Fahrtkosten beim Bewerbungsgespräch: wer zahlt diese?

Autor: , verfasst am 16.01.2015, 14:02| 4 Kommentare

Bewerbungen sind gerade für Schulabgänger und Studienabsolventen ein notwendiges Übel. Viele müssen mehr als eine Bewerbung schreiben, nahezu ebenso viele bekommen ihre Unterlagen heutzutage auch nicht mehr zurück. Lebenslauf, Kopien der benötigten Unterlagen, die Postsendung an sich etc. sind mit einigen Kosten verbunden. Bekommt der Bewerber dann doch einmal eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, so fallen zusätzlich zum Teil enorme Fahrtkosten an. Doch muss der Bewerber diese selbst tragen, oder kann er sie von seinem potentiellen Arbeitgeber erstatten lassen?

Fahrtkosten beim Bewerbungsgespräch: wer zahlt diese? (© Victor Rudometov – Fotolia.com)
Fahrtkosten beim Bewerbungsgespräch: wer zahlt diese?
(© Victor Rudometov – Fotolia.com)

 

Die Rechtsgrundlage

Unternehmen wälzen die Reisekosten der Jobsuchenden gerne auf diese ab, denn selbstredend möchte niemand für gegebenenfalls verschwendete Zeit Kosten übernehmen. Allerdings wird im Arbeitsrecht für solche Fälle der § 670 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) angewendet. Dieser bestimmt, dass erforderliche Aufwendungen im Zusammenhang mit einem Vorstellungsgespräch (sog. ‚Vorstellungskosten‘) vom Arbeitgeber erstattet werden müssen. Diese Regelung gilt unabhängig davon, ob die Bewerbung initiativ oder aufgrund einer Stellenanzeige erfolgte, ob letztlich ein Arbeitsverhältnis zustande gekommen ist oder ob die Einladung schriftlich oder mündlich erging.

Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass etwaige Kosten bei einem vom Arbeitgeber unaufgeforderten Erscheinen nicht zu erstatten sind, das heißt wenn der Arbeitssuchende von sich selbst aus den Vorschlag macht, er könne gerne einmal zu einem Bewerbungsgespräch vorbeikommen, damit der potentielle Arbeitgeber sich selbst ein Bild von ihm machen könne. Der Erstattungsanspruch ist in solchen Fällen selbst dann ausgeschlossen, wenn der Arbeitgeber einer persönlichen Vorstellung des Bewerbers nicht widersprochen hat.

Darüber hinaus besteht für den Arbeitgeber die Möglichkeit eine solche Kostenübernahme von vornherein auszuschließen. Ein solcher Ausschluss, bzw. gegebenenfalls auch nur Teilausschluss, muss allerdings rechtzeitig erfolgen, das heißt bei der schriftlichen bzw. mündlichen Einladung. Erfolgt die Mitteilung erst beim Bewerbungsgespräch, so entfaltet der Ausschluss der Kostenübernahme keinerlei Wirkung.

 

Was für Fahrtkosten werden generell übernommen?

Selbstverständlich werden die Kosten für eine Anreise mit dem Pkw übernommen. In der Regel gibt es eine Pauschale in Höhe von 30 Cent pro Kilometer für Pkws und für andere motorisierte Fahrzeuge in Höhe von 20 Cent pro Kilometer.

Daneben wird regelmäßig auch die Anreise mit der Bahn, bei einer Fahrt zweiter Klasse, erstattet. Darüber hinaus können grundsätzlich auch die Kosten für Flüge übernommen werden, entweder wenn der Flug günstiger ist oder wenn die anderen Möglichkeiten zu langwierig oder zu umständlich wären. Da eine solche Beurteilung von jeder Partei unterschiedlich erfolgen kann, sollte man in einem solchen Fall zur Sicherheit zunächst den potentiellen Arbeitgeber um Erlaubnis fragen und sich diese am besten auch schriftlich bestätigen lassen.

 

Kann ich mir neben den Fahrtkoten noch andere Kosten erstatten lassen?

Zu den erstattungsfähigen Reisekosten gehören grundsätzlich auch Übernachtungs- und Verpflegungskosten. Diese müssen allerdings zum einen erforderlich sein, zum anderen aber auch angemessen. Ein Arbeitgeber wird nämlich mit Sicherheit keine Übernachtung in einem 5-Sterne-Luxushotel bezahlen wollen. Da auch in diesen Fällen die Auffassungen der Parteien regelmäßig auseinandergehen werden, ist es auch hier ratsam, die etwaigen Details vorab zu klären.

