schaden anrichtet. Dies kommt ausnahmsweise etwa dann infrage, wenn der Arbeitgeber durch seine Erlaubnis die Fürsorgepflicht gegenüber den Kollegen verletzt hat. Typisches Beispiel wäre, wenn dem Arbeitgeber bekannt ist, dass der Hund des Arbeitnehmers gefährlich ist. Gegenüber Kunden kommt unter Umständen ebenfalls eine Haftung in Betracht. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Landgerichtes Hagen vom 24.05.2012 - 9 O 268/11. In diesem Fall hatte er sich der Hund einer Arbeitnehmerin in dem Verkaufsraum eines Reitsportgeschäftes in der Nähe der Kasse auf den Boden gelegt. Ein Kunde stolperte über den Hund und kam zu Fall.

Hier entschied das Landgericht Hagen mit Urteil vom 24.05.2012, 9 O 268/11, dass auch der Arbeitgeber als Geschäftsinhaber gegenüber dem Kunden haftet aus §§ 433, 241, 280 Abs. 1 BGB. Hierzu stellte das Gericht fest, dass der Arbeitgeber sich die Verletzung der Verkehrssicherungspflicht durch die Mitarbeiterin zurechnen lassen muss nach § 278 BGB. Die Verkäuferin war hier Erfüllungsgehilfin des Arbeitgebers.

Fazit:

Arbeitnehmer die ihre Haustiere mit zur Arbeit nehmen müssen damit rechnen, dass sie in Haftung genommen werden. Das gilt auch, wenn diese normalerweise friedlich sind. Sie haften dabei in unbegrenzter Höhe. Von daher ist der Abschluss einer Tierhalterhaftpflichtverletzung sinnvoll. Arbeitgeber sollten am besten Haustiere am Arbeitsplatz nur erlauben, wenn der Arbeitnehmer über eine solche Versicherung abgeschlossen hat. Dabei sollten sie bedenken, dass eine solche Erlaubnis zu Konflikten unter den Mitarbeitern führen kann, wenn sich dieser direkt am Arbeitsplatz befindet. Dies gilt vor allem, wenn es sich dabei um keinen Einzelarbeitsplatz handelt.

 

Autor: Harald Büring, Ass. jur. (Juraforum-Redaktion)

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