Sozialversicherungen

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Sozialversicherungen

1. Allgemeines

Bei der Einstellung von Arbeitnehmern haben Sie als Arbeitgeber eine Vielzahl von Aufgaben wahrzunehmen. So beurteilen Sie z.B. bei der Einstellung eines Arbeitnehmers die Versicherungspflicht bzw. -freiheit zu den einzelnen Sozialversicherungszweigen. Des Weiteren ermitteln Sie das beitragspflichtige Arbeitsentgelt, errechnen die Beiträge, erstellen einen Beitragsnachweis und ziehen den Arbeitnehmeranteil der Beiträge ein. Ferner führen Sie den Gesamtsozialversicherungsbeitrag, also die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, an die Krankenkasse ab.

Die Krankenkasse leitet die Beiträge an die einzelnen Versicherungsträger weiter. Als Arbeitgeber haben Sie es daher in der Regel nur mit einem Ansprechpartner, nämlich der Krankenkasse, zu tun. Die folgenden Informationen sollen dazu beitragen, die bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters zu beachtenden Regelungen für die Sozialversicherung für Sie überschaubar zu machen.

2. Versicherungspflicht der Arbeitnehmer

Einer der Gründe für die Sozialversicherungspflicht der Beschäftigten ist deren soziale Schutzbedürftigkeit. Diese ergibt sich daraus, dass Beschäftigte aus der Bereitstellung ihrer Arbeitskraft ihren Lebensunterhalt sicherstellen. Bei besonderen Ereignissen, wie z.B. Krankheit, Erwerbsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit wären sie ohne soziale Absicherung ohne Einkünfte und könnten in wirtschaftliche Bedrängnis oder sogar Not geraten.

Die Regelungen über die Sozialversicherungspflicht gelten grundsätzlich gleichermaßen für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Es gibt allerdings einzelne Sonderregelungen für die jeweiligen Zweige.

2.1 Beschäftigungsverhältnis

Grundlage für die Versicherungspflicht ist die Beschäftigung. Unter einer Beschäftigung wird die nichtselbstständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis, verstanden. Ein solches Beschäftigungsverhältnis hat insbesondere folgende Merkmale:

  • Eingliederung in den Betrieb

  • Weisungsgebundenheit hinsichtlich Ort, Zeit sowie Art und Weise der Arbeit.

Entscheidend sind dabei die tatsächlichen, nicht die vertraglichen Verhältnisse. Selbstständig Tätige, die tatsächlich wie ein Arbeitnehmer für den Auftraggeber tätig sind, werden als Scheinselbstständige bezeichnet. Sie unterliegen der Sozialversicherungspflicht.

2.2 Arbeitsentgelt

Weitere Voraussetzung für die Versicherungspflicht ist, dass der Beschäftigte als Gegenleistung für seine Arbeitskraft ein Arbeitsentgelt bezieht. Das Arbeitsentgelt ist nicht nur für die Feststellung der Versicherungspflicht entscheidend, sondern zugleich auch Grundlage für die Berechnung der Beiträge.

2.3 Besonderheiten in der Krankenversicherung

In der Krankenversicherung gibt es noch einige Besonderheiten.

Auch ein abhängig Beschäftigter wird nicht krankenversicherungspflichtig, wenn er außerdem hauptberuflich selbstständig ist. Hauptberuflich ist eine selbstständige Tätigkeit immer dann, wenn sie den wirtschaftlichen Schwerpunkt darstellt. Als Vereinfachungsregel gilt: Wenn im Betrieb mindestens ein Arbeitnehmer mehr als geringfügig beschäftigt wird, gilt die selbstständige Tätigkeit als hauptberuflich.
Umgekehrt gilt: Umfasst die nebenher ausgeübte Beschäftigung des Selbstständigen mindestens 18 Arbeitsstunden wöchentlich und wird ein Arbeitsentgelt über der Hälfte der Bezugsgröße gezahlt, besteht in der Regel keine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit. Auch hier sind aber stets die tatsächlichen Verhältnisse im Einzelfall maßgebend. Nähere Informationen finden Sie im Stichwort Scheinselbstständigkeit.

