Versicherer

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Erklärung zum Begriff Versicherer

Früher nannte man einen Versicherungsbetrieb auch Assekurdeur, also jemand der eine Assekuranz ausstellt, eine Versicherungsbescheinigung. In der Umgangssprache sagt man heute ganz herkömmlich Versicherung bzw. Versicherer.

Der Versicherungsvertrag

Wird ein Versicherungsvertrag abgeschlossen, gibt es dabei zwangsläufigerweise immer mehrere Parteien. Der Versicherer ist die Partei, die aufgrund dieses Vertrages den Versicherungsschutz gewährt. Im Gegensatz dazu ist derjenige, der die Versicherung abschließt, derjenige, der die Versicherung nimmt, der Versicherungsnehmer. In einem Versicherungsvertrag können durchaus verschiedene Parteien als Versicherer wirken, dies nennt man Mitversicherung.

In der Schweiz, in Österreich und auch in der Bundesrepublik ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass die Versicherung, das Versicherungsunternehmen die Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts aufweist, eine Aktiengesellschaft darstellt oder aber von der Rechtsform her eine Anstalt ist.

Andererseits versteht sich rechtlich jede juristische oder natürliche Person, welche ein Versicherungsgeschäft ausübt, als Versicherer. Die Versicherer dürfen, das ist gesetzlich so geregelt, anderweitige Finanzdienstleistungen, hier sind beispielsweise die Kapitalisierungsgeschäfte der Lebensversicherer, deren Immobilienfinanzierung zu nennen, nur auf fremde Rechnung als eine Leistung nebenher anbieten. Sie dürfen lediglich als Vermittler für einen anderen Anbieter arbeiten.

Geschichte der Versicherer

Bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts unterlag ein Versicherungsschutz, wenn denn einer existierte, den Gilden und Zünften.

Erste Versicherungen, vor allem für Verschiffungen, auch gegen Feuer, fanden sich beispielsweise in der Hamburger Feuerkasse oder ebenso der später gegründeten Berliner Feuersozietät.

Versicherer als Aktiengesellschaften traten zu Ende des 18. Jahrhunderts auf. Seitdem haben sich die Versicherer zu einer wesentlichen Funktion im Wirtschaftsleben entwickelt, die Risikoabsicherung durch Versicherer hat die Entwicklung der Industriesysteme wesentlich positiv tangiert, so eine wirtschaftliche und private Wertansammlung erst ermöglicht.

Das Grundprinzip der Versicherer

In einer Versicherung kommt immer das Prinzip der kollektiven Risikoübernahme zum Tragen. Diese Grundregel nennt man auch Äquivalenzprinzip oder Versicherungsprinzip. Es existiert eine Sammelstelle für das Kapital, das aus den Versicherungsbeiträgen stammt, mit dem der Versicherer dann, im einzelnen Fall bei Eintritt eines Versicherungsfalles den Schadenersatz zahlt.

In aller Regel ist das angesammelte Kapital ausreichend, denn der zu erwartende Umfang der Versicherungsschäden wird mit Hilfe statistischer und versicherungsmathematischer Berechnungen der Höhe des Versicherungsbeitrages angeglichen.

Rechtsgestaltung in Deutschland

Die gesetzliche Regelung zu den Versicherern in der Bundesrepublik ist im Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (VAG), dem Versicherungsaufsichtsgesetz, niedergeschrieben.

In diesem Gesetz finden sich unter anderem der Geschäftsbetrieb, die Zulassung schlechthin, Aufsicht sowie Kapitalanlagen geregelt. Das zuständige Ministerium ist das Bundesministerium für Finanzen, die für die Versicherer zuständige Aufsichtsbehörde die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). 

Rechtsgestaltung in Europa

Eine nationale Aufsicht für Versicherungsunternehmen aus Vertrags- oder Mitgliedsstaaten der EU, die lediglich mit einer Niederlassung in der Bundesrepublik vertreten sind, gibt es nur in eingeschränktem Maß.

