Darf man in Deutschland ein Kind von einer Leihmutter austragen lassen?

Autor: , verfasst am 31.08.2016, 10:20| 3 Kommentare

Zum ultimativen Familienglück gehören für viele Pärchen auch das eigene Kind bzw. die eigenen Kinder. Was ist jedoch, wenn eine Frau das Kind nicht selbst austragen kann, etwa wegen einer Gebärmuttererkrankung. Der Kinderwunsch stellt außerdem auch für schwule Paare oftmals ein großes Problem dar, wenn es zuvor keine kindererfüllten Beziehung zu einer Frau gab. Darf man deshalb in Deutschland in solchen oder ähnlichen Fällen ein Kind von einer Leihmutter austragen lassen?
 

Das Kind von einer Leihmutter austragen lassen (© Godfer - Fotolia.com)
Das Kind von einer Leihmutter austragen lassen
(© Godfer - Fotolia.com)

Was genau ist unter den Begriffen „Leihmutter“ und  „Leihmutterschaft“ zu verstehen?

Man versteht ganz allgemein unter Leihmutter eine Frau, die ein Kind für eine andere Frau austrägt. Das neugeborene Kind verbleibt also gerade nicht bei der Frau, die es ausgetragen hat. Dabei wird zwischen zwei Arten von Leihmüttern unterschieden:

  • Die sog. partielle Leimutter
    trägt das Kind eines fremden Paares in ihrer Gebärmutter aus. Dazu wird eine Eizelle der Frau entnommen und in einem Reagenzglas mit dem Sperma ihres Partners befruchtet. Die befruchtete Eizelle, also der Embryo, wird sodann in die Gebärmutter der Leihmutter eingebracht. Die partielle Leihmutter ist somit nicht die leibliche Mutter des Kindes.
     
  • Die sog. volle Leihmutter
    wird demgegenüber entweder durch eine Samenübertragung oder durch Geschlechtsverkehr mit dem Samen befruchtet. Die volle Leimutter ist demnach im Unterschied zur partiellen Leimutter die leibliche Mutter des Kindes, die genetische Mutter, also die, die das Kind erziehen wird, ist hingegen lediglich die soziale Mutter.
     

In der Rechtswissenschaft wird die Leihmutter als Ersatzmutter bezeichnet und in § 13a AdVermiG [Adoptionsvermittlungsgesetz] legaldefiniert. Danach ist Ersatzmutter eine Frau, die aufgrund einer Vereinbarung bereit ist, sich einer künstlichen oder natürlichen Befruchtung zu unterziehen oder einen nicht von ihr stammenden Embryo auf sich übertragen zu lassen oder sonst auszutragen und das Kind nach der Geburt Dritten zur Annahme als Kinder oder zur sonstigen Aufnahme auf Dauer zu überlassen.

In der Medizin besteht eine Leihmutterschaft hingegen immer dann, wenn die Leihmutter mit dem Kind genetisch nicht verwandt ist, es sich also um eine partielle Leimutter handelt. Man nennt dieses Vorgehen der künstlichen Befruchtung „In-vitro-Fertilisation“ (IVF). In der Medizin wird zwischen verschiedenen Modellen einer Leihmutterschaft unterschieden:

  • Eine sog. homologene IVF liegt vor, wenn sowohl Eizelle als auch Samenzelle von den Eltern stammen.
  • Eine sog. einseitige heterologe IVF liegt hingegen vor, wenn entweder Eizelle oder Samenzelle von einer fremden Eizellenspenderin bzw. einem fremden Samenspender stammen.
  • Eine sog. beidseitige heterologe IVF liegt dementsprechend vor, wenn sowohl Ei- als auch Samenzelle von Fremdspendern stammen, die genetische Elternschaft also vollständig aufgehoben ist.
     

Die Rechtslage in Deutschland

Regelungen zur Leihmutterschaft finden sich insbesondere im Adoptionsvermittlungsgesetz und im Embryonenschutzgesetz:

  • Nach § 1 ESchG ist zudem Ärzten untersagt, Leihmutterschaften zu betreuen. Sie riskieren eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.
     
  • Nach § 13c AdVermiG ist die Ersatzmuttervermittlung untersagt. Nach § 13b AdVermiG meint Ersatzmuttervermittlung das Zusammenführen von Personen, die das aus einer Ersatzmutterschaft entstandene Kind annehmen oder in sonstiger Weise auf Dauer bei sich aufnehmen wollen (Bestelleltern), mit einer Frau, die zur Übernahme einer Ersatzmutterschaft bereit ist. Ersatzmuttervermittlung ist auch der Nachweis der Gelegenheit zu einer in § 13a AdVermiG bezeichneten Vereinbarung.
    Nach § 14 b AdVermiG wird der Ersatzmuttervermittler mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft (Absatz 1) oder, sollte er dabei einen Vermögensvorteil erhalten oder sich versprechen lassen, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Handelt der Täter gewerbs- oder geschäftsmäßig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe (Absatz 2). Nach Absatz 3 werden die Ersatzmutter und die Bestelleltern jedoch nicht bestraft.
     

