Steuererklärung

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Erklärung zum Begriff Steuererklärung

Mit einer Steuererklärung übermitteln Bürger und Unternehmen an die Finanzbehörden die Auskunft über ihre Einkünfte. Die Steuererklärung dient als Basis, um die Höhe der zu zahlenden Steuern zu ermitteln.

Was ist eine Steuererklärung?

Mit einer Steuererklärung werden die Angaben über die Einkünfte des vergangenen Jahres an die Finanzbehörden übermittelt. Diese Angaben werden als Grundlage genommen, um die Höhe von Einkommensteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag zu ermitteln. In der Steuererklärung werden aber nicht nur die steuerpflichtigen Einnahmen aufgelistet, sondern auch die Ausgaben, die zu einer Minderung der Steuerlast führen können. Nach der Überprüfung der Steuererklärung erhält der Steuerpflichtige dann einen Steuerbescheid. Dieser ist das offizielle Dokument über die Berechnung. Aus dem Steuerbescheid geht dann hervor, ob Steuern nachgezahlt werden müssen, oder man eventuell sogar Geld zurückerstattet bekommt. Die Formulare für die Steuererklärung liegen beim Finanzamt aus. Ebenso kann die Erklärung über Elster abgegeben werden. Mittels Elster kann die Steuererklärung am Computer gemacht werden. Je nach persönlicher Situation kann es sinnvoll oder notwendig sein, noch weitere Formulare auszufüllen, die sogenannten Anlagen zur Steuererklärung, wie zum Beispiel die Anlage Kind oder die Anlage AV für Riester-Sparer.

Abgabefrist für die Steuererklärung

Die Steuererklärung muss bis zum 31. Mai des Folgejahres dem Finanzamt zugestellt werden. Zuständig ist jeweils das Finanzamt am Wohnsitz des Steuerpflichtigen. Eine Verlängerung der Abgabefrist tritt dann ein, wenn zur Erstellung der Steuererklärung ein Steuerberater hinzugezogen wurde. In diesem Fall reicht eine Abgabe bis zum 31. Dezember des Folgejahres.

Verspätete Abgabe der Steuererklärung

Geht die Steuererklärung nicht fristgerecht bei den Finanzbehörden ein, dann dürfen diese einen Verspätungszuschlag berechnen. Abzusehen ist von einem Verspätungszuschlage nur, wenn das nicht fristgerechte Einreichen entschuldbar ist. Die Höhe des Verspätungszuschlags darf 10% der festgesetzten Steuer nicht übersteigen (maximal 25.000 Euro).

Unterlagen, die für die Steuererklärung benötigt werden

Für die Steuererklärung notwendig ist die sogenannte Steuer-ID, die jedem Bürger zugeschickt wurde. Weiterhin benötigt werden die Lohnsteuerbescheinigung und diverse Unterlagen, die man über das Jahr sammeln sollte. Dazu gehören beispielsweise Belege und Quittungen.

Muss jeder eine Steuererklärung abgeben?

Nicht jeder ist dazu verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Doch oftmals kann es sich lohnen, das Formular auszufüllen. Verpflichtet zur Abgabe einer Steuererklärung ist, wer dazu vom Finanzamt aufgefordert wird. Aber auch ohne eine solche Aufforderung kann eine Verpflichtung bestehen. Personengruppen, die eine Steuererklärung abgeben müssen, sind Selbstständige, Gewerbetreibende, Freiberufler sowie Land- und Forstwirte. Dies liegt daran, dass hier nicht automatisch eine Einbehaltung der Lohnsteuer erfolgt, wie es bei Angestellten der Fall ist.  Auch bei Arbeitnehmern kann es der Fall sein, dass sie eine Steuererklärung abgeben müssen. Dies ist dann gegeben, wenn das Einkommen ganz oder zum Teil aus nichtselbständiger Arbeit herrührt. Auch weitere Fallkonstellationen sind denkbar. Etwa, wenn bei dem Steuerpflichtigen oder dessen Partner Freibeträge eingetragen sind oder Nebeneinkünfte erzielt werden, die über 410 Euro liegen. Die Fallkonstellationen, in denen es zu einer Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung kommen kann, sind sehr vielschichtig. Hier kann ein Gespräch mit einem Steuerberater weiterhelfen.

Bei Arbeitnehmern ist es in der Regel so, dass die Lohnsteuer bereits vom Gehalt abgezogen wird. Das Finanzamt bekommt also seinen Teil der Einkünfte. Jedoch beruht die Steuer, die hier automatisch einbehalten wird, auf einer reinen Schätzung, bei der kaum steuerrelevante Ausgaben berücksichtigt werden. Wer meint, dass er eventuell auf eine Rückzahlung hoffen kann, sollte freiwillig eine Steuererklärung abgeben. Dies ist in der Praxis sogar relativ häufig der Fall. Durch eine Steuererklärung kann auf die individuelle Lebens- und Arbeitssituation eingegangen werden. Wer freiwillig eine Steuererklärung abgeben möchte, hat hierfür vier Jahre Zeit.

Die vorausgefüllte Steuererklärung (VaSt)

Seit 2014 bietet die Steuerverwaltung die sogenannte vorausgefüllte Steuererklärung an, um Steuerbürgern das Erstellen der persönlichen Steuererklärung zu erleichtern. In der vorausgefüllten Steuerklärung werden von den Steuerbehörden gespeicherte Daten automatisch bereitgestellt. Hierbei handelt es sich um übermittelte Lohnsteuerbescheinigungen, Angaben über den Bezug von Rentenleistungen, bezogene Lohnersatzleistungen, Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung sowie Vorsorgeaufwendungen wie Rürop-Veträge und Riester-Verträge. Abgerufen werden können Daten ab 2012. Um den Service der vorausgefüllten Steuerklärung nutzen zu können, ist eine Anmeldung über das ElsterOnline Steuerportal mit der gültigen steuerlichen Identifikationsnummer (Steuer-IdNr.) erforderlich.

