Versicherungsmakler

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Erklärung zum Begriff Versicherungsmakler

Der Berufsstand des Vermittlers von Versicherungsverträgen lief parallel zur Entwicklung der Versicherungen im Laufe der Zeit. Die ersten Makler finden sich im Italien des 12. Jahrhunderts. Das älteste Dokument, das eine Maklertätigkeit belegt, stammt aus Pisa von einem Makler namens Bardo. Zum Berufsbild hieß es 1642 in der „Hamburgischem Mäklerordnung“, „nur gute und tüchtige Personen sollen zu geschworenen Maklern angenommen werden ...“

Wer kann Makler werden?

Ein Versicherungsmakler findet sich in einer rechtlich  ähnlichen Situation wie ein Steuerberater oder Rechtsanwalt. Mit einem entscheidenden BGH-Urteil vom 22. Mai 1985 Az.: Iva ZR 190/83 ist der Makler als Sachwalter des Kunden definiert.

Er ist also unabhängiger Finanzberater, muss die Interessen des Kunden wahrnehmen, kann haftbar gemacht werden. Ein für die Umstände seiner Tätigkeit ausreichender Marktüberblick wird als Voraussetzung angenommen. Mit der Gewerbeanmeldung geht eine spezielle Gewerbeerlaubnis für die Versicherungsvermittlung einher. Hierfür sind diverse Nachweise notwendig:

  • So muss der Antragsteller beispielsweise das Ablegen der Sachkundeprüfung der Industrie- und Handelskammer, die man auch Prüfung zum Versicherungskaufmann nennt, oder
  • aber den Nachweis des erfolgreichen Abschlusses als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, früher ebenfalls Versicherungskaufmann, vorweisen.
  • Ebenso möglich der Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) (früher: Versicherungsfachwirt) oder
  • der Fachwirt für Finanzberatung.

Schließlich können Makler Hochschulstudiengänge der Rechtswissenschaft oder der Betriebswirtschaft mit der Fachrichtung Versicherungen abgeschlossen haben.

Die Gewerbeordnung definiert auch, was ein unzuverlässiger Antragsteller ist.

Der Antrag wird abgelehnt werden, sollte der Antragsteller im vergangenen Zeitraum von 5 Jahren rechtskräftig verurteilt worden sein, das können Delikte aus den Bereichen Hehlerei, Untreue, Erpressung, eine Insolvenzstraftat, Betrug, Urkundenfälschung, Wucher oder Geldwäsche sein. Geordnete Vermögensverhältnisse, will heißen keine laufende Insolvenz, ist eine weitere Voraussetzung.

Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter

Der Unterschied zwischen dem Versicherungsvertreter, der sich jedoch gerne wie ein Makler gibt, ist, dass der Versicherungsvertreter die Interessen des Versicherers vertritt.

Er ist für dieses Unternehmen Geschäftsbesorger. Macht er Fehler, werden diese nach dem § 278 des BGB dem Versicherer selber zugeordnet.

Es existieren Versicherungsvertreter, die für diverse Versicherungsgesellschaften tätig sind, das macht teilweise eine Differenzierung zum Makler für den Außenstehenden schwer. Der Versicherungsvertreter nennt sich auch Ausschließlichkeitsagent, Tied Agent oder Exklusivvertrieb, Agenturvertrieb oder Außendienst der Versicherungsgesellschaft.

Treuhänderische Sachwalter

Der Versicherungsmakler, auch Kreditversicherungsmakler, sowie Factoringmakler, der Verträge über Versicherungen zwischen Versicherungsnehmer und Versicherungsunternehmen vermittelt, versteht sich als Kaufmann nach den §§ 7 Absatz 2 Ziffer 7 des HGB und § 93 HGB. Hier wird er als Handelsmakler definiert. Er ist mitnichten in vertraglicher Form an eine Versicherung gebunden. Als treuhänderähnlicher Sachwalter ist seine Position den Interessen des Versicherungsnehmers verpflichtet. Ausschlaggebend ist hier der Maklervertrag.

Des Weiteren ist der Rechts- und Pflichtkreis des Maklers im Gesetz über den Versicherungsvertrag beschrieben. Hier finden sich zusätzliche Pflichten und Rechte. Grundsätzlich ist es nicht nur die Aufgabe des Versicherungsmaklers, einen guten, günstigen, den individuellen Umständen des Versicherungssuchenden angepassten Versicherungsschutz zu eruieren, sondern vielmehr ebenso die Aktualisierung und Verwaltung dieser Verträge, also die Beratung des Versicherungsnehmers in entsprechenden versicherungstechnischen Belangen.

So ist es dem Versicherungsmakler auch gestattet, Pflicht-, Kapital- oder Versicherungspolicen an Dritte weiter zu vermitteln.

Wie sich aus dem § 93 HGB und § 59 Absatz 3 des VAG ergibt, ist es so möglich, vergleicht man das Ergebnis mit einer herkömmlichen Kündigung, ein positiveres wirtschaftliche Gesamtergebnis zu erzielen.

Haftung des Maklers

Für den Fall, dass ein Versicherungsmakler seine Pflichten in schuldhafter Art und Weise verletzt, ist der Makler gesetzlich gezwungen, eine sogenannte Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abzuschließen, eine Berufshaftpflichtversicherung, wie sie in ähnlicher Form auch für andere Branchen vorgeschrieben ist.

Die Haftungspflicht des Maklers besteht auch dann, wenn Schuld oder Fehler bei seinen Mitarbeitern zu finden sind. Gesetzlich geregelt ist dies in § 278 des BGB.