Beschäftigte, deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreitet, sind nicht krankenversicherungspflichtig. Für das Jahr 2012 beträgt die Jahresarbeitsentgeltgrenze 4.237,50 EUR bzw. 50.850 EUR/Jahr. Eine Ausnahme gilt für Arbeitnehmer, die am 31.12.2002 wegen Überschreitens der Einkommensgrenze in einer privaten Krankenversicherung versichert waren. Für sie gilt eine Jahresarbeitsentgeltgrenze von 45.900 EUR in 2012.

Die Beurteilung der Krankenversicherungspflicht ist bei Beginn der Beschäftigung, bei jeder Änderung der Bezüge und zu Beginn eines jeden Kalenderjahres vorzunehmen.

Die Krankenversicherungspflicht endet aber bei einem laufenden Beschäftigungsverhältnis frühestens zum Ablauf des Kalenderjahres der Überschreitung, wenn auch der Grenzwert des Folgejahres überschritten wird. Anzurechnen sind alle laufenden und alle einmaligen Entgelte, die mit hinreichender Sicherheit mindestens einmal jährlich zu erwarten sind. Ausgenommen von diesem Grundsatz sind Zuschläge, die mit Rücksicht auf den Familienstand gezahlt werden.

2.4 Pflegeversicherung

Nach dem Grundsatz "Die Pflegeversicherung folgt der Krankenversicherung" gelten die beschriebenen Regelungen auch für die Pflegeversicherung.

2.5 Beginn der Versicherungspflicht

Die Versicherungspflicht beginnt an dem Tag, an dem das entgeltliche Beschäftigungsverhältnis beginnt. Entscheidend ist also der Beginn der Entgeltzahlung, und nicht die tatsächliche Aufnahme der Beschäftigung. So tritt zum Beispiel auch Versicherungspflicht ein, wenn die Arbeit wegen einer vorher eingetretenen Arbeitsunfähigkeit oder wegen eines Unfalls auf dem Arbeitsweg tatsächlich nicht aufgenommen werden kann.

3. Kassenwahl

Alle Versicherten können zwischen den gesetzlichen Krankenkassen frei wählen. Wahlberechtigt sind sowohl freiwillig Versicherte als auch versicherungspflichtig Beschäftigte. Dies gilt für Angestellte und Arbeiter gleichermaßen. Die gewählte Krankenkasse darf die Mitgliedschaft nicht ablehnen.

Einschränkungen im Wahlrecht gibt es u.a. noch bei einigen Betriebs- und Innungskrankenkassen. Die gewählte Krankenkasse ist zugleich Einzugsstelle für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag, d.h. für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge.

3.1 Wahlrecht des Arbeitnehmers

Gemäß § 175 Abs. 4 SGB V können pflichtige und freiwillig Versicherte die Mitgliedschaft bei ihrer Krankenkasse jederzeit unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von zwei Monaten kündigen.

Das Versicherungsverhältnis endet dann mit Ablauf des auf die Kündigung folgenden übernächsten Monats. Die Versicherten sind dann 18 Monate an ihre Wahl gebunden, es sei denn die (neue) Krankenkasse erhöht ihren Beitragssatz.

Die Krankenkasse ist nach § 175 Abs. 4 S. 3 SGB V verpflichtet, dem kündigenden Mitglied innerhalb von zwei Wochen nach Eingang der Kündigung eine Kündigungsbestätigung auszustellen.

Innerhalb der Kündigungsfrist muss der Versicherte eine neue Mitgliedschaft bei einer anderen Krankenkasse nachweisen, andernfalls ist die Kündigung nicht wirksam. Dies gilt nicht, wenn keine Mitgliedschaft in einer anderen Krankenkasse oder aber eine Familienversicherung begründet werden soll.

Die 18-monatige Bindungsfrist muss nicht erfüllt sein, wenn

  • der Versicherte ganz aus der gesetzlichen Krankenversicherung ausscheidet,

  • die Voraussetzungen einer Familienversicherung vorliegen.

