Vorwurf Körperverletzung gegen Ex-Freundin

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Vorwurf Körperverletzung gegen Ex-Freundin


Wenn frisch getrennte Partner sich begegnen, kommt es sehr häufig zu Handgreiflichkeiten. Schnell werden dann die Fragen nach strafrechtlich relevanten Handlungen aufgeworfen. Der typische Handlungsverlauf ist folgender. Man trifft sich – zufällig, oder auch verabredet – zu einer Aussprache. Vielleicht möchten die Beteiligten Ex-Partner die Vergangenheit befrieden, vielleicht macht sich aber auch einer der beiden noch Hoffnungen auf eine Rettung der Beziehung. Dann läuft das Ganze aus dem Ruder. Am Ende der ganzen Szenerie sind dann ganz schnell die Straftatbestände der Körperverletzung (§ 223 StGB), oft auch die Qualifizierungstatbestände der gefährlichen oder schweren Körperverletzung (§§ 224, 226 StGB) Thema. Aber der Reihe nach.

Gehen wir einmal einem typischen Handlungsverlauf nach. Ein Paar hat sich kürzlich getrennt. Da frische Emotionen, frische Verletzungen im Spiel sind, ist die Hemmschwelle zu Handgreiflichkeiten erheblich herab gesetzt. Wenn zum Beispiel die Ex-Freundin dem Verflossenen eine Halskette geschenkt hatte und sie diese nun meint, zurück fordern zu können, sollte diese Forderung nicht mit dem Griff an den Hals des beschenkten Ex-Partners durchgesetzt werden, und schon gar nicht durch ein Reißen an der Kette. Wenn es dann nämlich z.B. von Seiten des Mannes, an dessen Halskette gegriffen wurde, zu einem Faustschlag kommt, sind gleich mehrere juristische Problemfelder eröffnet. So wird bei Kenntnis der Ermittlungsbehörden (Polizei oder Staatsanwaltschaft) ein Verfahren gegen den Täter wegen Verdacht auf Körperverletzung (§ 223 StGB), bei schwerer Tatbegehung oder Tatfolgen wegen gefährlicher (§ 224 StGB) oder sogar schwerer Körperverletzung (§ 226 StGB) eingeleitet.

Liegt nun eine Tat nach den §§ 224, 226 StGB vor, wird die Körperverletzung auch ohne Strafantrag verfolgt, d.h. das Opfer hat es auch gar nicht mehr in der Hand, ob das Verfahren gegen den Täter geführt wird. Nun zu den Folgen der Strafverfolgung, dem sogenannten Strafmaß. Schon die einfache Körperverletzung nach § 223 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft. Oder mit Geldstrafe, je nach Schwere der Tat. Je gravierender die Tatfolgen (siehe § 226 StGB) und je gewalttätiger die Handlung (siehe § 224 StGB), desto schwerer wird die Strafe ausfallen. Und was ist mit einer Rechtfertigung der Tat wegen Notwehr? Schließlich ist doch dem Mann zunächst an der Halskette gerissen worden. Nun, dies ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Wenn einem kräftigen Mann durch eine Frau an der Halskette gerissen wird, ist ein Verletzen der Frau durch einen Faustschlag in der Regel keine Handlung, die von dem Rechtfertigungsgrund der Notwehr (§ 32 StGB) gedeckt ist. Es hätten dann nämlich durch den Mann zunächst Handlungen ergriffen werden müssen, die weniger gravierend sind und zu keinen oder geringeren Verletzungen bei der Frau geführt hätten.

Wichtig ist hier eine frühzeitige Beratung in strafrechtlicher Hinsicht. Erfahrungsgemäß werden in den ersten Minuten der Ermittlungen die Weichen für den Verlauf des Strafverfahrens maßgeblich gestellt. Und zwar sowohl auf Seiten des Opfers, als auch des Täters. Nicht fehlen darf an dieser Stelle der Hinweis auf Ihr Recht, zu Schweigen. Niemand, gegen den ermittelt wird, muss sich überhaupt zur Tat erklären. Dies kann später auch nicht nachteilig berücksichtigt werden.

Aber auch auf Seiten des Opfers greifen häufig Zeugnisverweigerungrechte, z.B. § 52 StPO.

