Arbeitszeugnis verlangen: gibt es eine Frist?

Autor: , verfasst am 23.02.2015, 07:46| 3 Kommentare

Arbeitgeber haben gemäß dem Arbeitsrecht das Recht, sich ihre betrieblichen Tätigkeiten schriftlich bestätigen zu lassen, und zwar in Form eines Arbeitszeugnisses. Grundsätzlich gilt dieses für alle Arbeitnehmer vom Auszubildenden bis hin zum leitenden Angestellten, also auch für Teilzeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte, Aushilfen sowie Praktikanten. Doch gibt es Fristen, innerhalb derer ein Arbeitszeugnis verlangt werden kann?

Arbeitszeugnis (© Eccolo - Fotolia)
Arbeitszeugnis
(© Eccolo - Fotolia)

Welche Fristen sind beim Verlangen von einem Arbeitszeugnis zu beachten?

Innerhalb welcher Frist ein Arbeitnehmer ein Arbeitszeugnis verlangen darf, ist davon abhängig, ob es sich dabei um ein einfaches Zeugnis oder ein Qualifiziertes Zeugnis handelt.

Ein einfaches Zeugnis beinhaltet die persönlichen Daten des Arbeitnehmers sowie die Art und Dauer der ausgeübten Tätigkeiten. Diese Beschreibungen haben so detailliert wie möglich zu erfolgen. Diese Art des Arbeitszeugnisses kann so lange verlangt werden, wie es Unterlagen über den betreffenden Arbeitnehmer im Betrieb gibt.

Das qualifizierte Zeugnis hingegen enthält neben den Angaben, die auch im einfachen Zeugnis enthalten sind, Angaben über die Leistung des Arbeitnehmers. Sobald eine Beurteilung der fachlichen Qualifikation möglich ist, was in der Regel nach einigen Wochen Betriebszugehörigkeit gegeben ist, hat ein Arbeitnehmer ein Recht auf ein qualifiziertes Zeugnis.

Für welches der Arbeitszeugnisse er sich jedoch entscheidet, steht ihm frei.

Zu beachten ist jedoch, dass der Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis verwirkt werden kann oder durch Fristen eingeschränkt ist, was beim Ausscheiden aus einem Betrieb unter Umständen von Bedeutung sein könnte. In vielen Arbeitsverträgen und/oder Tarifverträgen finden sich sogenannte Ausschlussfristen, wie beispielsweise: „Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis müssen innerhalb von sechs Wochen nach Fälligkeit schriftlich geltend gemacht werden; anderenfalls sind sie verwirkt.“ Dies bedeutet, dass ein Arbeitnehmer nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses genau sechs Wochen Zeit hat, ein Arbeitszeugnis schriftlich einzufordern. Versäumt er dies innerhalb der Frist, so hat er keinen Anspruch mehr auf Ausstellung eines Zeugnisses. Wenn der ehemalige Arbeitgeber also kein Interesse daran hat, seinem ausgeschiedenen Mitarbeiter dessen Tätigkeiten zu bescheinigen, so muss er dies auch nicht tun.

Wenn keine Ausschlussfristen vorhanden sind, kann man dann unbegrenzt lange ein Arbeitszeugnis einfordern?

Wenn weder der Arbeitsvertrag noch der Tarifvertrag Ausschlussfristen enthält, könnte der ausgeschiedene Arbeitnehmer theoretisch auch nach Jahren oder Jahrzehnten ein Arbeitszeugnis verlangen – vorausgesetzt, es sind noch Unterlagen über ihn im Betrieb vorhanden. Die Rechtsprechung ist jedoch dahingehend, dass ein qualifiziertes Arbeitszeugnis unmittelbar nach dem Ausscheiden aus einem Unternehmen einzufordern ist. Geschieht dies nicht, ist der Anspruch verwirkt – trotz fehlender Ausschlussfristen. Jedoch nicht sofort, denn die Gerichte lassen einem Arbeitnehmer in derartigen Fällen eine Zeitspanne zwischen sechs Monaten und drei Jahren, um ihren Anspruch geltend zu machen. Eine einheitliche Rechtsprechung gibt es diesbezüglich nicht; viel mehr ist die diesbezügliche Frist abhängig von individuellen Faktoren wie beispielsweise Dauer der Betriebszugehörigkeit oder Stellung im Betrieb.

Ab wann kann man ein Arbeitszeugnis verlangen?

Ein Zwischenzeugnis kann jederzeit verlangt werden, und zwar unabhängig davon, wie lange der Arbeitnehmer im Betrieb tätig ist. Zu beachten ist, dass in der Regel mit einer Ausstellung solange gewartet wird, bis eine objektive Beurteilung des Mitarbeiters möglich ist, was für gewöhnlich nach einigen Wochen gegeben ist.

Ein Arbeitszeugnis, welches aufgrund des Ausscheidens aus dem Betrieb verlangt wird, muss hingegen nicht erst am letzten Arbeitstag ausgehändigt werden – auch, wenn dies die landläufige Meinung ist. In dem Moment, in dem das Arbeitsverhältnis gekündigt wird, hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf sein Zeugnis. Dabei ist es unerheblich, welche Partei die Kündigung ausgesprochen hat.

Fazit: Es können Ausschlussfristen vorhanden sein, bei deren Ablauf der Arbeitnehmer keinen Anspruch mehr auf Ausstellung eines Arbeitszeugnisses hat. Auch, wenn es diese Klausel nicht gibt, sollte er dennoch seinen Zeugnisanspruch schnellstmöglich geltend machen.

Schlagwörter: Arbeitszeugnis, Arbeitsvertrag, Ausschlussfristen


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (3)

Neusucher  (08.10.2017 14:01 Uhr):
Zitat: "Ein Arbeitszeugnis, welches aufgrund des Ausscheidens aus dem Betrieb verlangt wird, muss hingegen nicht erst am letzten Arbeitstag ausgehändigt werden – auch, wenn dies die landläufige Meinung ist. In dem Moment, in dem das Arbeitsverhältnis gekündigt wird, hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf sein Zeugnis." Ich habe das meinem Arbeitgeber vorglegt und der behauptet das stimmt nicht. Habt Ihr nähere Infos da zu, dass ich direkt nach der Kündigung bereits einen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis habe und nicht erst am letzten Tag?
Anna  (18.08.2016 06:00 Uhr):
Hilfe! Ich habe nun mehrfach nach einem qualifizierten Arbeitszeugnis bei meinem alten Arbeitgeber angefragt (per Mail). immer wurde mir versprochen, dass die Zusendung in den nächsten Tagen erfolgt. Nichts kam. Ich bin nun seit einem Jahr nicht mehr in dem Unternehmen beschäftigt. ich brauche das Zeugnis nicht dringend, möchte es aber einfach für meine Unterlagen haben. Wie soll ich nun weiter vorgehen?
Olwanderer  (21.02.2016 18:56 Uhr):
Was kann ich machen wenn ich trotz Aufforderung das Zeugnis nicht erhalte. Ich war ein gutes halbes Jahr in der Firma beschäftigt und sehe den Rechtsanwalt als zu teuer dafür.





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