Untauglicher Versuch - Definition und Abgrenzung zu Wahndelikt

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Erklärung zum Begriff Untauglicher Versuch

Ein untauglicher Versuch einer Straftat liegt vor, wenn die Tat entgegen der Vorstellung des Täters wegen einer Untauglichkeit des Tatobjekts, des Tatmittels oder der Person des Täters nicht vollendet werden kann.

Der untaugliche Versuch ist ein Begriff aus dem deutschen Strafrecht. Er liegt dann vor, wenn die Verwirklichung des Versuches von vornherein nicht möglich ist. Das ist immer dann der Fall, wenn der Täter mit den gegebenen Mitteln den gewünschten Erfolg nicht erreichen kann oder wenn das anvisierte Tatobjekt sich nicht am Tatort befindet. Es ist also tatsächlichen Gründen unmöglich den Straftatbestand zu verwirklichen.

 

Strafbarkeit des untauglichen Versuchs

Der untaugliche Versuch ist nach § 23 Abs. 3 StGB genauso wie der taugliche Versuch strafbar. Er kann allerdings vom Gericht nach § 49 Abs. 2 StGB gemildert werden.  Schwierigkeiten bereitet allerdings der Rücktritt vom untauglichen Versuch. Grundsätzlich muss für einen wirksamen Rücktritt vom Versuch, ein ernsthaftes Bemühen des Täters zur Verhinderung der Vollendung der Straftat vorliegen. 

Tipp vom Anwalt: Beim untauglichen Versuch kommt es allerdings in keinem Augenblick zu einer Gefährdung des Tatobjektes, sodass hier ein ernsthaftes Bemühen nicht vorliegen kann.  Die Rechtsprechung nimmt daher einen wirksamen Rücktritt dann an, wenn der Täter objektiv die Tatvollendung verhindert bevor er selbst die Untauglichkeit des Versuches erkannt hat.

 

Abzugrenzen vom Wahndelikt

Der strafbare untaugliche Versuch ist in der Praxis häufig vom sogenannten strafreien Wahndelikt abzugrenzen.  Ein Wahndelikt liegt immer dann vor, wenn der Täter denkt, dass sein Verhalten einen Straftatbestand erfüllt in Wirklichkeit dieses Verhalten allerdings straffrei ist.

Beispiel: Ein vermeintlicher Täter nimmt von der Straße einen Kugelschreiber und denkt er begeht eine Unterschlagung bzw. einen Diebstahl. Es stellt sich jedoch heraus, dass der Kugelschreiber herrenlos ist.



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Häufige Rechtsfragen zum Thema

