Schwerbehinderte – Vorstellungsgespräch

Lexikon | 1 Kommentar

Erklärung zum Begriff Schwerbehinderte – Vorstellungsgespräch

Arbeitnehmer werden mithilfe des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) vor Diskriminierungen im Arbeitsleben geschützt. So ist es beispielsweise gemäß § 1 AGG verboten, einen Menschen aufgrund seiner Behinderung zu diskriminieren; § 7 AGG verbietet eine Benachteiligung Schwerbehinderter. Diese Verbote beschränken sich aber nicht alleine auf Arbeitnehmer, welche bereits tätig sind, sondern beziehen sich auch schon auf schwerbehinderte Bewerber.

Öffentliche Arbeitgeber müssen mindestens 5 % ihrer Stellen mit schwerbehinderten Arbeitnehmern besetzen. Auch sind sie gemäß § 82 SGB IX dazu verpflichtet, Schwerbehinderte zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, wenn sich diese auf eine freie Stelle hin beworben haben. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Schwerbehinderte die für die Stelle notwendige Eignung besitzt. Wann eine solche Eignung vorliegt, ist gemäß der Rechtsprechung zwar Sache des Arbeitgebers, jedoch muss dieser ohne Zweifel beweisen können, dass tatsächlich eine mangelnde Eignung vorhanden ist. Dies ist beispielsweise dann ganz offensichtlich der Fall, wenn für eine ausgeschriebene Stelle ein Hochschulstudium zwingend erforderlich ist und der schwerbehinderte Bewerber dieses nicht vorweisen kann.

Verstößt der öffentliche Arbeitgeber gegen die Pflicht, schwerbehinderte Bewerber zum Vorstellungsgespräch einzuladen, besteht der Verdacht, sie würden diskriminiert werden. Als Begründung, welche den Verdacht der Diskriminierung untermauern würden, muss der behinderte Bewerber gemäß § 22 AGB lediglich Vermutungstatsachen vor Gericht vorlegen. Gelingt dem Bewerber dies, so ist es dann Sache des Arbeitgebers, diese Diskriminierungsvorwürfe zu widerlegen. Gelingt ihm dies nicht, so besitzt  der Schwerbehinderte gemäß § 82 SGB IX Schadensersatzansprüche gegenüber einem öffentlichen Arbeitgeber in Höhe von bis zu drei Monatsgehältern. Hierfür muss er allerdings beweisen können, dass der betreffende Arbeitgeber über die Schwerbehinderung Bescheid gewusst hat.

Welche Fragen ein Arbeitgeber beim Vorstellungsgespräch den schwerbehinderten Bewerbern stellen darf, führt immer wieder zu Irritationen. Zulässig ist die Frage nach einer Schwerbehinderung, da sie keinerlei diskriminierende Wirkung hat. Dabei ist jedoch zu beachten, dass ein Bezug zum Arbeitsplatz bestehen muss. Sicherer ist es deshalb, die Frage nach einer Schwerbehinderung dahingehend zu formulieren, dass der Arbeitgeber wissen möchte, „ob der Stellenbewerber an gesundheitlichen, seelischen oder ähnlichen Beeinträchtigungen leidet, die seine Eignung zur Verrichtung der beabsichtigten vertraglichen Tätigkeit infrage stellt.“


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Häufige Rechtsfragen zum Thema

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    Hallo zusammen, ein Schwerbehinderter bewirbt sich bei verschiedenen Arbeitgebern im öffentlichen Dienst. Im Anschreiben erwähnt er die Schwerbehinderung und fügt den Unterlagen den Schwerbehindertenausweis bei. Der Schwerbehinderte erhält Absagen, wie z. B.: "Wir haben Sie nicht in die engere Auswahl bezogen, weil uns aus der... » weiter lesen
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  • Konkurrentenklage 2hot4you schrieb am 30.05.2012, 14:37 Uhr:
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Schwerbehinderte – Vorstellungsgespräch Urteile und Entscheidungen

  • BildGemäß § 82 Satz 2 und 3 SGB IX hat der öffentliche Arbeitgeber schwerbehinderte Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, es sei denn, die fachliche Eignung fehlt offensichtlich. Ein öffentlicher Arbeitgeber macht den gesetzlich intendierten Chancenvorteil des schwerbehinderten Bewerbers zunichte, wenn er diesem zwar die...

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Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

maka  (22.04.2015 07:12 Uhr):
Dringende Bitte um Antwort: Darf mich der potentielle Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch fragen, weshalb ich einen GdB 50 habe, also quasi welche Krankheit ich habe? Und wenn ja, muss ich diese Frage beantworten? Und wenn ja, muss ich sie wahrheitsgemäß beantworten? Vielen Dank!






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