Maßregelvollzug: niedrige Rückfallquoten auch in Zukunft sicherstellen

02.07.2015, 13:53 | Kanzleinews & Personalia |1 Kommentar


Maßregelvollzug: niedrige Rückfallquoten auch in Zukunft sicherstellen
Menschen, die aufgrund einer akuten psychischen Erkrankung straffällig geworden sind, werden im Maßregelvollzug psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelt. In der Öffentlichkeit gelten sie auch nach ihrer Entlassung als unberechenbar und gefährlich. Dabei ist die Rückfallquote erheblich niedriger als im Strafvollzug. Um psychisch kranke Straftäter auch in Zukunft erfolgreich behandeln und sichern zu können, braucht es jedoch ausreichend Nachwuchskräfte in der forensischen Psychiatrie. Im Rahmen ihrer dritten Summer School bietet die DGPPN deshalb heute und morgen rund 40 Medizinstudierenden am LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie in Lippstadt einen spannenden Einblick in das Fachgebiet.

Das Fach Psychiatrie und Psychotherapie nimmt unter den medizinischen Disziplinen eine Sonderstellung ein. Neben seinem Heilauftrag übernimmt es für die Gesellschaft auch eine ordnungspolitische Aufgabe: In den Kliniken des Maßregelvollzugs werden in Deutschland aktuell mehr als 10.000 Menschen behandelt, die infolge einer schweren psychischen Störung oder Suchtkrankheit straffällig geworden sind. „Der Auftrag der Forensischen Psychiatrie liegt darin, die Patienten durch differenzierte Behandlungsangebote wieder zu einem straffreien eigenverantwortlichen Leben in Freiheit zu verhelfen. Die Voraussetzungen dazu sind im Strafgesetzbuch geregelt. Voll schuldfähige Straftäter verbüßen ihre Strafe hingegen in Justizvollzugsanstalten“, erklärt DGPPN-Vorstandsmitglied Dr. Nahlah Saimeh, die als Klinikdirektorin durch die Summer School führt.

Die Forensische Psychiatrie erfüllt diesen Auftrag ausgesprochen gut. Nur 5 von 100 behandelten und entlassenen schizophrenen Patienten – der größten Patientengruppe im Maßregelvollzug – werden wieder straffällig. Auch die Rückfallquote der Sexualstraftäter hat sich in den vergangenen Jahren dank spezialisierter Behandlungs- und Nachsorgeangebote deutlich reduziert. Straftaten aus einer forensischen Behandlung heraus sind heute ausgesprochen selten. In den letzten 15 Jahren haben sich diese auf wenige Einzelfälle verringert, auch wenn diese zum Teil schwerwiegend waren. 99,99 Prozent der begleiteten und unbegleiteten Ausgänge verlaufen ohne jegliche Unregelmäßigkeiten. Auch die Kriminalpolitik hat den Nutzen therapeutischer Angebote für Straftäter erkannt und setzt im Strafvollzug ebenfalls zunehmend auf Behandlung mit dem Ziel, die Gesellschaft vor Rückfallstraftaten zu schützen.

„Um die Behandlungsstandards an den Kliniken des Maßregelvollzugs und in der ambulanten Nachbetreuung noch weiter zu verbessern, benötigen wir ausreichend Nachwuchskräfte. Der Ärztemangel macht auch vor der forensischen Psychiatrie nicht Halt. Mit der zweitägigen Summer School wollen wir interessierten Medizinstudierenden und jungen Ärzten die Gelegenheit bieten, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Nach einem Einführungstag mit den juristischen und forensisch-psychiatrischen Grundlagen folgt am zweiten Tag ein Praxisteil, in dem die Teilnehmer die Klinik kennenlernen, Gespräche mit Patienten führen und Übungsaufgaben absolvieren“, so Dr. Nahlah Saimeh weiter.

Die Summer School der DGPPN findet nunmehr zum dritten Mal statt. Sie richtet sich an Medizinstudierende und Assistenzärzte, aber auch an junge Fachärzte aus der Allgemeinpsychiatrie, die fachübergreifend eine fundierte theoretische und praktische Einführung sowie einen Überblick über Evidenz und wissenschaftlichen Forschungsstand in der forensischen Psychiatrie suchen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Symbolgrafik: © Spotmatikphoto - Fotolia.com


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Pelor  (02.07.2015 18:05 Uhr):
Dr. med. Peter Lorenz: Wer diesem Summer School-Angebot auf den Leim geht und sich für die Laufbahn „forensische Therapie (Maßregelvollzug)“ entscheidet, wird in Zukunft Anpassungsstö­rungen mit Kriminalisierung, Wegsperren, Zwangstherapie, und sinnlosem Stress durch schikanöse „Lockerungsübungen“ „therapieren“ wollen. Haupttäter ist die Justiz, ihre Komplizen sind die be­handelnden forensischen Mediziner(innen), die von der Justiz – wie praktisch – anlässlich der jähr­lichen „Anhörungen“ zu Gutachtern bestellt werden und die gewünschte Gefährlichkeit der Betrof­fenen im Falle der Bewährung bescheinigen. Der Maßregelvollzug ist ein Relikt aus der Nazizeit, die Verurteilungen gemäß §63 StGB sind Bekenntnisse zum Nationalsozialismus.



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