Diskriminierung am Arbeitsplatz – was kann man dagegen tun?

Autor: , verfasst am 19.03.2015, 07:47| 3 Kommentare

Immer wieder hört man seitens Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz diskriminiert fühlen. Dies führt teilweise so weit, dass der/die Betroffene nur noch mit Unbehagen zur Arbeit geht – oder dies gar nicht mehr tun kann. Doch was ist eigentlich Diskriminierung am Arbeitsplatz? Und was kann man dagegen tun?

Arbeitsrecht (© PhotographyByMK - Fotolia)
Arbeitsrecht
(© PhotographyByMK - Fotolia)

Was ist Diskriminierung am Arbeitsplatz?

Allgemein wird von einer Diskriminierung gesprochen, wenn eine unterschiedliche Behandlung von Mitarbeitern innerhalb eines Unternehmens gegeben ist. Diese erfolgt in der Regel aufgrund einer der folgenden Kriterien:

  • Geschlecht
  • Zugehörigkeit einer ethischen Gruppe

  • Religion oder Weltanschauung

  • Alter

  • Sexuelle Orientierung

  • Körperliche Einschränkung (Behinderung)

Wenn also ein Arbeitnehmer/eine Arbeitnehmerin aufgrund eines dieser Merkmale eine weniger günstige Behandlung erfährt als ein Kollege – also eine Benachteiligung - , so liegt eine Diskriminierung vor.

Neben dieser unmittelbaren Diskriminierung gibt es auch noch die mittelbare Diskriminierung: diese ist gegeben, wenn Vorschriften zwar auf den ersten Blick neutral zu sein scheinen, jedoch eine bestimmte Gruppe von Arbeitnehmern gegenüber Kollegen benachteiligen.

Achtung: Die Diskriminierung ist nicht zu verwechseln mit Mobbing! Dieses kann sowohl vom Arbeitgeber als auch von Kollegen ausgehen, während es sich bei der Diskriminierung um die generelle, seitens des Unternehmens ausgehende Behandlung einer speziellen Gruppe handelt.

Ist Diskriminierung verboten?

Wenn ein Arbeitnehmer/eine Arbeitnehmerin aus einem der oben genannten Gründe schlechter behandelt wird als andere Mitarbeiter, so liegt eine Diskriminierung vor, die verboten ist. Gemäß dem Arbeitsrecht sind alle Arbeitnehmer gleich zu behandeln. Speziell nicht gestattet ist sie

  • bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses (beispielsweise werden nur Männer eingestellt, obwohl auch Frauen diese Tätigkeit verrichten können und sich auch für diese Stelle beworben haben);

  • bei der Festsetzung des Entgelts (ein männlicher Arbeitnehmer verdient mehr als ein weiblicher bei gleicher Qualifikation auf dem selben Posten);

  • bei der Gewährung freiwilliger Sozialleistungen (Moslems bekommen kein Weihnachtsgeld);

  • bei Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung (ein Mitarbeiter, der sich öffentlich zu den Zeugen Jehovas bekennt, wird generell von firmeninternen Seminaren ausgeschlossen);

  • bei Beförderungen (ein homosexueller Mitarbeiter wird bei Beförderungen grundsätzlich übergangen, obwohl er für den betreffenden Posten qualifiziert wäre);

  • bei den sonstigen Arbeitsbedingungen (ein älterer Arbeitnehmer bekommt keinen neuen Schreibtisch, während die Büros seiner jüngeren Kollegen alle renoviert werden);

  • bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses (bei betriebsbedingten Kündigungen werden zuerst Frauen, Moslems und ältere Arbeitnehmer entlassen).

Zu beachten ist, dass bereits bei Stellenausschreibungen darauf geachtet werden muss, dass keine Diskriminierung stattfindet.

Die gesetzliche Grundlage findet sich im Antidiskriminierungsgesetz (eigentlich: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, AGG), welches am 18.08.2006 in Kraft trat und dazu dienen soll, Benachteiligungen der oben erwähnten Personengruppen zu verhindern beziehungsweise zu beseitigen.

Was kann man gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz tun?

Liegt eine Diskriminierung am Arbeitsplatz vor, kann sich der/die Betroffene an

wenden. Dabei sollte jene Person ausgewählt werden, zu der das größte Vertrauen besteht.

Wird ein Fall von Diskriminierung dem Unternehmen mitgeteilt, so ist dieses in der Verpflichtung, zu handeln. In der Praxis bedeutet dies, dass es die Umstände, durch die sich der betreffende Mitarbeiter diskriminiert fühlt, abzustellen hat.

Geschieht dies nicht, so hat der Betroffene das Recht, eine Klage vor dem Arbeitsgericht einzureichen. Dieses hat dann darüber zu urteilen, ob tatsächlich eine Diskriminierung im Sinne des Gesetzes vorliegt, wie es offensichtlich der Fall ist, wenn eine schwangere Arbeitnehmerin im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen nicht zu Ausbildungsmaßnahmen zugelassen wird [EuGH, 06.03.2014, C-595/12]. Auch legt das Gericht fest, ob ein Anspruch auf immateriellen Schadensersatz besteht, wenn ein Arbeitnehmer eine persönliche Beeinträchtigung erlitten hat.