3.2 Wahlrecht des Arbeitgebers

Wenn der Beschäftigte sein Kassenwahlrecht nicht ausübt, und er vorher noch bei keiner Krankenkasse versichert war, bestimmen Sie als Arbeitgeber, bei welcher Krankenkasse Sie den Arbeitnehmer anmelden. Bitte unterrichten Sie Ihren Beschäftigten über die getroffene Kassenwahl.

Einige Beschäftigte sind nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Dies kann der Fall sein, wenn das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt des Beschäftigten die Jahresarbeitsentgeltgrenze in der Krankenversicherung (s. Beitragstabelle) übersteigt, und er in der privaten Krankenversicherung oder gar nicht krankenversichert ist. In diesen Fällen ist die letzte gesetzliche Krankenkasse, bei der der Arbeitnehmer versichert war, die zuständige Einzugsstelle für die Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge. War der Beschäftigte bei keiner Krankenkasse versichert, oder lässt sich diese nicht ermitteln, können Sie eine Krankenkasse als Einzugsstelle bestimmen.

4. Anmeldung

Für jeden Arbeitnehmer müssen Sie innerhalb von zwei Wochen nach Beschäftigungsbeginn eine Anmeldung bei der Krankenkasse einreichen. Dabei gelten für die Meldungen für geringfügig Beschäftigte die gleichen Meldefristen wie für versicherungspflichtig Beschäftigte.

Nur in den in § 28a SGB IV genannten Branchen muss der Arbeitgeber den Beginn des Beschäftigungsverhältnisses spätestens am Tag der Beschäftigungsaufnahme melden.

Mit der Vereinheitlichung des Meldeverfahrens sind die Beitragsgruppenschlüssel zur Krankenversicherung seit 01.04.1999 um eine neue Ziffer "6 = Pauschalbeitrag für geringfügig Beschäftigte" erweitert worden. Die Beitragsgruppenschlüssel zur Rentenversicherung sind um die Ziffern "5 = Pauschalbeitrag zur ArV für geringfügig Beschäftigte" und "6 = Pauschalbeitrag zur AnV für geringfügig Beschäftigte" erweitert worden. Im Falle eines Verzichts auf die Rentenversicherungsfreiheit sind die bestehenden Beitragsgruppenschlüssel "1 = voller Beitrag zur ArV" bzw. "2 = voller Beitrag zur AnV" zu verwenden.

Der Beitragsnachweis und der Beitragsnachweis-Datensatz sind um diese neuen Beitragsgruppen erweitert worden.

Die Meldungen für versicherungsfreie geringfügig entlohnte Beschäftigte sind mit dem Schlüssel "109", die Meldungen für versicherungsfreie kurzfristig Beschäftigte mit dem Schlüssel "110" abzugeben.

5. Sozialversicherungsausweis/Kontrollmeldungen

Jeder Beschäftigte erhält vom Rentenversicherungsträger einen Sozialversicherungsausweis. Ausnahmen sind nur versicherungsfreie Beschäftigte in Privathaushalten und Schüler bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres.

Dieser Sozialversicherungsausweis muss Ihnen bei Beschäftigungsbeginn vorgelegt werden. Geschieht dies nicht, und holt der Arbeitnehmer dies auch nicht innerhalb von drei Tagen nach Aufnahme der Beschäftigung nach, müssen Sie unmittelbar nach Ablauf des dritten Tages eine Kontrollmeldung an die Krankenkasse senden. Diese können Sie auch auf einem Vordruck zusammen mit der Anmeldung abgeben.

6. Sonderregelungen

In folgenden Branchen gelten besondere Regelungen für die Meldungen und den Sozialversicherungsausweis:

  • Baugewerbe

  • Schaustellergewerbe

  • Gebäudereinigungsgewerbe

  • Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe

  • Personen- und Güterbeförderungsgewerbe

  • Unternehmen, die sich am Auf- und Abbau von Messen oder Ausstellungen beteiligen

In diesen Branchen muss eine besondere Anmeldung (sogenannte Sofortmeldung) bereits am Tag der Beschäftigungsaufnahme abgegeben werden. Die Sofortmeldung ist allerdings entbehrlich, wenn Sie am Tag der Beschäftigungsaufnahme die Anmeldung zur Sozialversicherung abgeben.