Welche Steuererklärung müssen Unternehmen abgeben?

Welche Art von Steuererklärung Unternehmer neben der Einkommensteuererklärung abgeben müssen, hängt primär von der Art des Unternehmens ab. Handelt es sich bei einem Unternehmen um ein Einzelunternehmen oder um eine Personengesellschaft,  dann wird die Steuerzahlung über die Einkommensteuererklärung ermittelt. Auch eine Umsatzsteuererklärung ist erforderlich, ausgenommen sind hier Kleinunternehmen, die von der Zahlung der Umsatzsteuer befreit sind.  Handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft wie eine GmbH, dann muss eine Körperschaftsteuererklärung abgegeben werden.

Verstöße gegen eine verpflichtende Abgabe der Steuererklärung

Wird die Steuererklärung nicht fristgerecht abgegeben, dann wird das Finanzamt die Besteuerungsgrundlagen  gemäß § 162 AO schätzen. Sowohl die nicht fristgerechte Abgabe der Steuererklärung als auch die komplette Nichtabgabe können dazu führen, dass der Tatbestand der Steuerhinterziehung gegeben ist. Zudem macht sich auch jeder, der bewusst eine Steuererklärung mit falschen Informationen abgibt, der Steuerhinterziehung schuldig. Begeht man eine Steuerhinterziehung, dann muss mit empfindlichen Strafen gerechnet werden, die von einer Geldstrafe bis hin zur Gefängnisstrafe reichen.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 31.08.2016 08:59
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 31.08.2016 08:59


 
 

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Entscheidungen zum Begriff Steuererklärung

  • BildFG-KASSEL, 06.08.2009, 1 K 1761/08
    Offenbare Unrichtigkeit; Fehler bei der Eingangsbearbeitung einer Steuererklärung
  • BildBGH, 18.12.2008, IX ZB 197/07
    Zur Versagung der Restschuldbefreiung wegen Nichtvorlage zur Fertigung der Steuererklärung benötigter Unterlagen.
  • BildBAYOBLG, 09.11.2000, 4 St RR 126/00
    Zur Frage, die ob Einkommensteuerverkürzung vollendet wird, sofern die Abgabe einer Steuererklärung unterbleibt.
  • BildBFH, 28.03.2012, VI R 68/10
    Die eine Pflichtveranlagung begründende Steuererklärung entfaltet keine anlaufhemmende Wirkung nach § 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO, wenn diese Steuererklärung erst nach dem Ablauf der Festsetzungsfrist des § 169 Abs. 2 AO abgegeben wird.
  • BildFG-BERLIN-BRANDENBURG, 16.09.2010, 12 K 12197/09
    Der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG n.F. kann jedenfalls dann nicht nachträglich im Einspruchsverfahren begehrt werden, wenn der Steuerpflichtige die Investition vor Einreichung seiner ursprünglichen Steuererklärung tätigt, aber den Investitionsabzugsbetrag nicht sogleich mit der Steuererklärung geltend macht.
  • BildBFH, 08.06.2011, I R 90/10
    1. Wird der Investitionsabzugsbetrag (§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG 2002 n.F.) mit der Steuererklärung des Abzugsjahres geltend gemacht, ist daraus auf eine Investitionsabsicht im Investitionszeitraum zu schließen. Dies gilt auch dann, wenn die Steuererklärung erst im Einspruchsverfahren gegen einen Schätzungsbescheid abgegeben wird. 2. Das...
  • BildLG-MOENCHENGLADBACH, 22.10.2004, 5 T 236/04
    Der Schuldner ist gegenüber dem Treuhänder nur zur Vorlage der für die Steuererklärung erforderlichen Unterlagen verpflichtet, nicht dagegen zur Anfertigung der Steuererklärung selbst. Dies ist Aufgabe des Treuhänders. Gleichwohl ist dem Schuldner die Restschuldbefreiung zu versagen, wenn er bewusst wahrheitswidrig erklärt hat, die...
  • BildBAYOBLG, 11.06.2002, 4 St RR 25/02
    Wurden Betriebsausgaben bei der Abgabe einer vollständigen und richtigen Steuererklärung nicht gewinnmindernd berücksichtig, so bleiben sie auch im Steuerstrafverfahren bei der Strafzumessung außer Ansatz.
  • BildBFH, 28.02.2002, V R 42/01
    1. Eine Steuererklärung ohne die gesetzlich vorgeschriebene Unterschrift ist zwar unwirksam. Dieser Mangel ist aber unbeachtlich, wenn auf eine solche Steuererklärung ein wirksamer Steuerbescheid ergeht. 2. Eine Zustimmung zu einer Steueranmeldung ist ein Verwaltungsakt, wenn sie dem Steuerpflichtigen durch eine Abrechnung bekannt...
  • BildBFH, 27.05.2009, X R 47/08
    Eine die Berichtigung nach § 129 AO ermöglichende offenbare Unrichtigkeit kann auch vorliegen, wenn das FA eine in der Steuererklärung enthaltene offenbare Unrichtigkeit des Steuerpflichtigen als eigene übernimmt. Die Unrichtigkeit ist offenbar, wenn sie sich ohne weiteres aus der Steuererklärung des Steuerpflichtigen, deren Anlagen...

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