Darf der Chef mich bei Krankheit anrufen oder besuchen?

Autor: , verfasst am 21.02.2018, 14:55| Jetzt kommentieren

Manche Vorgesetzten rufen bei ihren krankgeschriebenen Mitarbeitern an oder statten ihren sogar einen Hausbesuch ab. Müssen Arbeitnehmer sich hierauf einlassen? Dies erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Ist Chefbesuch bei Krankheit erlaubt? (© MkrBerlin - Fotolia.com)
Ist Chefbesuch bei Krankheit erlaubt?
(© MkrBerlin - Fotolia.com)

Ein Anruf des Chefs bei einem kranken Mitarbeiter ist nicht von vornherein verboten. Dies gilt vor allem dann, wenn er ihm gute Besserung wünschen möchte oder an ihn eine dringende Rückfrage hat. Der Arbeitnehmer braucht ihm jedoch nicht zu sagen, was er genau für eine Erkrankung hat bzw. welche Diagnose der Arzt gestellt hat. Dies ergibt sich daraus, dass der Arbeitgeber hierüber nicht in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung informiert wird. Er hat lediglich das Recht, dass der Arbeitnehmer rechtzeitig die Krankmeldung einreicht.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung braucht er normalerweise erst vorlegen, wenn er drei Tage krank ist. Im Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag kann eine kürzere Frist vorgesehen kann. Darüber hinaus darf der Arbeitgebervon dem kranken Arbeitnehmer verlangen, dass er die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits bei einem Fehltag vorlegt. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom 14. November 2012 - 5 AZR 886/11. Der Arbeitgeber braucht hierbei nicht anzugeben, dass er den Verdacht hat, dass der Mitarbeiter blaumacht.

Besuch vom Chef bei Krankheit?

Der Chef darf seinen Mitarbeiter auch besuchen, wenn er glaubt, dass dieser gar nicht krank ist. Dies ergibt sich daraus, dass er in diesem Fall auch einen Detektiv beauftragen darf. Wenn sich dieser Verdacht bestätigt, muss der Mitarbeiter normalerweise für die Kosten aufkommen, die mit der Beauftragung des Detektivs verbunden gewesen sind. Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes vom 07.09.1998 - 8 AZR 5/97. Die Kosten müssen sich dabei allerdings im Rahmen halten.

Wichtig ist auch, dass zum Zeitpunkt der Beauftragung bereits ein konkreter Verdacht gegenüber dem Mitarbeiter bestanden hat. Allerdings kann der Chef nicht verlangen, dass er die Wohnung des Arbeitnehmers betreten darf. Denn diese ist nach Art. 13 GG besonders geschützt. Des Weiteren gehört die Wohnung zum persönlichen Lebensbereich des Arbeitnehmers. Schon gar nicht darf er sich einfach Zutritt verschaffen. Hierdurch würde zumindest der Straftatbestand des Hausfriedensbruchs nach § 123 StGB erfüllt. Ferner kommt eine Nötigung gem. § 240 StGB in Betracht.

Einladung zum Personalgespräch trotz Krankschreibung?

Allerdings darf der Chef nicht einfach verlangen, dass der kranke Arbeitnehmer auf der Arbeitsstelle erscheint und an einem Personalgespräch teilnimmt. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichtes Nürnberg vom 01.09.2015 - 7 Sa 592/14. Die Richter begründeten dies damit, dass er aufgrund seiner Krankheit keine Arbeitsleistung erbringen muss. Allerdings ist diese Entscheidung noch nicht rechtskräftig. Gegen sie ist ein Revisionsverfahren beim Bundesarbeitsgericht anhängig, das unter dem Aktenzeichen 2 AZR 855/15 geführt wird.

Fazit:
Gleichwohl hat der Chef die Möglichkeit, sich gegen blaumachende Arbeitnehmer zu wehren. Er kann bei einem entsprechenden Verlangen, dass er sich vom medizinischen Dienst begutachten lässt. Wenn ein Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit vortäuscht, muss er mit einer Abmahnung und gegebenenfalls mit seiner Kündigung rechnen. Von daher sollten sie hier nicht schummeln.

 

Autor: Harald Büring, Ass. jur. (Juraforum-Redaktion)


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