In den genannten Branchen müssen Sie darüber hinaus eine Kontrollmeldung bereits dann erstellen, wenn Ihnen der Sozialversicherungsausweis nicht am Tag der Beschäftigungsaufnahme vorgelegt wird. Beschäftigte in den genannten Branchen müssen ihren Sozialversicherungsausweis mit einem Lichtbild versehen. Darüber hinaus sind sie verpflichtet, den Ausweis während der Arbeitszeit ständig bei sich zu tragen. Gehört Ihr Betrieb zu einer der genannten Branchen, weisen Sie Ihre Beschäftigten bitte auf diese Verpflichtung hin.

7. Beitragsberechnung

Um die Beiträge zur Sozialversicherung für versicherungspflichtig Beschäftigte berechnen zu können, benötigen Sie 3 Faktoren, nämlich

  • das Arbeitsentgelt,

  • den Zeitraum und

  • den Beitragssatz.

Die Beitragsberechnung ist grundsätzlich für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung gleich geregelt.

7.1 Arbeitsentgelt

Als laufendes Arbeitsentgelt werden die dem Beschäftigten für die Arbeit in einem einzelnen Entgeltabrechnungszeitraum zufließenden Einnahmen bezeichnet. Entgeltabrechnungszeitraum ist in der Regel der Kalendermonat.

Alle anderen Einnahmen, d.h. solche, die nicht für die Arbeit in einem einzelnen Abrechnungszeitraum, sondern aus einem bestimmten Anlass gezahlt werden, sind einmalige Einnahmen. Dazu gehören z.B. das Weihnachtsgeld oder Jubiläumszuwendungen.

Das laufende Arbeitsentgelt müssen Sie im Allgemeinen dem Abrechnungszeitraum zuordnen, in dem es erzielt wurde.

7.2 Nachzahlungen

Nachzahlungen aufgrund rückwirkender Erhöhung des Arbeitsentgelts, z.B. durch Tarifvertrag müssen Sie grundsätzlich auf die einzelnen Abrechnungszeiträume verteilen, für die sie bestimmt sind. Aus Vereinfachungsgründen können Sie die Nachzahlung auch wie einmalig gezahltes Arbeitsentgelt abrechnen.

Am Charakter der Nachzahlung als laufendes Entgelt ändert sich dadurch aber nichts.

7.3 Beitragsfreie Zeiten

Beitragspflicht besteht grundsätzlich für die gesamte Dauer der versicherungspflichtigen Beschäftigung. Es besteht allerdings für bestimmte Zeiträume Beitragsfreiheit, und zwar bei

  • Anspruch auf Krankengeld

  • Bezug von Verletztengeld oder Übergangsgeld während medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen

  • Anspruch auf Mutterschaftsgeld

  • Bezug von Erziehungsgeld, Inanspruchnahme der Elternzeit

Das gilt jedoch nicht, solange und soweit Sie während dieser Zeit das Arbeitsentgelt weiterzahlen.

7.4 Beitragsbemessungsgrenze

Das Arbeitsentgelt wird für die Beitragsberechnung nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze herangezogen, das darüberliegende Arbeitsentgelt wird zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge nicht berücksichtigt. Bei der Berechnung der Beitragsbemessungsgrenze für Teilmonate gehen Sie jeweils von der anteiligen Jahresbeitragsbemessungsgrenze aus.

Für das Jahr 2012 bestehen folgende monatliche Beitragsbemessungsgrenzen:

  • Arbeitslosenversicherung

    • Westdeutschland: 5.600,00 EUR

    • Ostdeutschland: 4.800,00 EUR

  • Rentenversicherung

    • Westdeutschland: 5.600,00 EUR

    • Ostdeutschland: 4.800,00 EUR

  • Kranken- und Pflegeversicherung

    • Westdeutschland: 3.825,00 EUR

    • Ostdeutschland: 3.825,00 EUR

7.5 Beitragssätze

Nachdem der Zeitraum und der Ausgangswert, nämlich das Entgelt bestimmt sind, müssen Sie nun noch den entsprechenden Beitragssatz heranziehen. In der Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung gibt es jeweils einen gesetzlich festgelegten Beitragssatz.

