Volljährigkeit - Definition gemäß § 2 BGB und die Bedeutung im Strafrecht

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Erklärung zum Begriff Volljährigkeit

Die Volljährigkeit entspricht der Mündigkeit. Sie bezeichnet das Lebensalter von dem an eine natürliche Person der Definition vom 'Erwachsenen' entspricht. Dies wird in Deutschland das 18. Lebensjahr sein. Geregelt findet sich dies in § 2 BGB des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Mit der gesetzlichen Volljährigkeit erhält ein Staatsbürger in der Bundesrepublik Deutschland nicht nur das passive Wahlrecht auf Bundesebene genauso wie auf Länderebene, sondern ist zugleich auch voll geschäftsfähig. Formuliert findet sich dies in dem Artikel 38 Absatz 2 Satz 1 GG. Auf der Länderebene macht nur Hessen mit einem vorgeschriebenen Alter von 21 Jahren eine Ausnahme, sonst gilt auch hier das aktive Wahlrecht ab 18 Jahren, ganz genauso wie bei der Wahl zum Bundestag.

Volljährigkeit im Strafrecht

Die Einordnung eines Erwachsenen im Strafrecht, will meinen, die Frage, ob ein nach den Jahren Volljähriger aber ansonsten nicht wirklich erwachsener Jugendlicher nach dem Erwachsenenstrafrecht oder dem Jugendstrafrecht verurteilt wird, ist von den Richtern mit einem gewissen Ermessensspielraum individuell zu behandeln.

 

Volljährigkeit und deren weiteren Auswirkungen

Die Volljährigkeit bringt noch etliche andere Umstände mit sich. So ist es einem Achtzehnjährigen erlaubt, an Glücksspielen wie Lotto teilzunehmen, sich an jugendgefährdenden Orten wie Nachtbars oder Nachtclubs aufzuhalten. Es ist dem Volljährigen möglich, ohne eine Erlaubnis der Sorgeberechtigten oder auch des Familiengerichts zu heiraten. Er kann in jedem Geschäft Zigaretten und Tabakwaren und auch hochprozentigen Alkohol erstehen, er darf diese Sachen besitzen und auch konsumieren.

Weiter ist es ihm erlaubt, Verträge rechtmäßig ohne Sorgeberechtigten abzuschließen, so kann er ohne Umstände zum Beispiel eine eigene Unterkunft mieten. Es ist ihm erlaubt, in Sexshops einzukaufen, entsprechende Websites zu besuchen und jugendgefährdende Schriften zu konsumieren.

 

Kurze Historie

Im Altertum gestaltete sich das Erreichen der Volljährigkeit ein wenig anders. Die Initiation, die in unterschiedlicher Weise junge weibliche und männliche Jugendliche über sich ergehen lassen mussten bzw., die sie zu bestehen hatten, gestalteten den Übergang wesentlich weniger fließend, als es in unserer Gesellschaft heute der Fall ist. Es bedeutete vor allem meistens wie im Mithraskult die Einweihung in gewisse Mythen. Diese Mannbarkeitsrituale waren meistens so ausgeformt, dass der Ritus einer symbolischen Wiedergeburt glich. Man stirbt sein altes Leben und wird in ein Neues hineingeboren.

Auch im Hinduismus existiert die Upanayana. Bei dieser kultischen Handlung werden die jungen Männer zum 'Dvijati', das heißt 'Zweimalgeborener'. Beispiele, die nicht aus der Religion stammen, sind der Ritterschlag oder, meist im Osten, die Jugendweihe.

Auch Studentenverbindungen legen immer allergrößten Wert auf Initiationsriten. So gibt es regelmäßig die 'Akzeption' und die 'Rezeption' genannte Initiation, mit der ein junger Student zum Vollmitglied ernannt wird. Auch in Jugendbanden begegnet man oft Mutproben oder ähnlichem zu Initiation.

