Darf der Chef meinen Urlaub einfach streichen?

Autor: , verfasst am 27.03.2015, 08:58| 3 Kommentare

Für den Arbeitnehmer ist es wohl die schönste Zeit im Jahr: der Urlaub. Einige nutzen die freie Zeit zwar, um daheim liegengebliebene Arbeit zu erledigen, andere suchen hingegen ihre Entspannung lieber in fremden Städten, am Strand oder in den Bergen, um ihre Seele baumeln zu lassen. Wie ist es aber, wenn der Arbeitgeber einen bereits bewilligten Urlaub einfach wieder streicht oder schlimmer noch, wenn der Chef den Arbeitnehmer aus dem bereits angetretenen Urlaub zurück ruft. Darf der Chef so etwas überhaupt?

Darf der Chef meinen Urlaub einfach streichen? (© Ewe Degiampietro - Fotolia.com)
Darf der Chef meinen Urlaub einfach streichen?
(© Ewe Degiampietro - Fotolia.com)

 

Die Rechtslage

Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) gewährt einem Arbeitnehmer regelmäßig einen Mindesturlaubsanspruch von 4 Wochen im Jahr. Arbeitnehmer, die sechs Tage in der Woche arbeiten, haben daher einen Anspruch auf mindestens 24 Tage Urlaub, während die Arbeitnehmer, die lediglich eine 5-Tage-Woche haben, einen Anspruch auf mindestens 20 Tage Urlaub haben. Damit entspricht dieser gesetzliche Mindesturlaub der Europäischen Arbeitszeitrichtlinie 93/104/EG des Rates vom 23.11.1993.

Dieser gesetzliche Mindesturlaub kann durch etwaige Regelungen im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag (sog. Tarifurlaub) erweitert, aber niemals beschränkt werden. Die Freistellung von der Arbeitsleistung dient nämlich der Erholung des Arbeitnehmers, damit er im Anschluss wieder seine volle Leistung erbringen kann.

Nach § 7 Absatz 1 BUrlG ist es auch grundsätzlich Sache des Arbeitnehmers, wann er seinen Urlaub nehmen möchte (mit Ausnahme von Betriebsferien). Eine Verweigerung des Urlaubs ist daher nur unter engen Voraussetzungen möglich. Ist der Urlaubsantrag dann auch erst einmal schriftlich genehmigt worden, so darf der Urlaub nachträglich auch grundsätzlich nicht mehr gestrichen werden.

Zwischenfazit: In der Regel ist der Urlaubsanspruch unantastbar und der Zeitpunkt ist vom Arbeitnehmer frei wählbar. Es gibt jedoch Ausnahmen, die sowohl eine Verweigerung, als auch ein nachträgliches Streichen – und sogar ein Zurückholen – rechtfertigen:

  1. Probezeit
    Wer noch in der Probezeit ist, der hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Urlaub. Der Chef darf hier einfach den Urlaub verweigern.
  2. Keine Zustimmung des Arbeitgebers
    Es ist eine zwingende Voraussetzung, den geplanten Urlaub mit seinem Arbeitgeber vorher abzusprechen. Wer ohne eine Zustimmung einen Urlaub bucht, der muss – ohne nachträgliche Zustimmung (Genehmigung) – seinen Urlaub streichen. Unter Umständen muss er auch mit einer Abmahnung – und im Wiederholungsfall bzw. Extremfall – mit einer Kündigung rechnen.
  3. Fristgerechte Fertigstellung von Aufträgen
    Wer an einem befristeten Auftrag arbeitet, der muss in der Regel den Auftrag rechtzeitig fertigstellen. Ist dies zum Urlaubsantritt nicht der Fall, so kann der Chef den Urlaub streichen, da ansonsten die fristgerechte Auftragserfüllung nicht eingehalten werden könnte.
  4. Hohe Nachfrage
    Sollte die Nachfrage nach einem Produkt oder einer Dienstleistung unerwartet hoch sein, so kann ebenso ein Urlaub gestrichen werden, damit dem Unternehmen kein Verlust entsteht.
  5. Personelle Engpässe
    Sollte es widererwarten zu personellen Engpässen kommen, so darf grundsätzlich ohne weiteres der Urlaub verweigert werden. Der Arbeitgeber kann in besonders gravierenden Fällen aber auch den Urlaub nachträglich streichen, wenn ansonsten ein ordnungsgemäßer Betrieb nicht mehr möglich wäre.
  6. Vorrang anderer Mitarbeiter
    In der Regel spielen bei der Gewährung von Urlaub auch soziale Gründe eine erhebliche Rolle. So haben insbesondere Eltern grundsätzlich einen Vorrang, wenn es um Urlaub während der Schulferien geht.
  7. Katastrophe
    Katastrophen sind eine besondere Ausnahmeform, bei der der Arbeitgeber auch ohne Zustimmung den Urlaub streichen darf.