In der Krankenversicherung gibt es unterschiedliche Beitragssätze, die durch die Satzung der jeweiligen Krankenkasse bestimmt werden. Für versicherungspflichtig Beschäftigte sind drei Beitragssätze maßgebend, und zwar

  • der allgemeine Beitragssatz,

  • der erhöhte Beitragssatz und

  • der ermäßigte Beitragssatz.

Der allgemeine Beitragssatz gilt für Beschäftigte, die bei Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Fortzahlung ihres Arbeitsentgeltes für mindestens sechs Wochen haben. Auch wenn der Anspruch auf Entgeltfortzahlung in vielen Fällen erst nach vierwöchiger Dauer des Arbeitsverhältnisses entsteht, wird gleichwohl für diese Zeit der allgemeine Beitragssatz herangezogen.

Für Beschäftigte, die bei Arbeitsunfähigkeit nicht für mindestens sechs Wochen Anspruch auf Fortzahlung ihres Arbeitsentgeltes haben, trägt die Krankenkasse ein höheres finanzielles Risiko, da sie im Falle der Arbeitsunfähigkeit bereits zu einem früheren Zeitpunkt Krankengeld zahlt.

Daher ist in solchen Fällen für die Beitragsberechnung der erhöhte Beitragssatz zugrunde zu legen. Dies gilt auch dann, wenn wegen der Befristung der Beschäftigung ein voller Entgeltfortzahlungsanspruch von sechs Wochen nicht realisiert werden kann. Wenn Sie die vierwöchige Karenzzeit anwenden, Sie also für neue Arbeitnehmer die Entgeltfortzahlung erst nach vier Wochen leisten, müssen Sie folglich für Beschäftigte deren Arbeitsverhältnis auf weniger als zehn Wochen befristet ist, den erhöhten Beitragssatz anwenden (Beispiel 1).

Beispiel 1

Eine Beschäftigung ist befristet vom 01.04. bis 02.06. (63 Tage).

Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung entsteht vier Wochen nach Beginn der Beschäftigung.

Beurteilung

Die Beschäftigungsdauer beträgt weniger als zehn Wochen. Im Falle der Arbeitsunfähigkeit kann ein Entgeltfortzahlungsanspruch nicht für sechs Wochen realisiert werden. Folglich ist für die Beitragsberechnung zur Krankenversicherung der erhöhte Beitragssatz maßgebend.

Sind Sie hingegen zur Entgeltfortzahlung ab Beginn der Beschäftigung verpflichtet - zum Beispiel durch Tarif- oder Arbeitsvertrag - so muss das Beschäftigungsverhältnis mindestens sechs Wochen dauern, damit der allgemeine Beitragssatz gilt. Denn nur dann können Sie - zumindest theoretisch - die sechswöchige Entgeltfortzahlung realisieren (Beispiel 2).

Beispiel 2

Die Beschäftigung ist befristet vom 01.04. bis 02.06. (63 Tage).

Aufgrund eines Tarifvertrages leistet der Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit Entgeltfortzahlung ab Beginn der Beschäftigung.

Beurteilung

Die Beschäftigung dauert länger als sechs Wochen. Im Falle der Arbeitsunfähigkeit kann die Entgeltfortzahlung für sechs Wochen realisiert werden. Damit gilt der allgemeine Beitragssatz.

Den ermäßigten Beitragssatz ziehen Sie immer dann heran, wenn ein Anspruch auf Krankengeld nicht besteht. Dies ist z.B. bei Vorruhestandsgeldbeziehern, Erwerbsunfähigkeitsrentnern oder Beziehern einer Vollrente wegen Alters der Fall.