Jedoch sind die Niederlassungen dieser Versicherer oder jener, welche die Dienstleistung direkt aus dem Ausland betreiben, in derselben Weise überwacht, wie es für Versicherer in demjenigen Staat üblich ist.

Was ist ein Versicherer?

Es existiert kein Gesetzestext, der den Begriff Versicherer beziehungsweise Versicherung definiert. Jedoch gibt es in der Zwischenzeit im Richterrecht etliche Kriterien, die ein Versicherungsgeschäft nach § 1 Absatz 1 des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen beschreiben.

Ein wichtiges Kriterium ist die Ungewissheit der Leistung, will heißen die Risikoübernahme. Das Versicherungsunternehmen muss ein selbständiges Geschäft sein, es darf keine unselbständige Nebenabrede eines anderen Geschäfts sein. Notwendig weiter die Entgeltlichkeit der Übernahme der Verpflichtung und auch der Rechtsanspruch auf die Leistung wenn der Versicherungsfall eintritt.

Eine Voraussetzung zum Schutz der Verbraucher ist auch das planmäßige Betreiben des Geschäftes, also ein gewollter Aufbau des Risikoausgleichskollektivs. Ebenfalls eine Grundannahme für eine Versicherung stellt ein möglichst homogenes Risikoausgleichskollektiv dar, also die systematische Übernahme einer Vielzahl gleichartiger Gefahren.

Eine ältere Erklärung aus anderer Sichtweise bietet die  Encyclopedia of the Social Sciences, Vol. 8, aus 1935 auf der Seite 95. Ganz prosaisch heißt es hier: „ Beseitigung des Risikos eines Einzelnen durch Beiträge von Vielen“. Andere Schreibweisen sind „die planmäßige Deckung eines im Einzelnen ungewissen, im Ganzen aber schätzbaren Geldbedarfs auf der Grundlage eines zwischenwirtschaftlichen Risikoausgleichs“ oder „Deckung, eines im Einzelnen ungewissen, insgesamt schätzbaren Geldbedarfs, auf der Grundlage eines Risikoausgleichs im Kollektiv und in der Zeit“. (Hax und Farny)

Versicherungsvielfalt

Es ist möglich, die diversen Versicherungen zu gruppieren. Man unterscheidet im Wesentlichen die Individual- und Sozialversicherung. Während die Individualversicherung ein privatrechtlicher Versicherungsvertrag ist, ist die Sozialversicherung ein umständehalber gesetzlicher Versicherungsvertrag. Weiter existieren Personen- und Nichtpersonenversicherungen, also etwa Lebensversicherung beziehungsweise eine Haftpflichtversicherung. Schadens- und Summenversicherung unterscheiden sich in der Art der Deckung, pauschal oder schadenbezogen. 

Es gibt die Aktiven- und Passivenversicherungen in Unternehmen. Versicherungen können auch nach der Art des jeweilig versicherten Risikos unterschieden werden. Aufgrund diverser Risikoarten finden sich diese Versicherungen aufgeteilt in zuerst Versicherungsarten, dann Versicherungssparten und Versicherungszweiggruppen. Eine weitere grobe Unterscheidung ist die Lebens- und Nichtlebensversicherung. Hier stellt sich die Lebensversicherung als eine Summenversicherung dar, das heißt, es geht um eine Pauschale, Teilschäden sind nicht relevant. Es existiert für den Versicherer genau so wenig das Risiko eines Mehrfachschadens, einzig ein zeitliches Zufallsrisiko bleibt bestehen. Letztlich stellt sich die Sachlage als sehr einfach beweisbar dar – der Totenschein genügt. Die Nicht-Lebens-Versicherung dagegen dauert von der Abwicklung her in aller Regel länger als die Lebensversicherung, denn sie haftet auch für Teilschäden, die bewiesen werden müssen.




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