Bildungsurlaub – was ist das eigentlich und kann auch ich Bildungsurlaub nehmen?

Autor: , verfasst am 11.08.2014, 07:36| Jetzt kommentieren

Unter Bildungsurlaub versteht man eine der beruflichen bzw. politischen Weiterbildung dienende spezielle Form des Urlaubs, meist zur Nutzung von berufsnahen Angeboten. Der Bildungsurlaub ist auch unter Bildungsfreistellung bekannt. Seit 1974 existiert in der BRD auf Grundlage des Übereinkommens 140 der Internationalen Arbeitsorganisation der bezahlte Bildungsurlaub und soll zum sogenannten „lebenslangen Lernen“ motivieren. Genutzt wird es jedoch nur von einem Bruchteil der arbeitenden Bevölkerung (ca. zwischen 2 und 5 %). Dies liegt unter anderem daran, dass nur wenige um die Möglichkeit der Bildungsfreistellung wissen, aber auch weil der Lern- und Bildungseffekt entsprechender Seminare im Betrieb teils bezweifelt wird.

Bildungsurlaub (© Coloures-pic - Fotolia.com)
Bildungsurlaub
(© Coloures-pic - Fotolia.com)

Wie viel Bildungsurlaub kann man nehmen?

Einen Anspruch auf Bildungsfreistellung gibt es für maximal fünf Arbeitstage pro Jahr (Ausnahme ist hier das Saarland) was in den meisten Fällen einer Arbeitswoche entspricht.
Wer hat einen Anspruch auf Bildungsfreistellung?

Die Bildungsfreistellung gibt es nicht nur für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Vielmehr hat jeder Arbeitnehmer, ob Arbeiter oder Angestellter, die Möglichkeit sich für den Bildungsurlaub freistellen zu lassen. Geregelt wird dies durch entsprechende Landesgesetze. Gesetzliche Regelungen zum Bildungsurlaub gibt es bislang jedoch nicht in Bayern, Thüringen, Sachsen und Baden-Württemberg.

Auf wen kommen welche Kosten zu?

Seminarkosten etc. übernimmt der Arbeitnehmer selbst. Dafür erhält er weiterhin sein Gehalt. Bei der Bildungsfreistellung werden also praktisch die Kosten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geteilt.

Seminar muss für Bildungsurlaub anerkannt sein

Wichtig ist, dass das gewünschte Seminar, welches während der Bildungsfreistellung besucht werden soll, als ein entsprechendes Seminar anerkannt ist. Eine Liste ist z.B. unter www.bildungsurlaub.de einzusehen.

Kann der Bildungsurlaub untersagt werden?

Grundsätzlich muss ein Bildungsurlaub, genauso wie der Erholungsurlaub, vom Arbeitgeber gewährt werden. Jedoch können im Einzelfall betriebliche Gründe gegen ein Fernbleiben der Person aus dem Betrieb sprechen, beispielsweise wenn die Auftragslage besonders hoch ist oder bereits einige Mitarbeiter krank gemeldet sind. Reagiert der Arbeitgeber jedoch nicht binnen drei Wochen nach Einreichen des Antrages auf Bildungsfreistellung, gilt der Antrag als genehmigt.

Vorschieben eines Bildungsurlaubes kann fristlose Kündigung bedeuten

Möchte man sich einige freie Tage nehmen und die Zeit der Bildungsfreistellung lieber im Garten oder am Strand verbringen und schiebt die Teilnahme an einem Seminar lediglich vor, ist dies ein Grund für den Arbeitgeber eine fristlose Kündigung auszusprechen. Deshalb sollte das Seminar tatsächlich wahrgenommen und mit einem Zeugnis oder einer Bescheinigung bewiesen werden können.

Schlagwörter: Bildungsurlaub, Genehmigung Bildungsurlaub, Kosten Bildungsurlaub, Bildungsfreistellung


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