7.6 Berechnung

Nachdem jetzt alle Faktoren für die Beitragsberechnung ermittelt sind, können Sie die eigentliche Berechnung vornehmen. Dabei multiplizieren Sie das beitragspflichtige Entgelt (ggf. gekürzt auf die Beitragsbemessungsgrenze bzw. die Jahresarbeitsentgeltgrenze) mit der Hälfte des jeweiligen Beitragssatzes. Damit haben Sie den Arbeitnehmeranteil ermittelt, den Sie dem Beschäftigten vom Gehalt einbehalten. Denselben Anteil tragen Sie als Arbeitgeber. Der Gesamtbeitrag ergibt sich folglich durch die Verdoppelung des Arbeitnehmeranteils. Müssen Sie lediglich den Arbeitgeberanteil zur Renten- bzw. Arbeitslosenversicherung entrichten - z.B. bei einem Altersrentner - entfällt natürlich die Verdoppelung.

Müssen Sie als Arbeitgeber den Beitrag allein aufbringen, weil das Entgelt des Beschäftigten die entsprechende Entgeltgrenze nicht überschreitet, können Sie die Beitragsberechnung natürlich auch in einem Rechenvorgang mit dem vollen Beitragssatz vornehmen.

Beachten Sie:

Seit dem 01.07.2003 werden Arbeitgeber, die einen Arbeitnehmer einstellen, der das 55. Lebensjahr vollendet hat, von der Beitragspflicht zur Arbeitslosenversicherung befreit.

Die Verpflichtung des Arbeitnehmers zur Zahlung des hälftigen Beitrages bleibt bestehen.

Diese Regelung gilt seit dem 01.01.2008 nicht mehr für Neueinstellungen.

8. Beitragsnachweis

Für jeden Entgeltabrechnungszeitraum reichen Sie bitte bei der Krankenkasse einen Nachweis über die zu zahlenden Gesamtsozialversicherungsbeiträge ein.

Falls in einem Monat Kurzarbeiter- oder Winterausfallgeld gezahlt wurde, oder mindestens ein Arbeitnehmer Entgelt nach dem Altersteilzeitgesetz erhalten hat, kreuzen Sie im Beitragsnachweis bitte das entsprechende Hinweisfeld an. Diese Kennzeichnung hat Auswirkungen auf die Durchführung der Summenabstimmung. Wenn sich an den Beiträgen für Ihre Beschäftigten über mehrere Monate nichts ändert (z.B. wenn Sie nur einen Beschäftigten haben, der ein gleichbleibendes Gehalt bezieht), können Sie das Feld "Dauerbeitragsnachweis" markieren. Dieser Beitragsnachweis gilt solange weiter, bis Sie aufgrund einer Änderung (z.B. bei einer Gehaltserhöhung) einen neuen Nachweis einreichen.

Bei einer einmaligen Abweichung von der üblichen Beitragshöhe (z.B. bei der Zahlung von Weihnachts- oder Urlaubsgeld) kreuzen Sie bitte das Feld "Bisheriger Dauerbeitragsnachweis gilt erneut ab nächsten Monat" an. Für die Zeit danach gilt dann automatisch wieder der bisherige Dauerbeitragsnachweis.

9. Beitragszahlung

Die Sozialversicherungsbeiträge werden spätestens am drittletzten Arbeitstag eines Monats fällig, für den sie bestimmt sind. Die Beiträge für Januar 2010 sind also am 28.01.2010 fällig. An diesem Tag muss das Geld der Krankenkasse zur Verfügung stehen, d.h. die Gutschrift muss auf dem Konto der Krankenkasse erfolgt sein.

10. Summenabstimmung

Die Krankenkasse führt für ihre Arbeitgeber einmal jährlich eine Abstimmung zwischen den Summen der gemeldeten beitragspflichtigen Entgelte und den nachgewiesenen Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträgen durch.

Dieses Verfahren hat einige Vorteile:

  • Durch zeitnahe Klärung von Differenzen werden mögliche hohe Nachforderungen im Rahmen von Betriebsprüfungen vermieden.

  • Fehler bei den Entgeltmeldungen können kurzfristig festgestellt und das Rentenkonto des Arbeitnehmers somit zeitnah geklärt werden.

Dieser Abgleich wird für die Arbeitslosenversicherungsbeiträge nicht durchgeführt, wenn in einem Kalenderjahr

  • Kurzarbeiter- oder Winterausfallgeld gezahlt wurde, oder

  • ein Arbeitnehmer Entgelt nach dem Altersteilzeitgesetz bezogen hat.