Die Erforderlichkeit solcher Kosten ergibt sich insbesondere aus der Dauer der An- und Abreise und aus dem Zeitpunkt, zu dem das Vorstellungsgespräch beginnen soll.

 

Der Arbeitgeber hat die Kostenübernahme ausgeschlossen – was tun?

Für den Fall, dass der Arbeitgeber die Kostenübernahme ausgeschlossen hat, besteht die Möglichkeit der Erstattung der Reisekosten durch die Arbeitsagentur. Voraussetzung dafür ist zunächst allerdings, dass der Jobsuchende dort als „arbeitssuchend“ gemeldet ist. Darüber hinaus muss die Kostenübernahme vor dem Gesprächstermin beantragt werden. Dafür ist das Einladungsschreiben notwendig.

 

Fazit

Ein Bewerber sollte sich stets – unabhängig von seinem nicht ausgeschlossenen, gesetzlichen Anspruch auf Kostenübernahme – überlegen, ob ihm im Zweifel ein Selbstaufkommen der Fahrtkosten wert ist. Stellt ihn nämlich der Arbeitgeber ein, möchte diese Kosten allerdings nicht übernehmen, so würde ein handfester Streit über dieses Thema den Einstieg in die neue Arbeitsumwelt wesentlich erschweren.

 

Quelle: Juraforum.de (sk)

Schlagwörter: Bewerbungsgespräch, Vorstellungsgespräch, Bewerber, Reisekosten, Fahrtkosten, Erstattung, Ausschluss, Kostenübernahme


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (4)

Kyro  (21.11.2015 07:12 Uhr):
Strittig war auch, ob die angebliche E-Mail mit dem Ausschluss überhaupt bei mir eingegangen ist. Ich dachte, da der Beklagte in der Beweispflicht ist, muss er den Erhalt durch mich zweifesfrei beweisen. Das ist offentsichtlich nich notwendig. Das Gericht hat dem Beklagten geglaubt, die Mail geschrieben zu haben und ist davon ausgegangen, dass ich Sie erhalten habe, weil ich in meinen schriftlichen Aufforderungen zu Erstattung im zweiten Argumentationsgang, der der Hypothese unterliegt, das ich die Mail erhalten habe, nicht die Formulierung "ihr angeblicher Ausschluss war nicht rechtzeitig" verwendet habe sonder "ihr Auschluss war nicht rechtzeitig. Im ersten Argumetationsgang bin ich davon ausgegangen, die Mail nicht erhalten zu haben. Somit unterlag der zweite eben der Hypothetischen Annahme.
Kyro  (20.11.2015 23:33 Uhr):
Jetzt hab ich´s. Der Knackpunkt ist, ich habe nach der Einladung selbst aktiv nachgefragt, ob die Kosten übernommen werden. Die Antwort darauf kam aus meiner Sicht nicht rechtzeitig, aus Sicht des Gerichts hätte ich mit dem Kauf des Tickets länger warten müssen. Abweichend von den Empfehlungen im obigen Artikel kann ich von der aktiven Nachfrag nur abraten. Wer das tut, ist der Dumme. Hätte ich nicht nachgefragt und mir einfach das Ticker gekauft, hätten die zahlen müssen. Eingach im Anschluss eine Rechnung stellen und basta.
Kyro  (20.11.2015 17:32 Uhr):
Arbeitsgericht Münster, Akzenzeichen 4 Ca 804/15 http://www.arbg-muenster.nrw.de/behoerde/sitzungsergebnisse/index.php Habe argumentiert, dass es billig und mein Gutes Recht sei, inbesondere in Anbetracht der Kürze bis zum Gespräch (9 Tage) Vorkehrungen zu treffen und mich um die Reise zu kümmern, solange keine Ausschluss getätigt worden ist. Sollte doch sogar im Interesse des potenziellen Arbeitgebers sein, wenn ich die Kosten (z.B. durch ein Sparticket) möglichst gering halte. Das Urteil ist und bleibt mir unverständlich. Kann mir jemand sagen, was da schief gelaufen ist?
Kyro  (20.11.2015 15:06 Uhr):
Die Aussage, dass der Ausschluss spätestens in der Einladung erfolgen muss, ist falsch. Ich habe heute eine Verfahren auf Erstattung verloren, bei dem der Auschluss nach der Einladung aber vor derm vorstellungsgesspräch erfolgte. Hinzu kam, dass ich mir bereits vor dem Ausschluss ein Bahnticket gekaugt hatte.





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