Totenfürsorge

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Erklärung zum Begriff Totenfürsorge

Die Totenfürsorge ist das gewohnheitsrechtlich verbürgte Recht und zugleich die Pflicht, sich um den Leichnam eines Verstorbenen zu kümmern. Sie beinhaltet das Verfügungsrecht über die Leiche und enthält insbesondere die Pflicht, die Bestattung des Verstorbenen zu veranlassen. Entscheidungen über die Art (z.B. Auswahl und Beschriftung des Grabmals) und den Ort der Bestattung, eine eventuelle Umbettung der Leiche bzw. Urne oder eine Exhumierung und Obduktion zählen zum Kreis der Totenfürsorge. Auch strafrechtliche Ansprüche, die den Verstorbenen betreffen (z.B. Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Störung der Totenruhe usw.) können von den Totenfürsorgeberechtigten wahrgenommen werden.

Der Verstorbene kann zu Lebzeiten eine eigene Bestattungsverfügung über Gegenstände der Totenfürsorge verfasst haben.

Inhaltsverzeichnis

Totenfürsorgerecht

Die Totenfürsorge wird nicht durch das Erbrecht geregelt. Das Totenfürsorgerecht hat in erster Linie derjenige, der vom Verstorbenen zu dessen Lebzeiten durch eine entsprechende Vollmacht mit der Wahrnehmung betraut worden ist. Demnach kann der Verstorbene also jeden Dritten (z.B. den Lebensgefährten) mit der Totenfürsorge betrauen, ohne dass dieser zum Kreis der an sich dazu berufenen Angehörigen zählen muss.

Nur soweit ein Wille des Verstorbenen nicht erkennbar ist, sind gewohnheitsrechtlich die nächsten Angehörigen (Ehegatte des Verstorbenen und seine Verwandten in gerader Linie, ersatzweise die nächsten Seitenverwandten) berechtigt und verpflichtet. Sofern ein hierzu berufener Totenfürsorgeberechtigter zugleich Erbe ist, bleibt das Totenfürsorgerecht auch dann bestehen, wenn der Betreffende das Erbe ausschlägt.

Ausübung des Totenfürsorgerechts

Auch hier gilt, dass grundsätzlich der Wille des Verstorbenen maßgeblich ist. Anordnungen und Wünsche des Verstorbenen sind zu beachten. Frei entscheiden kann der Berechtigte nur, wenn ein Wille des Verstorbenen nicht zu erkennen ist und jeder Anhaltspunkt fehlt. Ohne entsprechenden Wunsch darf er aber keine anonyme Beerdigung ohne nächste Angehörige anordnen.

Bestattungspflichtigkeit gemäß Bestattungsgesetzen

Zu beachten ist, dass insbesondere die Bestattungsgesetze der Länder einen Teil der Totenfürsorge, nämlich die Bestattungspflicht, ordnungsrechtlich regeln. Danach sind insbesondere der Ehegatte des Verstorbenen und seine Verwandten in gerader Linie, nach den Bestattungsgesetzen einiger Bundesländer auch der Lebenspartner, in jedem Fall bestattungspflichtig.

Bestattungskosten

Für den Totenfürsorgeberechtigten bzw. für die nach den Bestattungsgesetzen verpflichteten Personen besteht die Möglichkeit, die Bestattungskosten in erster Linie von den Erben erstattet zu bekommen (§ 1968 BGB). Der Totenfürsorgepflichtige kann im Falle von Mittellosigkeit die Übernahme der notwendigen Bestattungskosten im Rahmen der Sozialhilfe beantragen (§ 74 SGB-XII).

