Werbungskosten

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Erklärung zum Begriff Werbungskosten

Der Begriff 'Werbungskosten' beschreibt steuerlich absetzbare Ausgaben und Aufwendungen, die sich aus sogenannten Überschusseinkünften generieren. Um die Einkünfte berechnen zu können, aus der die Steuerlast ermittelt wird, werden diese Werbungskosten von den Einnahmen abgezogen.

Ihre Existenz verdanken die steuerlichen Werbungskosten dem Leistungsfähigkeitsprinzip, nach dem jeder dazu beitragen soll, die staatlichen Leistungen mitzufinanzieren, und zwar genau in dem Maß, wie es seine persönliche, ökonomische Leistungsfähigkeit gestattet. Der Abzug der Werbungskosten stellt als ein Zeichen des sogenannten objektiven Nettoprinzips keineswegs eine Steuervergünstigung dar, sondern folgt einfach dem Prinzip, dass nicht das Bruttoeinkommen zu besteuern ist, sondern das verfügbare Nettoeinkommen.

Um die Steuerberechnung zu simplifizieren, wendet die Finanzbehörde den Werbungskostenpauschbetrag an. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein bestimmter Anteil der Einnahmen regelmäßig auch für eben die Kosten der 'Werbung' aufgewendet wird. So wurde auch in 2017 eine pauschale Summe von 1000 Euro angesetzt. Dieser Pauschbetrag wird bereits von der Lohnsteuer abgezogen. So wird also in der Steuerabrechnung bei der Einkünfteermittlung nur ein Betrag an Werbungskosten, der höher ist als 1000 Euro, einen Einfluss zeigen. 

 

Kurze Historie der Werbungkosten

Die Werbungskosten sind wesentlicher Bestandteil der Lohnsteuer. Die Lohnsteuer fand ihre Anfänge in der katholischen Kirche des Mittelalters mit dem sogenannten 'decimae personalis' dem 'kirchlichen Personalzehnten'. Im 17. Jahrhundert führte man in Friesland den Kopfschatz ein.

'solchergestalt hat man [im 17. Jh. in Ostfriesland] bald eine grund- und viehschatzung, ... bald den kopfschatz (welcher damahls die capital-schatzung genennet wurde), bald eine personelle schatzung eingefuͤhret' - 1781 HistBeitrPreuß. I 167

In Preußen war es Karl-August Fürst von Hardenberg, der eine Klassensteuer konstituierte. 1891 ist es der Finanzminister Johannes von Miquel, der eine progressive Einheits-Einkommensteuer einführt. Die Weimarer Republik brachte die Reichseinkommensteuer, 1925 wurde die Lohnsteuerkarte eingeführt, 1934 kamen die Lohnsteuerklassen hinzu. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Kontrollratsgesetze und die Währungsreform konstituiert. Es gab Streit darum, wem die Steuereinnahmen zustünden, den Bund oder den Ländern.

1955 änderte man die Verfassung dahingehend, dass die Einkommensteuer nunmehr eine Gemeinschaftssteuer genannt wurde, so beschrieben in Artikel 106 Absatz 3 GG des deutschen Grundgesetzes. Das Einkommenssteuerreformgesetz von 1974 gestaltete unter anderem den Sonderausgabenabzug komplett neu. Im Jahre 1990 versuchte man den entstandenen 'Mittelstandsbauch' durch die Umgestaltung zum 'linear-progressiven Tarif zu bekämpfen. 1996 wurde das Existenzminimum dem Grundfreibetrag angeglichen, neu auch eine sogenannte 'Günstigerprüfung' zwischen Kindergeld und Kinderfreibetrag.

 

Was sind Werbungskosten?

Was bei den Gewinneinkünften beispielsweise aus einem Gewerbebetrieb die Betriebsausgaben sind, sind die Werbungskosten bei den Überschusseinkünften. Überschusseinkünfte sind regelmäßig Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Einkünfte aus Kapitalvermögen, Einkünfte aus nicht-selbstständiger Arbeit. Weiter gibt es noch die sonstigen Einkünfte. Definiert findet sich dies in den §§ 19 bis 22 EStG des Einkommensteuergesetzes. Im § 9 EStG des Einkommensteuergesetzes heißt es:

„Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Sie sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie erwachsen sind.“

 

Beispiele für Werbungskosten

Theoretisch wird ein Gegenstand zum Arbeitsmittel im steuerlichen Sinne, wenn er vorwiegend, überwiegend für beruflichen Zwecke angeschafft wurde und in diesem Bezug auch benutzt wird. Das könnte eine Aktentasche, Fachliteratur oder der PC sein. Das Arbeitszimmer daheim, bis vor kurzer Zeit noch sozusagen eine Steueroase, hat in diesem Sinne ausgedient. Abzusetzen sind hier nur noch Kosten, wenn das Arbeitszimmer tatsächlich für berufliche, betriebliche Arbeit genutzt werden muss, weil kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist. Dann kann ein Betrag von 1250 Euro geltend gemacht werden. Ist der Arbeitsraum jedoch das Zentrum der Tätigkeit, kann alles abgesetzt werden.

