Schuldnerberatung

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Erklärung zum Begriff Schuldnerberatung

Die Schuldnerberatung ist Anlaufstelle für alle Personen, die mit ihren zu leistenden Zahlungen im Rückstand sind und keinen Ausweg mehr finden, die Situation alleine in den Griff zu bekommen. Häufig handelt es sich bei den Ratsuchenden um Personen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung, Trennung oder durch den Tod des Lebenspartners überschuldet sind oder denen die Überschuldung droht.

Öffentliche, gewerbliche oder anwaltliche Schuldnerberatungsstellen unterstützen deshalb Schuldner beim Abbau ihrer aktuellen Schulden. Verschiedene Organisationen bieten mittlerweile für Schuldner eine Online-Beratung an.

Staatliche Anerkennung

Für den Begriff Schuldnerberatung gibt es keinen gesetzlichen Schutz oder eine bestehende Mindestqualifikation bzw. Ausbildung zum Schuldnerberater. Der Zusatz „staatliche Anerkennung“ bezieht sich vielmehr auf die Berechtigung der Schuldnerberatung, eine Bescheinigung über das Scheitern des gesetzlich vorgeschriebenen Versuches der außergerichtlichen Einigung mit den Gläubigern gemäß § 305 I Nr. 2 InsO. Danach können die Landesbehörden bestimmen, welche Personen oder Beratungsstellen geeignet sind. Die Kriterien für die Anerkennung sind jedoch nicht bundeseinheitlich geregelt und somit kein Qualitätsnachweis für die Schuldnerberatung.

Die Unterschiede zwischen den Schuldnerberatungen

a) öffentliche Schuldnerberatung

Neben kommunalen Beratungsstellen bieten auch Organisationen wie die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz oder die Arbeiterwohlfahrt eine Schuldnerberatung an. Obwohl diese in den meisten Fällen kostenlos ist, werden nicht alle Leistungen angeboten. Da oftmals nur an einem Tag in der Woche Beratungsgespräche stattfinden, muss häufig aufgrund der großen Nachfrage mit einer Wartezeit von einigen Monaten bis zum ersten Beratungsgespräch gerechnet werden.

b) gewerbliche Schuldnerberatung

Gewerbliche Schuldnerberatungen bieten generell nur kostenpflichtige Dienstleistungen an. Zudem gibt es zahlreiche gewerbliche Dienstleister, die keine staatliche Anerkennung als Schuldnerberatung gemäß § 305 InsO vorweisen können. Sie haben daher nicht die Berechtigung, die für die Privatinsolvenz erforderliche „Bescheinigung über das Scheitern eines außergerichtlichen Einigungsversuches mit den Gläubigern“ auszustellen. Da sie auch gemäß Rechtsdienstleistungsgesetz keine Rechtsberatungen durchführen dürfen, ist der Gang zum Rechtsanwalt unvermeidlich und mit zusätzlichen Kosten verbunden.

c) anwaltliche Schuldnerberatung

Die anwaltliche Schuldnerberatung bietet eine fachkundige und nach § 305 InsO anerkannte Beratung durch einen Rechtsanwalt. Bereits das Erstgespräch ist meist kurzfristig ohne längere Wartezeit beim Rechtsanwalt möglich, damit sich dieser schnell einen Überblick verschaffen kann. Sollte der außergerichtliche Einigungsversuch mit den Gläubigern scheitern, begleitet er seinen Mandanten während der Privat- oder Regelinsolvenz. Auch hier ist die Schuldnerberatung nicht kostenfrei, allerdings hat der Schuldner die Möglichkeit, einen entsprechenden Beratungsschein beim zuständigen Amtsgericht zu beantragen. Die Kosten werden dann bei entsprechender Bewilligung ähnlich wie bei der Prozesskostenhilfe vom Staat übernommen.

Für die Bewilligung des Beratungsscheins müssen dem Amtsgericht folgende Unterlagen vorgelegt werden:
 

  • Einkommenssteuerbescheid, Lohn-/Gehaltsnachweise, ggf. Arbeitslosengeld- oder Sozialhilfebescheid;
  • Nachweise über Darlehen und Mietzahlungen, Stromrechnungen;
  • sofern vorhanden, Nachweise über Unterhaltsverpflichtungen.

Vorteile einer Schuldnerberatung

Durch den Beistand des Schuldnerberaters nimmt der Schuldner gegenüber seinen Gläubigern eine wesentlich bessere Position ein. In der Regel verzichten die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen, wenn der Schuldner durch einen Experten unterstützt wird. Die Schuldenberatung prüft aber auch, inwieweit der Schuldner einen Anspruch auf Sozialleistungen hat und ob dieser Anspruch bereits ausgeschöpft ist. Der Schuldner wird während des gesamten Verfahrens vom ersten Beratungsgespräch bis zur vollständigen Regulierung seiner Schulden von der Schuldnerberatung begleitet.

Ziel der Schuldnerberatung

Die Schuldnerberatung verfolgt das Ziel, die elementaren Bedürfnisse der Schuldner und ihrer Angehörigen (z. B. Wohnraum, Lebensmittel, Strom) zeitnah zu sichern und eine vollständige Regulierung der Schulden anzustreben, unter Umständen durch ein Insolvenzverfahren und anschließender Restschuldbefreiung.

Schuldnerberatungsstellen bieten aber nicht nur ihre Hilfe an, wenn die Schulden bereits vorhanden sind. Sie geben auch hilfreiche Tipps, wie der Schuldner weiterhin mit Geld umgehen sollte und zeigen Möglichkeiten auf, wie sich neue Schulden vermeiden lassen.

Tätigkeiten der Schuldnerberatung

  • Zunächst wird sich die Schuldnerberatung einen Überblick über die soziale und wirtschaftliche Lage des Schuldners machen.
  • Es werden die vorhandenen Unterlagen gesichtet und sortiert und die bisher aufgelaufenen Forderungen zusammengetragen, damit mit dem Schuldner eine Rückzahlung der Schuldenbeträge an die Gläubiger geplant werden kann.
  • Ist die Schuldensumme so hoch, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht mehr zurückgezahlt werden kann, ist die Eröffnung der Privatinsolvenz meist die bessere Lösung für die betroffenen Schuldner, um später ein schuldenfreies Leben führen zu können.

Aber nicht nur die Beratung der Schuldner fällt in das Aufgabengebiet der Schuldenberatung:

  • Sie prüft die Gläubigerforderungen, ob diese hinsichtlich der Höhe und der Fristen, aber auch bezüglich der Kosten und Zinsen korrekt sind.
  • Schließlich nimmt die Schuldnerberatung Kontakt mit den jeweiligen Gläubigern auf, um die Möglichkeiten eines außergerichtlichen Vergleichs zu erörtern und eine Privat- oder Regelinsolvenz ggf. zu vermeiden.
  • Des Weiteren wird aufgrund der Gläubigeranzahl sowie der Summe der Schuldenbeträge mit dem Schuldner ein entsprechender Schuldenbereinigungsplan entwickelt. Dieser beinhaltet, wann der Schuldner zukünftig welche Ratenbeträge an die Gläubiger zu zahlen hat.

Die Mitwirkung des Schuldners

Für eine effektive Schuldnerberatung ist die aktive Zusammenarbeit zwischen Schuldner und Berater über einen längeren Zeitraum erforderlich. Denn der Schuldner muss bereit sein, sämtliche Schulden und Einnahmen offen darzulegen, den Empfehlungen seines Beraters zu folgen und Absprachen einzuhalten. Auch die Änderung der Haushaltsführung kann möglich sein.




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