Arbeitsstättenverordnung: Die folgenden Arbeitsstättenrichtlinien gibt es für Toilettenräume und andere Sanitärräume

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Erklärung zum Begriff Toilettenräume

Anforderungen für Toilettenräume. (© BCDesigns)
Anforderungen für Toilettenräume. (© BCDesigns)

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) legt die Anforderungen an Toilettenräume und Sanitärbereiche in Betrieben und Betriebsstätten fest, an die sich Arbeitgeber zu halten haben. Bis 9 Mitarbeiter ist eine Toilette und ein Handwaschbecken Pflicht.

Allgemeine Bestimmungen für Toilettenräume

Unter der zunächst eher allgemeinen Begrifflichkeit Toilettenräume versteht der Gesetzgeber Räume, in denen wenigstens eine Toilette und ein Waschbecken sowie unter Umständen ein Urinal vorzufinden ist.

Aus baulicher Betrachtung können dies Toilettenzellen, also durch Trennwände und von innen absperrbare Toiletten sein, oder auch abschließbare kleine Räume mit einem Vorraum, wo sich das Handwaschbecken befindet. Jeder Arbeitgeber muss seinen Angestellten in der Nähe des eigentlichen Arbeitsplatzes, von Räumlichkeiten zum Umkleiden, für die Pause oder auch in der Nähe von Dusch- und Waschräumen Toiletten bereitstellen.

Bei einer Mitarbeiterzahl von mehr als 9 Beschäftigten müssen sowohl die Toilettenräume als auch sanitäre Anlagen geschlechtergetrennt eingebaut beziehungsweise zur Verfügung gestellt werden. Separate Toiletten, also Toiletten für Männer und Frauen getrennt, sind in diesem Fall somit Pflicht.

Sind bis zu 9 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen beschäftigt, dann sind Unisex Toiletten in Büros etc. gestattet. Bei einer Beschäftigung im Freien tritt eine Sonderreglung in Kraft. Denn auf einer Baustelle zum Beispiel genügen auch abschließbare Toiletten, wie etwa ein mobiles WC.

Erreichbarkeit und Zugang der Toilettenräume

Laut Arbeitsstättenverordnung für Toiletten müssen diese:

  • schnell und einfach vom Arbeitsplatz, vom Pausenraum sowie vom Waschraum oder der Dusche erreichbar sein
  • die Toiletten selbst müssen immer von innen verschließbar sein
  • die Toiletten müssen genügend Sichtschutz bieten
  • in der Anzahl dem Mitarbeiterstab angepasst sein, die diese sanitären Anlagen frequentieren
  • möglichst zwischen 50 und maximal 100 Metern vom Arbeitsplatz entfernt liegen
  • im gleichen Gebäude wie der Arbeitsplatz liegen, maximal aber nur in der nächsten Etage
  • als Toiletten- und/oder Sanitärraum gekennzeichnet sein

Abmessung und Ausstattung der Sanitärräume

Die ArbStättV sieht für Sanitärräume folgende Richtlinien vor:

  • die Toilettenräume müssen so viel Platz bieten, dass Mitarbeiter diese ungehindert nutzen können
  • es sollte fließend Warm- und Kaltwasser zur Verfügung stehen
  • Vorrichtungen für Reinigungsmittel und Handtücher oder Trockenvorrichtungen für die Hände müssen vorhanden sein
  • in speziellen Bereichen, wie zum Beispiel in medizinischen Einrichtungen, sollten auch Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen

Darüber hinaus gibt es auch bauliche Anforderungen für die Toiletten. So sollte eine lichte Höhe von 2,50 m nicht unterschritten werden. Toilettenzellen selbst sollten in etwa 60x80 cm groß sein, damit die Bewegung nicht beeinträchtigt wird.

Voraussetzung von Duschmöglichkeiten

Sofern es die jeweiligen Bedingungen im Unternehmen erfordern, müssen den Mitarbeitern auch ausreichende Duschräume zur Verfügung gestellt werden, um auch alle Anforderungen der ArbStättV zu erfüllen.

Mindestanzahl von Toiletten

Eigentlich ist es wohl schnell begreifbar, dass in einem Unternehmen mit vielen Mitarbeitern eine entsprechend höhere Anzahl an Toiletten und Sanitärräumen eingeplant werden muss. Basierend auf der Technischen Regel A4.1. für Arbeitsstätten dient die nachfolgende Übersicht als Orientierungshilfe. Die Angaben sind darauf ausgelegt, dass nur wenige Mitarbeiter die Toiletten und Sanitärräume gleichzeitig nutzen. Kommt es erfahrungsgemäß zu einer höheren Frequentierung der sanitären Anlagen, so sollte die Mindestanzahl von Toiletten höher geplant werden.

Mindestanzahl von Toiletten einschließlich Urinale, Handwaschgelegenheiten ​

Bis zu 5 Mitarbeiter = 1 Toilette + 1 Urinal (empfohlen) + 1 Handwaschbecken

6 bis 10 Mitarbeiter = 1 Toilette + 1 Urinal (empfohlen) + 1 Handwaschbecken

11 bis 25 Mitarbeiter = 2 Toiletten + 1 Handwaschbecken

26 bis 50 Mitarbeiter = 3 Toiletten + 1 Handwaschbecken

51 bis 75 Mitarbeiter = 5 Toiletten + 2 Handwaschbecken

76 bis 100 Mitarbeiter = 6 Toiletten + 2 Handwaschbecken

101 bis 130 Mitarbeiter = 7 Toiletten + 3 Handwaschbecken

131 bis 160 Mitarbeiter = 8 Toiletten + 3 Handwaschbecken

161 bis 190 Mitarbeiter = 9 Toiletten + 3 Handwaschbecken

191 bis 220 Mitarbeiter = 10 Toiletten + 4 Handwaschbecken

201 bis 250 Mitarbeiter = 11 Toiletten + 4 Handwaschbecken

Für alle weiteren 30 Mitarbeiter gehört mindestens 1 Toilette zusätzlich in die Betriebsstätte sowie für alle weiteren 90 Mitarbeiter ein zusätzliches Handwaschbecken.

Ab wann man getrennte Toiletten für Mitarbeiter benötigt

Bei Betriebsstätten mit einem Mitarbeiterstab von bis zu 9 Angestellten kann auf die Vorgabe der nach Geschlecht getrennten Toiletten verzichtet werden. Doch bei den sogenannten Unisex Toiletten, wie sie oft im Büro vorkommen, sollten zumindest auf eine zeitliche getrennte Nutzung geachtet werden. Sicherstellen kann dies eine Büro Toiletten Vorschrift, will man auf getrennte Büro Toiletten verzichten.

Regeln für Umkleideräume

Ebenso wie die Toiletten und Sanitärräume müssen auch Umkleideräume den Anforderungen der ArbStättV entsprechen. So besagt die Arbeitsstättenverordnung, dass:

  • explizite Räume zum Umziehen leicht erreichbar sein müssen
  • diese Räume ausreichend Sichtschutz bieten müssen
  • in den Umkleideräumen ausreichend Platz zur Verfügung stehen muss
  • diese Räume mit Sitzgelegenheiten und abschließbaren Aufbewahrungsmöglichkeiten z.B. Spinden ausgestattet sein müssen

Auch zu diesen Anforderungen gibt die technische Regel der Arbeitsstättenverordnung detaillierte Angaben.



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Häufige Rechtsfragen zum Thema

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