Die Summenabstimmung ersetzt nicht die Betriebsprüfung durch die Rentenversicherungsträger.

11. Betriebsprüfung

Alle 4 Jahre wird von den Trägern der Rentenversicherung eine Betriebsprüfung bei Ihnen durchgeführt.
Die Prüfung erstreckt sich im Wesentlichen auf die folgenden Bereiche:

  • Beurteilung von Beitragspflicht und -freiheit

  • Abgabe von Meldungen

  • Führung der Lohnunterlagen

  • Be- und Abrechnung der Beiträge

12. Lohnfortzahlungsversicherung

Das Recht der Lohnfortzahlungsversicherung wurde zum 01.01.2006 neu geregelt. Rechtsgrundlage ist nunmehr das Aufwendungsausgleichsgesetz. Im Zuge des veränderten Sprachgebrauchs (Arbeitsentgelt statt Lohn) wurde auch die Bezeichnung des Gesetzes bzw. der Leistung geändert. Die Lohnfortzahlung wird nunmehr als Arbeitgeber-Aufwendungsausgleich bezeichnet.

Der Aufwendungsersatz ist weiterhin als Umlageverfahren ausgestaltet. Die Durchführung der Umlageverfahren obliegt ebenfalls weiter den gesetzlichen Krankenversicherungen.

Der Ausgleich wird durch zwei von den betroffenen Arbeitgebern zu zahlenden Umlagen finanziert. Die Umlage U1 betrifft die Kosten der Entgeltfortzahlung, die Umlage U2 die durch eine Mutterschaft verursachten Kosten.

Die Pflicht zur Durchführung des Umlageverfahrens ist auf alle gesetzlichen Krankenversicherungen mit Ausnahme der landwirtschaftlichen Krankenkasse ausgeweitet worden. Zuvor waren nur die Orts- und Innungskrankenkassen, die Bundesknappschaft und die Seekrankenkasse zu einem Ausgleich verpflichtet.

Bei der Erstattung der durch die Entgeltfortzahlung entstandenen Kosten sind gemäß § 1 Abs. 2 AAG im Vergleich mit den Regelungen des Lohnfortzahlungsgesetzes folgende Änderungen eingetreten:

  • Die Betriebsgröße für die an dem Umlageverfahren teilnehmenden Betriebe ist auf 30 Arbeitnehmer erhöht worden. Die Möglichkeit der Krankenversicherungen, in der Satzung eine andere Betriebsgröße festzulegen, ist entfallen.

  • Es wird nicht mehr zwischen Arbeitern und Angestellten unterschieden. Bei Vorliegen der Betriebsgröße erfolgt die Erstattung der Kosten für alle Arbeitnehmer.

Gemäß § 1 Abs. 2 AAG haben bei den Mutterschaftsleistungen unabhängig von der Größe des Betriebes alle Arbeitgeber Anspruch auf folgende Leistungen

  • Zuschuss zum Mutterschaftsgeld

  • Zahlung des Arbeitsentgelts der Arbeitnehmerin im Falle eines Beschäftigungsverbotes

  • Zahlung der Arbeitgeberanteile der entsprechenden Sozialversicherungskosten

Die Feststellung, welche Arbeitgeber von der Umlagepflicht betroffen sind, erfolgt gemäß § 3 AAG jeweils zu Beginn eines Kalenderjahres durch die zuständige Krankenversicherung.

Ein Arbeitgeber beschäftigt nach der gesetzlichen Definition in § 3 Abs. 1 S. 2 AAG nicht mehr als 30 Arbeitnehmer, wenn er im vorhergehenden Kalenderjahr während eines Zeitraums von 8 Monaten nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigt hatte. Bei der Berechnung der Gesamtzahl sind folgende Grundsätze zu berücksichtigen:

  • Schwerbehinderte Arbeitnehmer sind nicht mitzurechnen.