Neben den strafrechtlichen Folgen der Körperverletzung stehen die Ansprüche des Opfers auf Schadensersatz (§ 249 BGB) und vor allem Schmerzensgeld. Hier kommt es auf den Umfang der erlittenen Verletzungen an. Je schwerer diese sind, desto höher ist das Schmerzensgeld, das gefordert werden kann. Übrigens kann ein solches Schmerzensgeld auch im Zuge des gegen den Täter geführten Strafverfahrens geltend gemacht werden. Dies heißt dann Adhäsionsverfahren. In vielen Fallkonstellationen bietet sich die Einleitung eines solchen Verfahrens an. Häufig wird dann auch strafrechtlich zugunsten des Täters berücksichtigt, wenn er freiwillig ein Schmerzensgeld zahlt.

Wie man sieht, eröffnen sich bei der Körperverletzung diverse juristische Aspekte, die nicht immer im Zusammenhang mit der zu befürchtenden Strafe stehen.

Die Kanzlei Dr. Hartmann & Partner betreibt Büros in Berlin, Bielefeld und Oranienburg (Tel.030 69 59 84 00 )



Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von Dr. Hartmann
Zuletzt editiert von


 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.


Nachrichten zu Vorwurf Körperverletzung gegen Ex-Freundin

  • BildThailändische Adoption ermöglicht keine Volladoption nach deutschem Recht (03.07.2013, 14:30)
    Eine mit Zustimmung der thailändischen leiblichen Eltern nach thailändischem Recht vollzogene Adoption eines Kindes kann nicht ohne weiteres in eine deutsche Volladoption umgewandelt werden. Das hat der 11. Senat für Familiensachen des...
  • BildPferdekauf: Käuferin hat keine Ansprüche gegen den Tierarzt (02.07.2013, 11:08)
    Ein vom Verkäufer eines Wallachs beauftragter Tierarzt haftet gegenüber der Käuferin nicht für eine fehlerhafte Ankaufsuntersuchung, wenn er mit dem Verkäufer insoweit eine Haftungsbeschränkung vereinbart hat. Das hat der 12. Zivilsenat des...
  • BildVater schuldet Unterhalt, auch wenn der Sohn bei der Großmutter kostenfrei lebt (02.07.2013, 10:35)
    Der Bedarf eines volljährigen Kindes verringert sich nicht dadurch, dass das Kind kostenfrei im Haushalt seiner Großmutter lebt. Das hat der 2. Senat für Familiensachen des Oberlandesgerichts Hamm mit Beschluss vom 29.05.2013 entschieden und dem...
  • BildWer haftet für Überspannungsschäden? (02.07.2013, 09:59)
    Stromversorger haften nicht für Überspannungsschäden, nur weil sie die Erdkabel nicht regelmäßig kontrolliert haben. Eine allgemeine Pflicht der Stromversorger, die Kabel regelmäßig auf ihren ordnungsgemäßen Zustand zu untersuchen, besteht nicht....
  • BildKeine Videokontrolle am Eingang einer Gaststätte (01.07.2013, 15:54)
    Neustadt/Weinstraße (jur). Eine Gaststätte muss während ihrer Öffnungszeiten auch offen sein. Eine Zugangskontrolle mittels Videokamera und Türöffner ist unzulässig, wie das Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße in einem am Montag, 1. Juli...

