Schuldenvergleich

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Erklärung zum Begriff Schuldenvergleich

In einem Schuldenvergleich bietet der Schuldner anhand eines Schuldenbereinigungsplans eine Teilzahlung der bestehenden Gläubigerforderungen an. Die Durchführung des Schuldenvergleichs erfolgt in der Regel vor der Eröffnung eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens.

Ziel des Schuldenvergleichs

Der Schuldner kann sich ohne Insolvenzverfahren von den Schulden befreien. Weitere Zinszahlungen können mit sofortiger Wirkung gestoppt werden.

Vorteile des Schuldenvergleichs

Ein Schuldenvergleich zwischen Schuldner und Gläubigern hat folgende Vorteile:

  • durch Einmal-, Ratenzahlungen oder einer Kombination aus beiden kann eine schnelle Entschuldung erfolgen,
  • Schadensersatzforderungen aus Straftaten, Steuerstraftaten, Unterhaltsverletzungen können im Schuldenvergleich berücksichtigt werden, jedoch nicht im Insolvenzverfahren,
  • kürzere Laufzeit als bei einem Insolvenzverfahren,
  • in der Regel kostengünstiger, da keine Gerichtskosten für ein Insolvenzverfahren anfallen,
  • da keine öffentliche Abwicklung erfolgt, bleibt dem Schuldner eine Offenbarung erspart,
  • eine schnellere Löschung der Einträge bei Schufa und Schuldenregister ist möglich,
  • die berufliche Existenz wird nicht angetastet, was vor allem für Selbständige und Freiberufler von Bedeutung ist.

Nachteile des Schuldenvergleichs

Generell hat ein Schuldenvergleich keine Nachteile, allerdings ist zu beachten:

  • der Schuldenvergleich ist freiwillig,
  • es gibt keinen Zwangsvollstreckungsschutz wie bei einem Insolvenzverfahren,
  • während der Vergleichsverhandlungen besteht die Möglichkeit, dass die Gläubiger weiterhin vollstrecken.

Voraussetzungen für einen Schuldenvergleich

Es sollten ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sein (z. B. Unterstützung durch die Familie), um den Gläubigern ein für sie attraktives Angebot unterbreiten zu können. Gleichzeitig sollte die angebotene Vergleichsquote so sein, dass sich die Gläubiger finanziell besser stellen als in einem Insolvenzverfahren. In der Regel bedeutet das: Je höher das Angebot des Schuldners, umso schneller kann eine Einigung mit den Gläubigern erzielt werden.

Ablauf des Schuldenvergleichs

Jeder Schuldner kann von sich aus mit seinen Gläubigern eine Einigung über die Rückzahlung der Gläubigerforderungen anstreben und durchführen. Jedoch sind die Erfolgsaussichten mit einem fachlich kompetenten Beistand (z. B. Rechtsanwalt, Schuldnerberatung) höher, da sich die Gläubiger dann oftmals verhandlungsbereiter zeigen.

Um einen genauen Überblick über die Sachlage zu erhalten und den Gläubigern eine Quote, eine Einmalzahlung oder die Zahlung von monatlichen Raten anbieten zu können, die diese besser stellt als in einem Insolvenzverfahren, sind vollständige Unterlagen erforderlich. Die Zahlungen an die Gläubiger (insbesondere bei Ratenzahlungen) sollten so bemessen sein, dass das verbleibende Einkommen zur Sicherung der eigenen Existenz ausreicht, ohne weitere Schulden (z. B. durch weitere Kreditaufnahmen) zu machen. In der Regel bevorzugen Gläubiger eine Einmalzahlung, da ihnen so die Überwachung der regelmäßigen Ratenzahlungen, die oft mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden sind, erspart wird.

In den Verhandlungen mit den Gläubigern werden diese gebeten, auf weitere Zwangsvollstreckungsmaßnahmen zu verzichten. Gleichzeitig sollte der Schuldner aber auch auf die Festschreibung der Forderungen bestehen, was den Verzicht auf weitere Verzugszinsen auf die Hauptforderung bedeutet.

Gleichbehandlungsgrundsatz

Für einen Schuldenvergleich gibt es keine Formvorschriften, an die sich die Parteien zu halten haben. Daher müssen nach dem Gesetz auch nicht alle Gläubiger gleich behandelt bzw. befriedigt werden, sodass mit jedem Gläubiger ein gesonderter Vergleich möglich ist. Allerdings bestehen die Gläubiger in der Praxis auf eine Gleichbehandlung gegenüber den anderen Gläubigern, es sei denn, es liegt eine glaubhafte Rechtfertigung für die ungleiche Behandlung (z. B. besondere Sicherungsrechte) vor.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 22.08.2016 09:38
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 22.08.2016 09:38


 
 

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