Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, § 263a Abs. 1, 2. Alt. StGB

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Erklärung zum Begriff Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, § 263a Abs. 1, 2. Alt. StGB

Die Verwendung von unrichtigen oder unvollständigen Daten ist ein Straftatbestand des Computerbetrugs. Dieser wurde am 01.08.1986 durch das zweite Gesetz zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Die Notwendigkeit hierfür war gegeben, da die Nutzung von Computern immer weiter voranschritt – und somit auch deren Missbrauch für Straftaten.

Die gesetzliche Grundlage für Computerbetrug findet sich in § 263a StGB:

„(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er das Ergebnis eines Datenverarbeitungsvorgangs durch unrichtige Gestaltung des Programms, durch Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, durch unbefugte Verwendung von Daten oder sonst durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf beeinflusst, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) § 263 Abs. 2 bis 7 gilt entsprechend.

(3) Wer eine Straftat nach Absatz 1 vorbereitet, indem er Computerprogramme, deren Zweck die Begehung einer solchen Tat ist, herstellt, sich oder einem anderen verschafft, feilhält, verwahrt oder einem anderen überlässt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(4) In den Fällen des Absatzes 3 gilt § 149 Abs. 2 und 3 entsprechend.“

Als "Verwendung" i. S. d. § 263a StGB wird angesehen, wenn sich eine Person Zugang zu einem Computer eines Dritten verschafft und dort

  • ein Programm falsch gestaltet,
  • Daten verwendet, die er nicht verwenden darf,
  • falsche oder unvollständige Daten verwendet oder
  • den Ablauf des Datenverarbeitungsvorgangs anderweitig verändert.

Beschädigt diese Person durch ihr Verhalten das Vermögen des Dritten und verschafft sich selbst einen rechtswidrigen Vermögensvorteil, so liegt ein "Computerbetrug" vor, der seine gesetzliche Grundlage aus dem § 263a StGB erhält. Auch der Versuch eines Computerbetrugs ist strafbar.




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