Aktuelle Forenbeiträge

  • Lärmbelästigung einer Disco (nicht das übliche ;)) und Geld ... (03.07.2013, 12:42)
    Hallo liebe Fachgemeinde. Mir drängen sich 2 Fragen auf die ich hier nun los werden will. Fangen wir mit der Lärmbelästigung an... Nehmen wir an ein Student würde in eine ihm zuvor unbekannte Stadt ziehen, in ein Viertel wo Nachts das Leben erwacht und sich eine Bar nach der anderen tummelt (wer jetzt denk, "typisch, wieder so einer...
  • Auskunft über Stand/Ergebnis einer Anzeige bei der Polizei? (02.07.2013, 17:05)
    A erstattet gegen einen Unbekannten (U) Anzeige bei der Polizei. Da A kein Anwalt ist, hat er keine Akteneinsicht und darf nicht über den Stand einer laufenden Ermittlung informiert werden (richtig?). Wird A von der Polizei automatisch benachrichtigt, wie die Ermittlung ausgegangen ist, wenn sie abgeschlossen ist oder hat er einen...
  • Was ist eine "Mobbingklage"? (02.07.2013, 17:00)
    Den Begriff "Mobbingklage" habe ich schon des öfteren gehört - unklar ist mir, wie diese in dieser Form näher definiert ist.Denn nach allem was ich gelesen habe, ist Mobbing in sich ja nun kein Straftatbestand, allenfalls kann man hier ja nur gegen eine Fülle anderer Sachverhalte vorgehen; von Verleumdung, Beleidigung bis hin zu...
  • EMail abzocke?! (01.07.2013, 23:58)
    Leute, ich habe gerade eine Email bekommen die besagt ich habe offensichtlich irgendwas bestellt im letzten Monat und schulde jemanden noch knappe 264,96€ schulde...ioch glaube es ist Abzocke da ich NICHTS bestellt habe! Sagt euch vielleicht die Email etwas? Absender war "Anwalt Lenny Gunther (i_lane@hotmail.com)" Sehr geehrter Kunde,...

Kommentar schreiben

23 - N_eu_n =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Vorwurf Körperverletzung gegen Ex-Freundin – Weitere Begriffe im Umkreis

  • vis compulsiva
    Nötigende Gewalt. Hier wird durch Gewaltanwendung das Opfer zu einem Entschluss gedrängt (z.B. Erpressung, § 255 StGB).
  • Völkerstrafrecht
    Als Völkerstrafrecht bezeichnet man die Summe der Normen, die die Strafbarkeit einzelner Individuen unmittelbar aufgrund von Völkerrecht begründen. Das bedeutet, dass Individuen direkt auf Grund von völkerrechtlichen Normen strafbar sein...
  • Vollrausch
    Inhaltsübersicht I.  Vollrausch im deutschen Strafrecht 1.1 Das Problem 1.2 gedanklicher Ansatz der Vollrausch-Strafnorm 1.3 Der strafrechtliche Tatbestand 1.5...
  • Vorladung
    Eine Vorladung ist ein amtlicher Bescheid mit dem Inhalt, dass der Empfänger zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem festgelegten Ort erscheinen solle. In einigen Fällen (z. B. § 25 Bundespolizeigesetz, polizeiliche Vorladung) kann eine...
  • Vorsatz im Strafrecht
    Vorsatz im Strafrecht, das heißt vereinfacht gesagt, dass derjenige, der eine Straftat ausführt, sich absolut bewusst ist, was hier zum gesetzlichen Tatbestand gehörende Merkmale sind. Er also wirklich willentlich, obwohl er die Umstände kennt,...
  • Wahndelikt
    Ein Wahndelikt ist ein Begriff aus dem deutschen Strafrecht. Es steht häufig in enger Beziehung mit einem untauglichen Versuch . Ein Wahndelikt charakterisiert sich dadurch, dass der vermeintliche Täter sein Verhalten irrtümlich für...
  • Widerstand gegen die Staatsgewalt
    Als Widerstand gegen die Staatsgewalt wird ein gewaltsamer Widerstand oder ein tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte des Staates bezeichnet. Dieser kann auch in der Ausübung passiver Gewalt bestehen, etwa durch Sitzblockaden und...
  • Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte
    1. Objektiver Tatbestand § 113 StGB schützt vor allem die Strafvollzugstätigkeit des Staates . Der § 113 StGB enthält zwei Handlungsalternativen . Die erste Alternative ist ein besonderer Fall der Nötigung von bestimmten Amtsträgern. Die...
  • Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte
    Gemäß § 113 Abs. 1 StGB handelt es sich beim "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte" um eine Straftat, welche mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet wird. Gemäß § 113 Abs. 2 StGB wird...
  • Wiederaufgreifen des Verfahrens
    Grundsätzlich ist es so, dass eine rechtskräftig verhängte Strafe weder aufgehoben noch abgeändert werden darf. Dies basiert auf dem Interesse an Rechtssicherheit und dem Wunsch, dass sich Verfahren nicht endlos hinziehen sollen, sondern...

Top Orte der Anwaltssuche zum Rechtsgebiet Strafrecht

Weitere Orte finden Sie unter:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.