Gegebenenfalls stehen einem diskriminierten Arbeitnehmer auch Ansprüche auf Schadensersatz zu: Wenn ein Bewerber aufgrund der Verletzung des Gleichbehandlungsgebots die Stelle nicht bekommt, so steht ihnen ein Schadensersatz in Höhe von mindestens zwei Monatsgehältern zu. Diese Entschädigung muss innerhalb von sechs Monaten nach Ablehnung der Bewerbung geltend gemacht werden.

Fazit: Liegt eine Diskriminierung am Arbeitsplatz vor, muss ein Arbeitnehmer/eine Arbeitnehmerin diese nicht einfach hinnehmen. Zunächst sollte er sich intern Hilfe suchen; wird ihm diese verweigert, stehen die Arbeitsgerichte hilfreich zur Seite.

Schlagwörter: Diskriminierung, Diskriminierung Arbeitsplatz


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (3)

Frangipani  (11.09.2017 05:32 Uhr):
Hallo, ich habe eine Frage zum Arbeitsrecht in Bezug auf Diskriminierung, da ich bisher von niemand eine entsprechende Auskunft bekam. Vielleicht kann mich auch jemand an Beratungsstellen verweisen, die mir weiterhelfen können. Im April bewarb ich mich bei einer Stadtverwaltung in Bayern für eine Stelle "Ingenieur Landschaftsplanung". Ich bekam ein Vorstellungsgespräch und wurde vom Fachpersonal als die Idealbesetzung für diese Stelle vorgeschlagen, da ich meine Masterarbeit in dem Fachgebiet, auf das diese Stelle ausgerichtet ist, geschrieben habe. Diese Stelle beinhaltet hauptsächlich Bürgerbeteiligung, Information, Organisation von Veranstaltungen, Kommunikation mit verschiedenen Interessenvertretern. Meine Arbeit hat also in keinster Weise mit dem technischen Bereich in der Landschaftsplanung zu tun. In einem Brief wurde mir mitgeteilt, dass ich für die Stelle vorgeschlagen wurde, aber das ich einen Ingenieurstitel benötige, um diese Stelle zu besetzen. Bei meiner Bewerbung hatte ich alle Unterlagen schon eingereicht, aus denen hervor ging, dass ich diesen Titel nicht habe. Mein in Schweden absolvierter Master wurde 2014 in Deutschland anerkannt. Allerdings war mir nicht bewusst, dass ich eine separate Genehmigung benötige, um den Titel "Ingenieur" zu tragen, bzw. das ich diesen jemals benötigen würde, da Bachelor/Masterabschlüße in Deutschland doch seit 10 Jahren auch die Regel sind. Inoffiziell wurde mir letzte Woche mitgeteilt, das ich diese Stelle aufgrund des fehlenden Ingenieurstitels mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht bekommen werde. Ich kann den Titel auch nicht mehr beantragen, da 2016 das Ingenieursgesetz - auch für deutsche Hochschulabsolventen - geändert wurde. Seit 2016 erhalten nur noch technisch-naturwissenschaftliche Studienabschlüsse mit einem Minimum von 50 % MINT- Fächern (Naturwissenschaften, Informatik) diesen Titel. Insofern gibt es seit 2016 auch keinen deutschen Studienabschluß des Ingenieurs Landschaftsplanung/Gartenbau mehr. Die offizielle Absage werde ich natürlich erst bekommen, wenn der nächste Kandidat zugesagt hat. Deshalb möchte ich mich erkundigen, da ich gegen diese Entscheidung vorgehen möchte. Das Organisationsamt besagter Kommunalverwaltung beharrt darauf, dass man in Bezug auf den Tarifvertrag 2017 diesen Ingenieurstitel unbedingt benötigt, da man sonst keine Einstufung vornehmen kann. Im Personalamt kann mir niemand konkret etwas dazu sagen, auch nicht auf die Stelle im Tarifvertrag, auf die sich diese "Regelung" beziehen soll. Für mich ist es sehr schwierig, an Informationen heran zu kommen, da sich bisher niemand so richtig äußern kann/will zu diesem Thema. Ich fühle mich aufgrund dieses Beharrens auf den Ingenieurstitel, und der Nichtanerkennung meiner Bachelor/Mastertitel diskriminiert und brauche dringend Hilfe in dieser Sache.
küchentante  (01.05.2016 14:19 Uhr):
Mein Arbeitskollege sagte zu mir das ich eingestellt bin um ihn den arsch nachzutragen (wortwörtlich )ist das nicht Diskriminierung?
Rick  (23.10.2015 08:02 Uhr):
Ich arbeite seit 2jahren bei Opel auf meine stellenbeschreibung in einer Abteilung nun muss ich diesen Platz für einen anderen der jetzt nach 4 Jahre wieder kommt räumen ist das eine Diskriminierung





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