Fazit

Die Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten und stellt deshalb eine Straftat dar.

Wird dennoch eine Leihmutterschaft durchgeführt, müssen lediglich die betreuenden Ärzte sowie die eingeschalteten Ersatzmuttervermittler mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Ersatzmutter und die Bestelleltern bleiben nämlich straffrei.

Eine legale Alternative stellt nach wie vor also die Adoption dar.

Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Leihmutter, Ersatzmutter, Leihmutterschaft, Adoptionsvermittlungsgesetz, AdVermiG, Embryonenschutzgesetz, ESchG, Arzt, Verbot, Straftat, Bestelleltern, In-vitro-Fertilisation, IVF, Adoption


Nachrichten zum Thema
  • BildFür Auftraggeber einer kommerziellen Leihmutter gilt kein Elternrecht (21.04.2017, 10:22)
    Braunschweig (jur). Kommerzielle Leihmutterschaft verstößt gegen wesentliche Grundsätze des deutschen Rechts. Die Auftraggeber sind daher in Deutschland nicht als rechtliche Eltern anzuerkennen, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig...
  • Bild2 ½ jähriges Kind darf in Deutschland bleiben (28.06.2013, 10:09)
    Ein im Dezember 2010 geborenes Mädchen, das die Mutter im August 2012 von Sizilien nach Deutschland verbracht hat, muss nicht nach den Vorschriften des Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung vom...
  • BildVaterschaftsanerkennung bei lediger indischer Leihmutter (29.05.2013, 09:57)
    Düsseldorf (jur). Wird ein Mann leiblicher Vater eines bei einer ledigen indischen Leihmutter ausgetragenen Kindes, kann er auch die rechtliche Vaterschaft für sich beanspruchen. Entscheidend ist, dass zum Zeitpunkt der Geburt die Leihmutter...
  • BildKeine Einreise für Kind einer ukrainischen Leihmutter (11.09.2012, 09:50)
    Berlin (jur). Engagieren deutsche Paare eine ukrainische Leihmutter zum Austragen ihres Kindes, erhält später das Neugeborene keinen deutschen Reisepass. Auch wenn das Kind genetisch mit den deutschen Eltern verwandt ist, gilt nach deutschem Recht...
  • BildVG: Abschiebung in die Türkei wenn Ehefrau und Kind in Deutschland sind ist zulässig (20.07.2005, 09:19)
    Das Verwaltungsgericht Göttingen hat heute den Antrag des Ahmet Fidan - auch bekannt unter dem Namen Saado - abgelehnt, mit dem dieser vorläufigen gerichtlichen Rechtsschutz gegen seine Abschiebung in die Türkei begehrt hat. Der Antragsteller, der...

Kommentar schreiben

39 - Z/we,i =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.
* Pflichtfeld

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (3)

Lola  (07.08.2017 07:09 Uhr):
Die Ukraine ist bloß ein Dorado für die überreifen Damen, die Eizellspende in Anspruch nehmen (nicht nachvollziehbar aber wozu???), und für die unverschämten unfruchtbaren Paare, die um ihrer Kinderwunscherfüllung willen, zu jeder Schandtat (hier meine ich die Ersatzmutterschaft) bereit sind.
cantueso  (17.03.2017 10:06 Uhr):
Unser Weg zum Wunschkind war auch recht hart und steinig. Zahlreiche erfolglose Behandlungen in Deutschland, zwei gescheiterten Versuche von der Eizellspende in Tschechien, dann eine schwer uns fallende Entscheidung für die Leihmutterschaft in der Ukraine. Hoffentlich zeitigt bloß dies ein positives Ergebnis, da es schon unerträglich ist in ständiger Quälerei der Kinderlosigkeit leben zu müssen…
merle  (05.09.2016 11:46 Uhr):
Menschen mögen Verschiedenes über die Leihmutterschaft sagen, aber für diejenigen, die eigene Kinder selbst austragen und zur Welt bringen nicht können, ist dieses Verfahren oft letzte Hoffnung und Möglichkeit. Und es war genau unser Fall. Nämlich durch ukrainische Leihmutterschaft waren wir zum Kind verholfen. Ich bin also sehr froh, dass so ein Verfahren heutzutage existiert und dass wir darauf zugreifen konnten. Sofern dies nicht der Fall gewesen war, hätten wir kein Elternglück erlebt…





Anwalt für Adoptionsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.