Zinsen

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Erklärung zum Begriff Zinsen

Als „Zinsen“ wir das Entgelt bezeichnet, welches ein Schuldner einem Gläubiger dafür zahlt, dass dieser ihm Kapital geliehen hat. Um die Höhe der jeweils individuellen Zinsen bestimmen zu können, wird ein Zinssatz festgelegt. Dieser wird immer in Prozent pro Intervall, meistens pro Jahr (per anno = p. a.) angegeben. Mithilfe des Zinssatzes wird ein Zinsbetrag errechnet, welcher als der konkrete Geldbetrag zu verstehen ist, der sich bei Kreditzinsen aus der Höhe des Kapitals und des vereinbarten Zinssatzes ergibt. Hat sich ein Gläubiger beispielsweise 1000,- € zu einem vereinbarten Zinssatz von 5% p. a. geliehen, so liegt der Zinsbetrag bei 50,- € p. a. Diesen Betrag hat er zusätzlich zu der vereinbarten Rückzahlungssumme pro Jahr zu entrichten.

Im umgekehrten Fall aber, nämlich wenn ein Bankkunde Geld bei einem Kreditinstitut anlegt, erhält er von diesem Zinsen auf den Anlegebetrag. Dabei können auch sogenannte Zinseszinsen entstehen. Als Zinsenzins wird ein Zins verstanden, welcher auf kapitalisierte, also dem Kapital zugeschriebenen,  Zinsen vergangener Berechnungsperioden berechnet wird. Auf das Kapital werden somit fällige Zinsen aufgeschlagen, und die Summe aus dem Kapital inklusive dieser Zinsen ergibt dann die Berechnungsgrundlage für den Zinseszins.

In welcher Höhe die Zinsen liegen, wird Grundsätzlich von den Kreditinstituten selbst bestimmt. In der Praxis ist es aber gewöhnlicher Weise so, dass Zinsen für einen geliehenen Betrag deutlich höher sind als solche, die ein Sparer für das Ablegen seines Kapitals erhält.

Zinsen – Arten

Es wird zwischen zwei verschiedenen Arten von Zinsen unterschieden:

  • Zinsen auf Geldkapital
  • Zinsen auf Sachkapital

Als „Geldmarktzins“ wird jener Zinssatz bezeichnet, welcher für die Bargeldaufnahme auf dem Geldmarkt Gültigkeit hat. Dieser ist insbesondere beim Verkehr von Kreditinstituten untereinander von Bedeutung, aber auch beim Verkehr zwischen Kreditinstituten und der Zentralbank (Leitzins).

Auch bei Geldanlagen ist der Geldmarktzins von Bedeutung: legt ein Sparer Kapital bei einem Kreditinstitut fest, so hat ihm dieses für die vereinbarte Dauer der betreffenden Geldanlage Zinsen auf sein Kapital zu zahlen.

Davon zu differenzieren sind Zinsen auf Sachkapital. Diese sind beispielsweise zu entrichten für die Überlassung von Grundstücken mit Hilfe eines Pachtvertrags: durch Zahlung des Pachtzinses ist der Pächter nicht nur dazu berechtigt, das betreffende Grundstück zu nutzen und zu bewirtschaften, sondern auch die dabei entstandenen Früchte zu behalten.

Der Mietzins wird entrichtet für die Nutzung von Immobilien, aber auch für Mietwagen, Werkzeugen etc.