Das in Deutschland geltende Reichsgesetz von Februar 1875 legte ursprünglich das Volljährigkeitsalter auf 21 Jahre fest. Mit dem § 2 BGB galt dasselbe für die neue Verfassung, die in 1900 konstituiert wurde. Im § 3 BGB wurde die Volljährigkeit durch das Personenstandgericht zugesprochen. Auch verankerte dieser Paragraph, dass auch ein 18-jähriger in die Volljährigkeit gesetzt werden konnte. Dieser frühe Zeitpunkt, neben den Rechten auch Pflichten wahrnehmen zu können und zu müssen, war neu. Bisher, vor dem Jahre 1876, trat die Volljährigkeit zum Teil erst mit der Vollendung des 25. Lebensjahres ein.

In der DDR bestimmte ab Mitte 1950 das sogenannte 'Gesetz über die Herabsetzung der Volljährigkeit' die Volljährigkeit ab 18. Jahren. In der Bundesrepublik galt bis 1975 die Volljährigkeit ab 21. Jahren. Erst mit dem 'Gesetz zur Neuregelung des Volljährigkeitsalters' vom 31.07.1974 wurden schließlich am 01.01.1975 alle die, die zwischen 01/1954 und 01/1957 geboren waren, volljährig.

 

Österreich

In Österreich wird die Volljährigkeit auch als Großjährigkeit bezeichnet. Die Vorstufe zur Volljährigkeit ist die sogenannte Mündigkeit, die ab dem 14. Lebensjahr gilt. Wie auch in Deutschland wurde in Österreich das Alter, zu dem eine volle Geschäftsfähigkeit besteht, nach und nach herabgesetzt. Nach dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch wurde 1811 das Alter von 24 Jahren festgelegt. 1919 dann senkte man die Altersgrenze auf 21 Jahre. 1973 gab es eine weitere Herabsetzung. Man war zu dieser Zeit ab dem 19. Lebensjahr volljährig. Seit dem 1. Juli 2001 liegt das Alter der Volljährigkeit bei 18 Jahren.

 

Schweiz

Bis 1848 fiel in der Schweiz das Alter der Volljährigkeit bzw. der Wahlberechtigung mit dem Alter zusammen, zu dem ein Bürger als wehrfähig galt. Da dies vor allem in den Landsgemeinden-Kantonen unterschiedlich gehandhabt wurde, lag das Alter der Volljährigkeit in dieser Zeit zwischen 14 und 18 Jahren. In der Folge wurde das Alter auf 20 Jahre festgesetzt. Seit dem 1. Januar 1995 ist das Alter der Volljährigkeit in der Schweiz vereinheitlicht. Gemäß dem Art. 14 ZGB ist nun jeder Schweizer mit 18 Jahren volljährig.

 

Andere Länder

In den meisten Staaten der Europäischen Union wird mit 18 Jahren die Volljährigkeit erreicht. Die Volljährigkeit beginnt ebenfalls mit dem Alter von 18 Jahren, falls das Recht, welches bei einem Kind zur Anwendung kommt, nicht bereits früher eintritt. Dies gemäß dem in New York getroffenen Übereinkommen die Rechte von Kindern betreffend (20.11.1989) - in Nepal ist dies beispielsweise mit 15 Jahren der Fall, in Japan mit 20 Jahren. Die USA und Somalia haben dieses Übereinkommen nicht unterzeichnet; in den USA erlangt man die Volljährigkeit mit 18 Jahren, was allerdings nicht die Freiheiten wie in anderen Ländern erlaubt.

Alkohol, Spielen in Casinos und Ähnliches ist erst mit 21 Jahren erlaubt. Unter bestimmten Umständen ist eine Volljährigkeit in den USA auch schon ab 14 Jahren möglich.

In Somalia erlangt man die Volljährigkeit mit 15 Jahren. In Schottland ist man bereits mit 16 Jahren volljährig ebenso in Kirgisistan und Turkmenistan. In Tadschikistan ist das Alter auf 17 Jahre festgelegt.

In Ägypten und Singapur liegt das Alter der Volljährigkeit bei 21 Jahren. Manche Länder setzten ein unterschiedliches Alter für die Volljährigkeit bei Männern und Frauen an. So zum Beispiel Pakistan. Hier sind Männer mit 18 Jahren volljährig, Frauen mit 16 Jahren. Auf den Philippinen sind Männer mit 21 Jahren volljährig, Frauen bereits mit 18 Jahren.




