Versicherungsunternehmen

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Erklärung zum Begriff Versicherungsunternehmen

Ein Versicherungsunternehmen, also der Versicherer, ist die zweite Partei in einem Versicherungsvertrag. Versicherungsunternehmen definieren sich als Unternehmen, die ein kalkuliertes Risiko in Kauf nehmen, um dieses im Gegenzug durch Erhebung einer Prämie zu versichern. Durch die versicherungsrechtliche Vereinbarung nach dem Gesetz für die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen verpflichtet sich das Versicherungsunternehmen, sollte der vertraglich festgelegt Versicherungsfall eintreten, zur Zahlung der ausgehandelten Versicherungsleistung. 

Rechtsform

Ein Versicherungsunternehmen kann tätig sein als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, in Rechtsform einer Aktiengesellschaft oder ebenso als öffentlich-rechtliche Versicherung. Nach dem VAG, der auch Kapitalanlagen, Aufsicht und Geschäftsbetrieb wie Zulassung und die Rechtsformen regelt, unterstehen die Versicherungen der zuständigen Aufsichtsbehörde der Bundesanstalt für Finanzen, das für sie relevante Fachministerium ist das Bundesministerium für Finanzen. In Deutschland wurden im Jahre 2013 insgesamt 626 Versicherungsunternehmen sowie Pensionsfonds zugelassen.

Geschichtliches

Schon 1792 vor unserer Zeitrechnung existierte in Babylon ein Versicherungskodex, der bestimmte, dass der Baumeister für den Schaden bei Einsturz eines von ihm errichteten Bauwerkes haftbar zu machen ist. Der nächste und entscheidende Schritt in der Historie der Versicherungen war die Einführung einer Art von Sterbeversicherung im alten Rom unter dem Namen „collegia funeratica“. Der Seeverkehr in Zeiten der Kolonisation und des Auslandswarenhandels trieb die Zunft der Versicherungsunternehmer weiter voran. Die erste Lebensversicherung auf europäischem Boden wurde 1583 in England als eine Art von Wette abgeschlossen. Bismarck als Reichskanzler und Wilhelm der I. als Kaiser errichteten zwischen 1883 und 1889  das Fundament für die Sozial- und Rentenversicherung in Deutschland. 1911 konstituierte man die Hinterbliebenenrente, 1927 die Arbeitslosenversicherung. Im Jahre 1933, also während der Herrschaft des Naziregimes, wurde die Rentner-Krankenversicherung sowie das Lohnabzugsverfahren einführt. 1957 wurden die Renten der Lohnentwicklung dynamisch angepasst.

Direktversicherer

Hier herrscht Begriffsverwirrung. Es gibt eine besondere Form der Lebensversicherung, die sich deutsche Direktversicherung nennt. Hierunter versteht das deutsche Arbeits- und Steuerrecht einen Vertrag über eine Lebensversicherung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dieser Versicherungsvertrag muss bei einem deutschen Versicherungsunternehmen abgeschlossen werden und sichert dem Arbeitnehmer oder Hinterbliebenen Bezüge zu. Sie stellt eine der fünf Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung dar. Eine Direktversicherung beziehungsweise ein Direktversicherer im modernen Kontext bezeichnet ein Versicherungsunternehmen, das nicht von einer Nebenstelle aus agiert, sondern den Versicherungsvertrag im Direktvertrieb mit modernen Medien betreibt, wie beispielsweise das Internet oder auch Fax und Briefpost. Selbstständige Handelsvertreter, wie es sie auch in der Versicherungsbranche gibt, die im Direktvertrieb arbeiten, erwirtschaften teilweise äußerst geringe Umsatzprovisionen. 