Beratungs- und Informationspflichten

Ganz allgemein hat die Reform des Vertragsversicherungsrechtes, die in 2008 durchgesetzt wurde, eine spürbare Erhöhung der Haftungsrisiken für Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter bewirkt.

Der in § 63 des VVG definierte, nunmehr also gesetzlich normierte Haftungstatbestand, stellt die Haftung des Maklers aus dem Abseits, in dem sie sich bis dahin befand. Der Gesetzgeber befand hier Inanspruchnahme persönlichen Vertrauens zwischen Makler und Kunden, damit die entsprechende Haftungspflicht für gegeben.

In den §§ 61 und 62 des VVG sind die Dokumentations- und Beratungspflichten der Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter nach Meinung der Versicherungsbranche „geradezu kleinlich“ geregelt. Eine weiterführende Erweiterung der entsprechenden Gesetzeslage ist zu erwarten, da europarechtliche Direktiven noch einzuarbeiten sind.

Ebenso die Unterrichtungspflichten, die Überwachungs- und Prüfungspflichten haben sich verschärft.

So ist der Kunde auf eine eventuell bestehende Unterversicherung aufmerksam zu machen.

Unterbleibt dies, entsteht aus dieser Sachlage Schaden für den Kunden des Maklers, ist er in der Haftungspflicht, so der Kunde ihm im Vornherein alle für den Einzelfall wichtigen Informationen auch hat zukommen lassen.  

Der Maklervertrag

Der Gesamtverbband der Deutschen Versicherungswirtschaft und der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler haben sich auf einen Katalog zu der Erstellung von Maklerverträgen geeinigt, die Missstände bei der Vermittlung von Versicherungen vermeiden helfen soll. Der Katalog ist seit 1981 in Kraft. Er wurde in Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde der Versicherungen, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, geschaffen.




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Entscheidungen zum Begriff Versicherungsmakler

  • BildBGH, 25.04.2013, IX ZR 235/12
    Zur Vorsatzanfechtung gegenüber einem Versicherungsmakler als zweiten Leistungsmittler.
  • BildOLG-KARLSRUHE, 23.10.2001, 12 U 179/00
    Zur Wissenszurechnung bei Vermittlungspersonen, die vom Versicherungsnehmer nicht als Versicherungsmakler beauftragt sind.
  • BildBGH, 24.06.2009, VIII ZR 332/07
    Zur Schätzung der Höhe des einem Versicherungsmakler - infolge unerlaubter Konkurrenztätigkeit des für ihn tätigen Versicherungsvertreters - entgangenen Gewinns ("Mindestschaden").
  • BildOLG-KOBLENZ, 04.01.2002, 10 U 595/01
    1. Die Legitimationswirkung des Versicherungsscheins als qualifiziertes Legitimationspapier erstreckt sich auch auf das Kündigungsrecht, den Rückkaufswert aus dem Versicherungsvertrag zu erlangen. 2. Ein rechtsmissbräuchliches Verhalten des Versicherers liegt nicht vor, wenn der Versicherungsnehmer dem Versicherungsmakler den...
  • BildOLG-FRANKFURT, 18.11.2004, 3 U 57/04
    Zu den Umständen, wonach ein Versicherer einen ansonsten unabhängigen Versicherungsmakler als "Gelegenheitsagenten" für sich auftreten lässt, dessen Erklärungen zum Vertragsinhalt sich der Versicherer zurechnen lassen muss.
  • BildKG, 09.06.2011, 20 U 88/10
    1. Zum Umfang der notwendigen Aufklärung bei Verwendung des Begriffs einer "Sicherheitskompaktrente." 2. Verwendet der Versicherungsmakler bei Vermittlung einer "Sicherheitskompaktrente" prospekt-ähnliche Unterlagen, trägt er die Beweislast für die richtige Beratung, wenn die schriftlichen Unterlagen unrichtig sind.
  • BildLSG-DER-LAENDER-BERLIN-UND-BRANDENBURG, 12.02.2010, L 1 KR 97/08
    Weitergeleitete Provisionszahlungen, die ein Versicherungsmakler an Angestellte auszahlt, können Arbeitsentgelt im Sinne des § 14 Abs. 1 SGB IV sein, obgleich die Nebentätigkeit auf Grundlage eines extra Handelsvertretervertrages ausgeübt wird.
  • BildBFH, 15.05.2008, IV R 25/07
    Werden die von einem Versicherungsmakler für Rechnung der Versicherungsgesellschaften vereinnahmten Versicherungsbeiträge (durchlaufende Posten) abredewidrig für private Zwecke verwendet und die Auskehrungsverbindlichkeiten in Vereinbarungsdarlehen umgeschuldet, sind die hierfür entrichteten Zinsen sowie die angefallenen...
  • BildBGH, 14.06.2007, III ZR 269/06
    Der Versicherungsmakler ist zur Beratung und Betreuung seines Kunden in Bezug auf den zu vermittelnden Versicherungsvertrag verpflichtet. Über den Inhalt des vorgelagerten Maklervertrags muss er dagegen auch bei der Vermittlung eines Lebensversicherungsvertrags mit Nettopolice nur ausnahmsweise aufklären.
  • BildBGH, 11.05.2006, III ZR 228/05
    Der Verlust der Alterungsrückstellung beim Wechsel des privaten Krankenversicherers ist für sich allein kein vom Versicherungsmakler in Fällen fehlerhafter Beratung zu ersetzender Schaden. Der Versicherungsnehmer und Maklerkunde ist vielmehr darauf verwiesen, eine etwaige Prämiendifferenz als konkreten Vermögensschaden geltend zu machen.

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