  • Teilzeitarbeitende Beschäftigte werden mit folgenden Faktoren berücksichtigt:

    • bei einer Arbeitszeit von bis zu 10 Stunden mit dem Faktor 0,25

    • bei einer Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden mit dem Faktor 0,5

    • bei einer Arbeitszeit von bis zu 30 Stunden mit dem Faktor 0,75

Die Arbeitgeberaufwendungen sind gemäß § 7 AAG von den Arbeitgebern im Wege einer Umlage aufzubringen, wobei klargestellt wird, dass die Umlagen auch die bei den Krankenversicherungen anfallenden Verwaltungskosten umfassen.




© steuerlex24.de


Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.


Nachrichten zu Sozialversicherungen

Kommentar schreiben

57 - S iebe n =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Sozialversicherungen – Weitere Begriffe im Umkreis

  • Sozialrecht - Hilfe in besonderen Lebenslagen
    Personen, die üblicherweise dazu in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und alleine für sich zu sorgen, können durch bestimmte Umstände in eine Notsituation geraten. Für derartige Fälle gibt es die "Hilfe in besonderen...
  • Sozialrecht - Krankenhilfe
    Die Krankenhilfe ist eine Leistung der Sozialhilfe im Rahmen der Gesundheitshilfe für Personen, welche keine Krankenversicherung haben und die Kosten für eine ärztliche Behandlung oder einen Krankenhausaufenthalt nicht bezahlen können. Ansprüche...
  • Sozialrecht - Laufende Leistungen
    Bei den Leistungen zur Sozialhilfe wird differenziert zwischen laufenden Leistungen und einmaligen Leistungen. Bei den laufenden Leistungen handelt es sich um Leistungen, welche regelmäßig gezahlt werden und der Sicherung des...
  • Sozialrecht - Vorgezogene Altersrente
    Die vorgezogene Altersrente - umgangssprachlich als "Frührente" bezeichnet" - ist eine Rente, welche unter bestimmten Vorasussetzungen bereits vor Erreichen der Regelaltersgrenze gezahlt wird. Hierbei werden jedoch 0,3 % der Rentenleistung pro...
  • Sozialstaat
    Als Sozialstaat wird ein demokratischer Rechtsstaat bezeichnet, der die soziale Gerechtigkeit und Sicherheit seiner Bürger gemäß Verfassung zum Ziel hat und dieses Ziel mit entsprechenden gesetzgeberischen Maßnahmen sowie materiellen...
  • Sozialversicherungsbeiträge - Kindergeld
    Voraussetzung für den Anspruch auf Kindergeld und die Kinder-Freibeträge ist bei volljährigen Kindern, dass sie sich z.B. in Ausbildung befinden. Zudem darf bis 2011 die Einkunftsfreigrenze der eigenen Einkünfte des Kindes von 8.004 EUR nicht...
  • Sperrzeit SGB III
    Unter Sperrzeiten versteht das deutsche Sozialrecht einen festgelegten Zeitraum, in dem Leistungen des Arbeitslosengeldes seitens der Agentur für Arbeit aufgrund von versicherungswidrigem Verhalten nicht gezahlt werden. Gesetzliche...
  • Teilzeitbeschäftigte
    Der Begriff Teilzeitbeschäftigte entspringt dem Lohnsteuerrecht (§ 40a EStG), während in der Sozialversicherung der Begriff geringfügig Beschäftigte (§ 8 SGB IV) verwandt wird. Während geringfügig Beschäftigte in der Sozialversicherung...
  • Totenfürsorge
    Die Totenfürsorge ist das gewohnheitsrechtlich verbürgte Recht und zugleich die Pflicht, sich um den Leichnam eines Verstorbenen zu kümmern. Sie beinhaltet das Verfügungsrecht über die Leiche und enthält insbesondere die Pflicht, die...
  • Transferkurzarbeitergeld
    Arbeitnehmer, die von einem dauerhaften Arbeitsausfall betroffen sind, können Transferkurzarbeitergeld erhalten. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass durch diese Unterstützung eine Entlassung verhindert werden kann, zukünftig eine...

Top Orte der Anwaltssuche zum Rechtsgebiet Sozialrecht

Weitere Orte finden Sie unter:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.