Zinsen – Funktionen des Zinses

Der Zins an sich ist aber nicht nur als Entgelt für gemietetes Kapital oder für gemietete Sachgegenstände anzusehen, sondern hat verschiedene weitere Funktionen inne:

  • Vergütung des Rückzahlungsrisikos (Risikoprämie)
  • Pauschalierung von Schadenersatz (Verzugszins)
  • Ausgleich für den Kaufkraftverlust des Kreditbetrags bei Inflation (Inflationsausgleich)

Auch wird davon ausgegangen, dass der Gläubiger sein Kapital selbst gewinnbringend hätte einsetzen können, wenn er es nicht verliehen hätte. Um den ihm theoretisch entgangenen Gewinnverlust etwas angenehmer zu gestalten, darf er als Entschädigung Zinsen verlangen. Die ihm entgangenen Gewinne werden dabei als Kosten angesehen und als „Opportunitätskosten“ bezeichnet. Auch die theoretische Annahme, der Gläubiger habe auf Konsum verzichten müssen, da sein Geld verliehen worden ist, begründen diese Opportunitätskosten.

Zinsen – Rechtslage

Für den Begriff „Zinsen“ bietet das Bürgerliche Gesetzbuch keine Legaldefinition; vielmehr wird er dort in verschiedenen Stellen als bekannt angenommen.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00


 
 

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Nachrichten zu Zinsen


Entscheidungen zum Begriff Zinsen

  • BildNIEDERSAECHSISCHES-FG, 15.07.2004, 10 K 654/98
    Zur Steuerpflicht von Zinsen aus Lebensversicherungen.
  • BildNIEDERSAECHSISCHES-FG, 04.03.2003, 11 K 262/02
    § 73 AO ermöglicht keine Inanspruchnahme für rückständige Zinsen des Organträgers.
  • BildOLG-FRANKFURT, 09.06.2000, 24 U 125/98
    Keine Zinsen auf überhöhte Abschlagszahlungen; vorzeitige Erfüllung betagter Verbindlichkeiten.
  • BildVG-GELSENKIRCHEN, 06.09.2007, 13 K 459/05
    Ein Zinsfuß von 7,5 % beim Ansatz der kalkulatorischen Zinsen für das Veranlagungsjahr 2004 erscheint überhöht.
  • BildLAG-BERLIN-BRANDENBURG, 15.06.2012, 10 Sa 587/12
    Zinsen entstehen jeweils für das einzelne Jahr. Von der Verjährung muss jedes Jahr gesondert erfasst werden.
  • BildNIEDERSAECHSISCHES-FG, 16.05.2012, 3 K 42/11
    Zum Sonderbetriebsvermögen eines ausländischen Kommanditisten bei einer inländischen Personengesellschaft und zur Besteuerung von Zinsen aus Drittstaaten nach den Doppelbesteuerungsabkommen.
  • BildAG-LUENEBURG, 25.09.2002, 50 C 82/02
    Kein Rechtsschutzbedürfnis für Entscheidung auf Feststellung der Erledigung, wenn zuvor die Hauptforderung einschließlich Zinsen und Kosten vollständig beglichen wurde.
  • BildKAMMERGERICHT-BERLIN, 10.12.2002, 1 W 288/02
    Wegen der grundsätzlichen Bindung an Eintragungsersuchen darf das Grundbuchamt ein Eintragungsersuchen des Zwangsversteigerungsgerichts betreffend die Eintragung einer Sicherungshypothek gemäß §§ 128, 130 ZVG nebst Zinsen in bestimmter Höhe nicht mit der Begründung beanstanden, die Eintragung der Zinsen sei überflüssig, weil es sich um...
  • BildBGH, 07.02.2013, VII ZB 2/12
    Der in einem Urteil enthaltene Zinsausspruch "8 % Zinsen über dem Basiszinssatz" ist vom Gerichtsvollzieher regelmäßig dahingehend auszulegen, dass Zinsen in Höhe von acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz tituliert sind.
  • BildOLG-KOELN, 13.12.2010, 2 Wx 199/10
    Bei der Errechnung des Mindesbetrages einer Zwangssicherungshypothek sind Zinsen nur zu berücksichtigen, wenn sie in kapitalisierter Form tituliert sind. Dass der Gläubiger im Vollstreckungsverfahren einen Kapitalbetrag der aufgelaufenen Zinsen errechnet, genügt nicht.

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