Bitte beachten Sie, sollte Ihnen der Urlaub nicht gewährt werden oder streicht Ihnen Ihr Chef Ihren Urlaub in zulässiger Weise, so verlieren Sie Ihren Anspruch auf Urlaub nicht. Sie können den Urlaub dann zu einem anderen, späteren Zeitpunkt wahrnehmen.

Rechtstipp:

Sollte Ihr Arbeitgeber Ihnen in unzulässiger Weise Ihren Urlaub kürzen oder ihn erst gar nicht  gewähren wollen, so bestehen Sie auf Ihr Recht, notfalls mit Unterstützung von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Quelle: Juraforum.de (sk)

Schlagwörter: Arbeitgeber, Chef, Arbeitnehmer, Urlaub, streichen, kürzen, zurückholen, verweigern, Mindesturlaub, Urlaubsanspruch


Nachrichten zum Thema
  • BildChef darf Internet-Messenger von Mitarbeitern überwachen (13.01.2016, 15:53)
    Straßburg (jur). Für Unternehmen kann es ein einfacher Kundenkontakt sein: Mitarbeiter tauschen sich mit Hilfe eines betrieblich genutzten Internet-Messenger-Dienstes mit Kunden aus. Überwacht der Arbeitgeber diese Kommunikation, wird damit das in...
  • BildWM-Deko am Arbeitsplatz nur mit Erlaubnis vom Chef (13.06.2014, 09:52)
    Berlin (DAV). Wer zur WM seinen Arbeitsplatz mit Fanartikeln dekorieren möchte, sollte vorher mit seinem Vorgesetzen sprechen. Wie die Deutsche Anwaltauskunft mitteilt, können Arbeitgeber das Schmücken des Arbeitsplatzes untersagen. Viele...
  • BildUnerlaubte Konkurrenz zum Chef ist tabu (15.04.2013, 14:20)
    Frankfurt/Main (jur). Arbeitnehmer dürfen ihrem Chef keine unerlaubte Konkurrenz machen. Tun sie es doch, kann der Arbeitgeber fristlos kündigen, wie das Landesarbeitsgericht (LAG) Frankfurt am Main in einem am Montag, 15. April 2013,...
  • BildUrlaub in der Kündigungsfrist (18.05.2011, 09:36)
    Nach § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG legt der Arbeitgeber den Urlaub zeitlich fest. Die Erklärung eines Arbeitgebers, einen Arbeitnehmer unter Anrechnung auf dessen Urlaubsansprüche nach der Kündigung von der Arbeitsleistung freizustellen, ist nach den §§...
  • BildJuristische Fallstricke im Urlaub (30.06.2008, 11:56)
    Berlin (DAV). Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen. Das Sprichwort könnte aber auch lauten: Wenn einer eine Reise tut, dann sollte er die Fallstricke kennen, warnt die Deutsche Anwaltauskunft. Diese lauern schon beim...
  • BildWeihnachtsfeier endet auch bevor der Chef geht (11.03.2008, 09:01)
    Sind bei einer betrieblichen Weihnachtsfeier alle außer dem Abteilungsleiter und einem Angestellten gegangen, so besteht für diese der Unfallversicherungsschutz auch dann nicht fort, wenn das Ende der Feier nicht bestimmt ist. Dies hat heute der...

Kommentar schreiben

59 + Ein, s =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.
* Pflichtfeld

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (3)

Urlaubsnötig  (01.08.2017 13:41 Uhr):
Und wie verhält es sich in diesem Fall. Bei Arbeitbeginn im Frühjahr wurde in der Teambesprechung alle Urlaube abgesprochen und der Urlaubsantrag stattgegeben. Nach ca. 1 Monat kam es zu einem Unfall der einen Ausfall von w Monaten mit sich zog. Die Probezeit wurde für den Zeitraum verlängert und der Urlaub liegt somit in der Probezeit. Der Urlaub ist gebucht und kann nicht mehr umgebucht werden. Was nun? Laut Gesetz gibt es keinen Urlaub in der Probezeit, aber kann es nicht besonders geregelt werden?
Genickes  (18.10.2016 17:20 Uhr):
Ich habe in 6 Monaten Probezeit keinen Anspruch auf Urlaub? Seid ihr euch da sicher?
marisu  (10.04.2015 07:38 Uhr):
Zu Punkt 1: Ist es nicht vielmehr so, dass der volle Urlaubsanspruch erst nach 6 Monaten entsteht und vorher für jeden gearbeiteten Monat 1/12 des Urlaubsanspruchs beansprucht werden kann?





Weitere Arbeitsrecht-Ratgeber


Anwalt für Arbeitsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.