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Entscheidungen zum Begriff Volljährigkeit

  • BildOLG-SCHLESWIG, 31.07.2001, 12 UF 153/01
    Das vereinfachte Verfahren zur Unterhaltsfestsetzung entfällt bei Volljährigkeit des Kindes.
  • BildVG-GELSENKIRCHEN, 20.11.2013, 11 L 1505/13
    Bedenken gegen die Richtigkeit einer zweiten Inaugenscheinnahme zur Feststellung des Bestehens von Volljährigkeit.
  • BildOLG-CELLE, 10.04.2008, 17 UF 217/07
    Zur Frage der Verwirkung von rückständigem Minderjährigenunterhalt nach dem Eintritt der Volljährigkeit des Kindes.
  • BildSAARLAENDISCHES-OLG, 09.03.2007, 9 WF 19/07
    Unterhaltsurteile und Vergleiche, die aus der Zeit der Minderjährigkeit des Kindes stammen, gehen über den Zeitpunkt der Vollendung der Volljährigkeit hinaus weiter und können nur im Wege der Abänderungsklage nach Eintritt der Volljährigkeit abgeändert werden.
  • BildVGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 09.07.1990, 6 S 781/90
    1. "Eingeleitet" im Sinne von § 6 Abs 3 JWG ist eine Maßnahme durch jedes gezielte, auf die Begründung eines konkret abgrenzbaren Bildungsverhältnisses gerichtete Handeln. Die vor Volljährigkeit eingeleitete und nach Volljährigkeit faktisch begonnene Maßnahme muß mit der bis zur Volljährigkeit geförderten Maßnahme nicht (im...
  • BildVGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 11.04.1990, 6 S 3275/89
    1. Die Entscheidung des Trägers der Jugendhilfe über die Fortsetzung einer bereits vor Eintritt der Volljährigkeit eingeleiteten Bildungsmaßnahme steht in seinem pflichtgemäßen Ermessen.
  • BildVG-STUTTGART, 05.06.2013, 11 K 496/13
    1. Die international übliche Entlassungsbedingung des Erreichens der Volljährigkeit ist eine abstrakt zumutbare Entlassungsbedingung. 2. Die abstrakt zumutbare Entlassungsbedingung des Erreichens der Volljährigkeit kann bei Hinzutreten besonderer Umstände im konkreten Einzelfall unzumutbar sein. 3. Im Rahmen der...
  • BildVGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 21.11.2001, 13 S 1635/01
    Der Rechtsanspruch auf unbefristete Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis nach § 26 Abs. 1 Satz 2 AuslG setzt voraus, dass das nachgezogene Kind auch noch im Zustand der Volljährigkeit im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis ist. Ein achtjähriger Besitz der Aufenthaltserlaubnis während eines Zeitraums vor Eintritt der Volljährigkeit...
  • BildOLG-KARLSRUHE, 08.08.2000, 2 WF 99/00
    Leitsatz Mit der Volljährigkeit des Kindes ist die Beistandschaft des Jugendamtes beendet, da mit Eintritt der Volljährigkeit die Voraussetzung für die mit der Beistandschaft implizierte gesetzliche Vertreterstellung entfallen ist. Der Mangel der Aktivlegitimation des Jugendamtes ist gemäß § 56 Abs. 1 ZPO von Amts wegen bis zum...
  • BildBVERWG, 14.11.2002, BVerwG 5 C 56.01
    1. § 86 Abs. 6 SGB VIII und die daran anknüpfende Kostenerstattungsregelung des § 89 a Abs. 1 Satz 1 SGB VIII gelten nicht für Jugendhilfeleistungen über den Eintritt der Volljährigkeit hinaus. 2. Die bis zum Eintritt der Volljährigkeit bestehende Zuständigkeit für Jugendhilfeleistungen wird in Bezug auf anschließende Hilfe für junge...

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    Hallo lieben Juristen,mal angenommen es gäbe folgenden Sachverhalt:Eine Person P ist zu seinem 12 Lebenjahr beim Schwarzfahren bei den Verkehrsbetrieben V erwischt worden und die Mutter M hat den fälligen Betrag zu dem Zeitpunkt nicht bezahlt und jegliche Mahnungen ignoriert.Darf nach dem 18. Geburstag von P die V den fälligen Betrag +...
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