Auch die Kosten für eine zweite Ausbildung sind abzusetzen, wenn ein Jahr in Vollzeit eine Erstausbildung absolviert wurde. Die Kosten, die für die erste Ausbildung entstehen, können mit 6000 Euro im Jahr einfließen, unbegrenzt werden sie angerechnet, wenn eine weitere Berufsausbildung angegangen wird, wenn ein weiteres Studium begonnen wird. Was die Kleidung angeht, werden herkömmliche Kleidungsstücke, die man also auch im Alltag tragen wird, nicht zu den Kosten zählen, die absetzbar sind. Geltend gemacht werden können lediglich Robe und Barett eines Richters, Arztmantel, Operationshose, Sicherheitsschuhe, Blaumann, Arbeitskittel, Uniform, die Amtstracht eines Geistlichen. Von der Steuer abgesetzt, in die Werbungskosten hinein fließen auch Beiträge zu Berufsverbänden, beispielsweise die Ärztekammer oder die Anwaltskammer. Alle Finanzen, die für eine Bewerbung aufgewendet werden, Kosten für Fotokopien, Porto, Telefon, nicht vom Arbeitgeber bezahlte Reisen zu Vorstellungsgesprächen. Diese Posten können in der Steuererklärung auftauchen. Promotions- und Habilitationskosten werden übernommen, sind sie beruflich von Nöten.

Eine doppelte Haushaltsführung aus beruflichen Gründen ist als Aufwendung abzusetzen. Dabei geht es nicht nur um die Kosten der Zweitwohnung, sondern auch um Verpflegungsmehraufwendungen während der ersten drei Monate nach dem Umzug und die Umzugskosten. Was die Fahrten von und zur Arbeit angeht, kann hier eine Pauschale von 0,30 Euro pro Kilometer geltend gemacht werden, wenn man mehr aufwendet, sind die entsprechenden Belege vorzulegen. Begrenzt ist diese Pauschale, die Entfernungspauschale, auf grundsätzlich 4500 Euro im Jahr. Wenn eine Feier mit Kollegen, Geschäftsfreunden, Vorgesetzten abgehalten wird, das Fest zumindest in Teilen beruflich veranlasst war, kann es als Teil der Werbungskosten angegeben werden. Dass dies sich tatsächlich so verhält, beweist das steuerzahlerfreundliche BFH-Urteil vom 20. Januar 2016, Az. VI R 24/15.

Nahezu jedwede Art von Fortbildung, Bildungsmaßnahmen, Seminare, Lehrgänge, Tagungen sind steuerlich absetzbar. Busführerscheine und LKW-Führerscheine sind generell von der Steuer abzusetzen, ein Führerschein für einen PKW dagegen wird immer zu den Privatkosten zählen. Das gilt auch dann, wenn das Auto unentbehrlich ist, um zur Arbeit zu gelangen. Auch eine Kreditkarte, also die Führungsgebühren, können anteilig abgesetzt werden, dasselbe gilt für die Kontoführungsgebühren auf einem Girokonto, auf dem regelmäßig geschäftliche Transaktionen verbucht werden.

Entstehen berufsbedingterweise Rechtsanwaltskosten, Beratungskosten, Rechtsverfolgungskosten, Prozesskosten zum Beispiel für eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht, sind diese zu den Werbungskosten zu zählen, mithin von den Einkünften abzuziehen. Es ist möglich Reisekosten abzusetzen. Jede Fahrt, Übernachtung, auch der Proviant, das Essen als auch die sogenannte Verpflegungsmehraufwendung kann abgesetzt werden, wenn der Lohnsteuerzahler zu einem Seminar, einer Tagung, einem Kunden- oder Messebesuch unterwegs ist. Es werden also regelmäßig Übernachtungskosten, Fahrtkosten und Reisenebenkosten vom Finanzamt übernommen, will meinen, sie sind in den Werbungskosten aufzuführen, um sie ersetzt zu bekommen.  

 

Abgrenzung

Selbstverständlich scheint, dass beruflich entstandene Kosten auch von der Lohnsteuer abzuziehen sein müssen. Doch hier kommt eine relative, eine subjektive Betrachtung der Sache ins Spiel. Denn ein schwarzer Frack ist in dem einen Fall für einen Kellner ganz bestimmt ein Stück Arbeitskleidung. Für den Besucher eines Theaters hingegen ist es eindeutig private Abendgarderobe. Darum gilt, wenn Kleidung auch nur ein wenig einer 'gemischten Aufwendung' gleichkommt, dann kann sie grundsätzlich nicht abgesetzt werden.




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