Der Versicherungsvertreter

Das menschliche Bindemitglied zwischen der Bürokratiemaschinerie der Versicherungsunternehmenskartelle und der Versicherungsnehmer, ist der Versicherungsvertreter, der Versicherungsvermittler nach § 59 Absatz 1 des VVG, weiter ebenso der Versicherungsmakler. Der Versicherungsvermittler arbeitet mit dem Versicherungsunternehmen nach einem Agenturvertrag und aufgrund von Vereinbarungen zur Provision zusammen. Häufig finden sich hier Strukturen, die nur einen sehr langsamen Einstieg erlauben. Der Versicherungsvermittler ist in aller Regel selbständiger Handelsvertreter nach dem § 84 des HGB. Mit dem Versicherungsunternehmen trifft er zumeist Übereinkünfte über Ausstattung, Werbe- und Bürokosten, der Ausschließlichkeit seiner Vertretung, dem Tätigkeitsgebiet und einem eventuellen Gebietsschutz. Auch Haftungsübernahmen finden sich geregelt. Ein Versicherungsmakler hingegen arbeitet für eine Vermittlungsgebühr, eine Courtage, ist zumeist für mehrere Versicherungen tätig.

Die Moderne in den Versicherungsunternehmen

Big Data ist das Stichwort. Dies gilt nicht nur für Nachrichtendienste und die Industrie im Allgemeinen, sondern ganz speziell für Versicherungsunternehmen, deren Geschäftspolitik ganz konkret von der Versicherungsmathematik bestimmt wird. Die wiederum benötigt Daten. Je mehr davon, desto besser, desto sicherer die Statistik. Gerne verwenden die Befürworter einer ausgiebigen Big-Data-Struktur die Argumentation Versicherungsunternehmen seien in der Pflicht, gewonnene Informationen zu investieren, um, als geschäftliche Notwendigkeit, ein besseres Verständnis für Mitarbeiter und Konkurrenten, Kunden, Märkte und Produkte, vorhandener Vertriebskanäle und etwaiger Vorschriften zu erlangen. „Konnektivität im Risikomanagement“ lautet das Leitwort, es gilt den Versicherungsunternehmen, die Wertigkeit der erfassten Daten effizient, das will heißen, nach dem Profitmaximierungsprinzip unseres Gesellschaftssystems, zu optimieren, zu nutzen. Aktuelles und für Datenschützer besorgniserregendes Geschehen ist der Hype um vernetzte „Fitness-Tracker“.  Durchaus brauchbare Informationen liefern diese Gesundheitsarmbänder. Doch nicht nur gesund für den Nutzer, sondern durch ebenso förderlich der Gesundheit der Versicherer. Denn die Medaille hat auch eine Kehrseite. Den gläsernen Patienten, der in trauter Grundlage den gläsernen Menschen ergibt. Nach einer Umfrage des Verbraucherministeriums namens „Quantified Health“ verwendet nahezu jeder fünfte Deutsche schon ein solches Datenabfragegerät mit Verbindung ins Internet. Wer sich nur ein wenig im Fachbereich der Informatik und Netzwerkmanipulation auskennt, dem wird die Gefahr deutlich.

Versicherungsunternehmen und Social Media

Eine Möglichkeit, über konventionelle Erfassung und Fitnesstracker hinaus an Daten der Kunden oder der potentiellen Vertragspartner zu gelangen, ist nur allzu offensichtlich die Ebene der Social-Media. Zahlreiche Plattformen laden geradezu dazu ein, die Informationen, die Datensätze, intimste Informationen, die der User bedenkenlos der Öffentlichkeit zur Auswertung überlässt, abzugreifen. Das 360 Grad-Profil des Kunden ist das Ziel. Web-Analytics-Software lässt es zu, sämtliche Aktionen eines Users zu verfolgen. Wie verhält er sich auf einer Website? Wie lange verweilt er? Es gibt die Navigationssysteme in den Smartphones, die verraten, wo der Kunde sich aufhält, Cookies fragen den Verlauf des Browsers ab, Facebook-Kommentare und Post, Likes lassen auf die gesellschaftliche und politische Einstellung schließen.




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