Siehe auch

Sterbefall, Bestattung, Bestattungsrecht, Friedhof, Bestattungspflicht, Bestattungsvorsorge, Testament, Erbrecht, Todeserklärung, Leichenschau, Obduktion,

Literatur

  • Horst Deinert, Wolfgang Jegust: Todesfall- und Bestattungsrecht mit CD-ROM. Sammlung bundes- und landesrechtlicher Bestimmungen, Bundesanzeiger-Verlag, Köln 2005, ISBN 389817476X
  • Walter Zimmermann: Rechtsfragen bei einem Todesfall. Erbrecht, Testament, Steuern, Versorgung, Bestattung. DTV-Beck 2004, ISBN 3423056320
  • Jürgen Gaedke: Handbuch des Friedhofs- und Bestattungsrechts. Mit ausführlicher Quellensammlung des geltenden staatlichen und kirchlichen Rechts, Heymanns Carl Vlg KG 1992, ISBN 3452193942

Weblinks






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Nachrichten zu Totenfürsorge


Entscheidungen zum Begriff Totenfürsorge

  • BildVG-BERLIN, 13.12.2011, 21 K 215.10
    Den Friedhofsträgern steht es im Rahmen ihrer Satzungsautonomie frei, bei der Einräumung von Nutzungsrechten an Gräbern aus Gründen der Praktikabilität, aber auch im Hinblick auf die Totenfürsorge einer "familienrechtlichen" Regelung gegenüber einer erbrechtlichen Regelung den Vorzug zu geben (hier Vergabe des Nutzungsrechts...
  • BildOVG-NORDRHEIN-WESTFALEN, 01.06.2007, 19 B 675/07
    Streiten sich Hinterbliebene eines Verstorbenen über Art oder Ort der Bestattung einer Urne und damit über die Rangfolge des Rechts der Totenfürsorge, kann die örtliche Ordnungsbehörde nicht auf (vorläufige) Maßnahmen zur Sicherung des Bestimmungsrechts in Anspruch genommen werden; der Streit ist vielmehr zwischen den Hinterbliebenen...
  • BildVG-KARLSRUHE, 10.07.2001, 11 K 2827/00
    Es ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, dass der Landesgesetzgeber eine Bestattungspflicht für leibliche Kinder des Verstorbenen ohne Einschränkung normiert hat. Eine Pflicht, Einschränkungen, etwa bei gestörten Familienverhältnissen, vorzusehen, besteht von Verfassungs wegen nicht, da die Totenfürsorge gewohnheitsrechtlich...
  • BildNIEDERSAECHSISCHES-OVG, 06.07.2012, 8 LA 111/11
    Ein Grund ist nur dann "wichtig" im Sinne des § 14 Satz 2 Nr. 3 BestattG, wenn den Angehörigen des Verstorbenen aufgrund zwingender persönlicher und auf einer atypischen, völlig unerwarteten Entwicklung ihrer Lebensumstände beruhenden und nicht zum allgemeinen Lebensrisiko jedes Angehörigen eines Verstorbenen gehörenden...
  • BildSCHLESWIG-HOLSTEINISCHES-OVG, 18.01.2006, 2 LB 20/05
    1. Die Bestattung einer Leiche kann eine Maßnahme der öffentlich-rechtlichen Gefahrenabwehr darstellen. 2. Eine konkrete Gefahr liegt aber nach dem Tode einer Person nur dann vor, wenn kein Angehöriger von seinem Recht zur Totenfürsorge Gebrauch macht. 3. Veranlasst ein Angehöriger die Bestattung, fehlt es an der objektiven...
  • BildVG-BRAUNSCHWEIG, 31.08.2004, 3 A 348/03
    Bei einer Mehrheit von Erben trifft die Pflicht zur Tragung der Bestattungskosten gemäß § 1968 BGB die Erbengemeinschaft. Verpflichteter i. S. von § 15 BSHG ist in diesem Fall jeder (Mit)Erbe. Ob und ggf. in welcher Höhe bei dem Miterben ein sozialhilferechtlicher Bedarf bzgl. einer Übernahme von Bestattungskosten besteht, hängt davon...
  • BildOVG-SAARLAND, 25.08.2003, 2 R 18/03
    1. Die öffentliche Sicherheit im Sinne von § 8 I SPolG umfasst unter anderem den Schutz der staatlichen Rechtsordnung, zu der auch § 9 I Polizeiverordnung über das Bestattungs- und Leichenwesen gehört. Eine Überschreitung der darin festgelegten Bestattungsfrist berechtigt die Polizeibehörde zur Ersatzvornahme ohne vorheriges förmliches...

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