  • Untauglicher Versuch und Erfolgsqualifiziertes Delikt Charly123 schrieb am 08.09.2016, 12:11 Uhr:
    A hält die 15-jährige B für 12 Jahre und schläft trotzdem mit ihr. Beim Sex verursacht er leichtfertig den Tod der B.Ich habe mich letztens gefragt, ob es so etwas wie einen versuchten (schweren) sexuellen Kindesmissbrauch mit Todesfolge geben kann, wenn der Versuch untauglich ist. Also der Versuch des § 176a StGB steht außer Frage.... » weiter lesen
  • Vorfeldirrtümer, untauglicher Versuch, Wahndelikt ? Mockle schrieb am 17.03.2015, 13:52 Uhr:
    Hallo Freunde des Strafrechts,wie ist eure Meinung zu folgendem fiktiven Fall:U begeht einen Unfall und entfernt sich unerlaubt vom Unfallort gemäß §142. Dabei stellt er sich vor, dass 20 Minuten Wartezeit ausreichen, obwohl 25 Minuten angemessen sind.Die nichteheliche Freundin A des U will für ihn nun einen Freispruch erwirken. U... » weiter lesen
  • Diebesfalle u. untauglicher Versuch asj schrieb am 13.10.2014, 19:55 Uhr:
    Hallo miteinander!Eine Verständnisfrage zum Thema untauglicher Versuch speziell im Zusammenhang mit einer sogenannten «Diebesfalle».Ich setze den Begriff bewusst in Anführungszeichen, damit klar ist, was gemeint ist, ohne auf Diebstahl zu beschränken.Zapft ein Benzindieb regelmäßig im Wagenpark einer Spedition Treibstoff ab, sodass der... » weiter lesen
  • versuchter- betrug, unterschlagung agnieszka_f schrieb am 23.06.2009, 21:28 Uhr:
    wann liegt versuchter betrug vor, wann versuchte unterschlagung?(anhand eines beispieles) beim diebstahl liegt versuch vor wenn noch keine wegnahme abgeschlossen war weiss jetzt aber nicht wie ich erkenne wann versuchter betrug vorliegt.....danke im voraus » weiter lesen
  • Untauglicher Versuch frederiks schrieb am 08.09.2008, 16:18 Uhr:
    Hallo, kann man von einem schlicht untauglichen Versuch zurücktreten? Bzw., wo ist der schlicht untaugliche Versuch zu prüfen? MfG, Frederik » weiter lesen
  • Rücktritt vom Versuch wegen Verbrechervernunft nicht möglich? krîZz schrieb am 25.07.2007, 15:37 Uhr:
    Servus, hab mir grad paar Gedanken zu meiner Hausarbeit im Strafrecht gemacht. Folgendes: A beauftragt B mit Liquidierung des C und verspricht B dafür 100.000€. B befindet sich bereits im Versuchsstadium, als er von A die 100.000€ erhält. Daraufhin entschließt sich B Abstand von der Tat an C zu nehmen, da er das versprochene Geld... » weiter lesen
  • Erpressung - untauglicher Versuch? Hinack schrieb am 05.07.2007, 08:48 Uhr:
    Moin, A erpreßt von B Geld, ca 1.200 Euro. A droht damit B anzuzeigen und behauptet B habe eine Straftat begangen. B weiß aber, daß dem nicht so ist und leistet keine Zahlung. B tut nichts. Also fast nichts. Er ertattet Anzeige wegen Erpressung durch A. Wir lautet vermutlich die Anschuldigung gegen A sollte der Staatsanwalt Anklage... » weiter lesen
  • Untauglicher Versuch des Raubes mit Todesfolge Volleybaer schrieb am 28.11.2004, 15:54 Uhr:
    Wie würdet Ihr folgendes Delikt prüfen: Untauglicher Versuch des Raubes mit Todesfolge, wobei nicht nur § 249 erfüllt ist, sondern auch § 250? » weiter lesen


Untauglicher Versuch Urteile und Entscheidungen

  • BildBtMG 1981 § 29 a Abs. 1 Nr. 2 Der Qualifikationstatbestand des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in § 29 a Abs. 1 Nr. 2 BtMG kann - anders als die Begehungsweisen des Herstellens, Abgebens und des Besitzes nach dieser Vorschrift - voll und nicht bloß als untauglicher Versuch verwirklicht sein,...

    » BGH, 14.04.1999, 3 StR 22/99
  • Bild1. Es sind keine verfassungsrechtlichen Einwendungen dagegen zu erheben, daß der Landesmediengesetzgeber die Zulassung zur Veranstaltung eines privaten Rundfunkprogramms von der Glaubhaftmachung eines Finanzplans abhängig macht.

    » VGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 17.09.1991, 10 S 53/91
  • BildDie wortwörtliche oder geringfügig umformulierte Übernahme kompletter Textpassagen aus einer früheren Hausarbeit in eine im Rahmen der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien zu fertigende Hausarbeit, ohne kenntlich zu machen, dass es sich insofern um Zitate und die Übernahme fremder Formulierungen handelt, stellt einen...

    » NIEDERSAECHSISCHES-OVG, 18.05.2009, 2 ME 96/09

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