Verbrechen

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Erklärung zum Begriff Verbrechen

Nach § 12 Absatz 1 StGB ist ein Verbrechen eine Straftat, die im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist. Das Verbrechen ist stets vom Vergehen abzugrenzen. Bei der Unterscheidung zwischen Verbrechen und Vergehen handelt es sich jedoch lediglich um eine der möglichen Einteilungen der Delikte.
 

I.  Das Verbrechen

1. Allgemeines

Das Strafgesetzbuch erhält in § 12 Absatz 1 StGB eine Legaldefinition für den Begriff des Verbrechens. Danach ist ein Verbrechen jene Straftat, die im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist. Ein Delikt, bei der eine geringere Mindeststrafe angedroht wird, bezeichnet man gem. § 12 Absatz 2 StGB hingegen als Vergehen.
 

2. Wichtigkeit der Unterscheidung zwischen Verbrechen und Vergehen

Die Unterscheidung zwischen Verbrechen und Vergehen erlangt in vielerlei Hinsicht seine Wichtigkeit:

  • Die Unterscheidung wirkt sich zunächst auf die Strafbarkeit eines Tatversuchs aus. Nach § 23 Absatz 1 StGB ist der Versuch eines Verbrechens nämlich stets strafbar, bei Vergehen jedoch nur dann, wenn dies im Gesetz ausdrücklich so bestimmt ist.
    Dies gilt gem. § 30 Absatz 1 StGB in der Regel auch für die versuchte Anstiftung zu einem Verbrechen. Die versuchte Anstiftung zu einem Vergehen ist indes nicht strafbar.
     
  • Die Unterscheidung zwischen Verbrechen und Vergehen erlangt darüber hinaus bei der Bedrohung nach § 241 StGB Bedeutung, denn dieser Tatbestand kann nur bei Androhung eines Verbrechens, nicht aber eines Vergehens verwirklicht werden.
     
  • Ein Verbrechen kann als gem. § 45 Absatz 1 StGB Nebenfolge auch den Verlust der Amtsfähigkeit und / oder der Wählbarkeit nach sich ziehen. Bei einem Vergehen ist eine solche Nebenfolge jedoch nicht zu befürchten.
     
  • Im Übrigen erlangt die Unterscheidung auch bei der Verfahrenseinstellung gem. §§ 153, 153a StPO [Strafprozessordnung], beim Strafbefehlsverfahren gem. § 407 StPO sowie bei der Gerichtsorganisation gem. § 25 GVG [Gerichtsverfassungsgesetz] eine wesentliche Bedeutung; beispielsweise ist ein Richter beim Amtsgericht nach § 25 GVG nur für Vergehen zuständig.
     

3. Beispiele für Verbrechen

   –  Hochverrat gegen den Bund oder ein Land gem. §§ 81, 82 StGB
   –  Landesverrat gem. § 94 StGB
   –  Gewerbs- und bandenmäßige Geldfälschung gem. § 146 Absatz 2 StGB
   –  Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern gem. § 176a StGB
   –  Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung gem. § 177 StGB
   –  Mord und Totschlag gem. §§ 211, 212 StGB
   –  Schwere Körperverletzung gem. § 226 StGB
   –  Menschenraub und Verschleppung gem. §§ 234 ff. StGB
   –  Brandstiftung gem. §§ 306 ff. StGB

 

II.  Weitere Möglichkeiten zur Einteilung der Delikte




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