Zahnarzthaftung

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Erklärung zum Begriff Zahnarzthaftung

Die Zahnarzthaftung ist gesetzlich die zivilrechtliche Verantwortlichkeit des Arztes bei Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflichten.

Mit dem Dienstvertrag den der Patient mit dem Zahnarzt abschließt, hat er nicht etwa den Erfolg einer Heilung vertraglich gesichert, sondern vielmehr schuldet der Zahnarzt ihm fachgerechte Bemühungen, die das Ziel haben, ihn zu heilen oder zumindest die Beschwerden zu lindern. Erfüllt der behandelnde Arzt diese Anforderungen nicht, verletzt er seine Sorgfaltspflicht, ist er verpflichtet, Schadenersatz zu leisten. Gleichzeitig kann der Arzt auch nach § 823 BGB wegen einer unerlaubten Handlung, der Verletzung der körperlichen Integrität seines Patienten, haftbar gemacht werden. Die Zahl der möglichen Fehler und Verstöße ist groß. Zur Vereinfachung wurden sie in vier Gruppen geteilt. Da sind die Behandlungsfehler, die Dokumentationsfehler, die Aufklärungsversäumnisse und alle sonstigen Pflichtverstöße.

Durchsetzung von Ansprüchen

In aller Regel wird der Patient oder sein Anwalt mit dem Zahnarzt verhandeln, im Verlauf mit seiner Haftpflichtversicherung. Im Falle einer negativen Antwort hat der Patient nun die Möglichkeit, ein kostenfreies Verfahren über die jeweils zuständige Landezahnärztekammer anzustrengen. Dabei wird ein Gutachter beauftragt, der die Vorwürfe überprüft. Allerdings muss der Zahnarzt dem Schlichtungsverfahren, um das es sich hier handelt, zustimmen, die Einschätzung der Schlichtungsstelle ist nicht bindend. Für Mitglieder der GKV besteht zudem die Möglichkeit, einen durch Krankenkasse und kassenärztlicher Vereinigung beauftragten Gutachter in Anspruch zu nehmen. Der letzte Weg ist die Zivilklage. Die meisten Landgerichte, die ab einem Streitwert von 5.000 Euro zuständig sind, haben für das Spezialgebiet des Arzthaftungsrechts besondere Kammern gebildet.

Beweislast in der Zahnarzthaftung

Die Last des Beweises liegt in aller Regel beim Patienten. Es wird nicht genügen, festzustellen, dass die Therapie fehlgeschlagen ist. Ärztliche Gutachten sind notwendig. Im Falle eines groben Behandlungsfehlers, den der Patient nachzuweisen in der Lage ist, kommt es zur Umkehr der Beweislast. Manchmal greift der Anscheinsbeweis, der kausal auf das Verschulden des Zahnarztes schließen lässt.




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Entscheidungen zum Begriff Zahnarzthaftung

  • BildOLG-FRANKFURT, 07.08.2007, 8 U 108/05
    Zahnarzthaftung/Implantat: Einzeitiges Vorgehen, d. h. Entfernung eines Zahnes und sogleich Implantatsetzung im Einzelfall behandlungsfehlerhaft wegen persistierender Infektion, 5.000 ¤ Schmerzensgeld, zwei Folgeoperationen, über fünf Monate erhebliche Einschränkung in der Lebensführung.
  • BildOLG-FRANKFURT, 06.01.2009, 8 U 31/07
    1. Zur Fehlerhaftigkeit einer nicht mehr rekonstruierbaren Überkronung (Zahnarzthaftung). 2. 2.500 ¤ Schmerzensgeld; mehrmalige untaugliche Anpassungsversuche; Nachbehandlung erforderlich; keine außerordentlichen Beeinträchtigungen (Schmerzen; Probleme bei der Nahrungsaufnahme); Klägerin hat acht Monate gewartet, bis sie eine...
  • BildOLG-OLDENBURG, 17.02.2010, 5 U 156/09
    4.000 € Schmerzensgeld wegen fehlerhaften Setzens zweier Zahnimplantate, die wieder entfernt werden müssen.

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